Mittwoch, 15. Oktober 2014

Links with Love. Und schallendem Gelächter.

Liebe Schnitzelfreunde,
dies wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit der kürzeste Post aller Zeiten, aber der Link, den ich vorhin bei Katha von Kathastrophal entdeckt habe, ließ mich wieder an den lustigsten Immobilienblog (na, ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist...) der Welt denken, den mir eine Arbeitskollegin mal kichernd empfahl. Luft holen. Kürzere Sätze schreiben. Vielleicht kennen ihn viele schon, aber für alle, die ihn nicht kennen, MUSS es jetzt sein.

Der Vollständigkeit halber hier zunächst Kathas Link:

Foodfotos von Menschen, die keine Foodfotografen sind.

Und hier der Link, den ich all denjenigen ans Herz legen möchte, die auch so gerne in fremder Leute Wohnungen und Häuser spinksen. Die Kombination aus zumeist wirklich echten Fotos aus echten Immobilienanzeigen und den herrlich trockenen Bildunterschriften des Webmasters dieser Seite haben schon oft für schallendes Gelächter im Büro gesorgt. Mir kommen schon wieder vor Lachen die Tränen. Hach, ist das schön.

Inexplicably bad property photographs.

Ich bin hin und weg.

Was gelernt?
Fotos müssen nicht immer schön sein, um mich endlos zu begeistern.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Wir fahren nach Strasbourg. - Nein! Doch! Ohhhh!

Liebe Schnitzelfreunde,
es ist schon wieder viel später als ich wollte. Der Plan sah vor, den stinkendfaulen Sonntag dazu zu nutzen, einen so hervorragenden Post zu erstellen, dass euch gar nichts anderes übrig bleiben würde als nur noch mit den Ohren zu schlackern. (Ich muss mal aufhören, ständig zu schreiben, was alles hätte sein können, ne?) Der Grund dafür, dass ich dann allerdings am Sonntag ein menschlicher Totalausfall war, ist natürlich - wie sollte es anders sein - französisch. Der Mann hatte tags zuvor "schön wandern" gehen wollen. Alles klar, schön wandern... Böse Falle. Nie wieder. Nie!

Aber dazu ein andermal. Ich hinke ja schon übel mit meinem Schwarzwaldwochenende hinterher. Der zweite Teil nun also heute. Und der findet nicht einmal im Schwarzwald statt. Sondern im schönen, schönen Strasbourg. Meine Familie hatte wohl beschlossen, meinem Franzosen eine Freude zu machen. "Da kann er dann endlich mal wieder Französisch sprechen! ...und uns Essen bestellen." Ja, ja, sehr uneigennützig, das Ganze. Es ging also los.


Ich habe gestern übrigens gelernt, wie man bunte, transparente Kreise in ein Bild setzt! Ein großer Spaß. An jede noch so unpassende Stelle wird ein Kreis gepflanzt, um völlig überflüssige Worte hineinzubetten, die nicht immer eine wirkliche Funktion haben. Toll. Und alles in Pink. Ich hasse Pink. Aber weiter im Text.


Es wird wohl kaum jemanden überraschen, wenn ich jetzt sage, dass man in Strasbourg eigentlich die ganze Zeit über nur fotografieren, essen, trinken und sich den Hals verrenken könnte ob all der geballten architektonischen Schönheit, die sich einem dort offenbart. Wir strichen durch so viele winzige Gässchen, schlenderten über einen Bauernmarkt und zwei Flohmärkte (mit Preisen, die sich gewaschen hatten), kehrten ein, um Flammkuchen zu essen (wir waren schließlich im Elsass) und brauchten gar keinen Plan, weil einen die eigenen Füße sowieso nur an schöne Ecken tragen konnten.


Mein Bruder hatte sich vor dem Ausflug ein bisschen schlau gemacht oder währenddessen heimlich Herrn Google befragt und führte uns von den Flohmärkten über die Paulskirche (die übrigens fast so aussieht wie der Kölner Dom) am Ufer der Ill entlang ins Gerberviertel der Stadt - La petite France. Ich finde übrigens den Namen des Flusses sehr gut gewählt. Kurz drei Striche hingekritzelt, feddich. Städte, die es ihren Einwohnern auf irgendeine Art ermöglichen, aufs Wasser zu starren, am Wasser zu sitzen oder gar ins Wasser zu gehen, haben bei mir sowieso von vorneherein einen Stein im Brett. 


La petite France ist eigentlich ein Paradies für Fotografen. Überall stehen Fachwerkhäuser, man schiebt sich durch kleine Gassen, die Häuschen haben die typischen Dachgauben und das Viertel selbst ist umgeben von den vielen Kanälen der Ill. Und Blumen! Balkone, Dachterrassen und Hauseingänge sind kaum noch zu erkennen vor lauter Blumen. Deshalb ist es mir ein wenig peinlich, zugeben zu müssen, dass ich mich beim Knipsen auf Wände, Schuhe, Schwäne und Zwiebelrestaurants konzentriert habe und La petite France deshalb vollkommen unterrepräsentiert daherkommt. Aber sowas passiert. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch Schnitzel.


Die Zwiebelnasenreihe da oben ist ein echter Favorit geworden. Es fing damit an, dass mein Franzose vor einem Sauerkrauthaus für ein Foto so gucken sollte wie Sauerkraut. Knips. Gut. Weiter. Gleich um die Ecke lächelte uns ein Zwiebelrestaurant an. Ja...hallo! Die Rollen wurden getauscht, ich sollte eine Zwiebel sein. Auf dem ersten Bild überlege ich noch, wie man das wohl umsetzen könnte und fasse mir zaghaft an die Nase, weil Zwiebeln ja gut riechen können. Plötzlich löst sich ein Herr erst von seiner weiblichen Begleitung und dann aus der Menge des Besucherstroms und stellt sich einfach neben mich. Wollte mit aufs Bild. "Sie müssen dann aber auch aussehen wie eine Zwiebel, sonst kommen Sie hier nicht weiter!" Die Regeln waren streng.

Gut, er hat dann ein wenig Nachhilfe gebraucht, aber wir wollten mal nicht so sein. Seiner Frau war das wohl entweder peinlich oder es war einfach DIE Gelegenheit, sich unbemerkt aus dem Staub zu machen und mit dem Auto nach Rimini abzudüsen.

Zehn Meter weiter hat mein Vater dann aus mir mittlerweile unbekannten Gründen einen Flamingo für mich imitiert, und kurz bevor wir am Parkhaus ankamen, drängte es alle männlichen Gruppenmitglieder plötzlich zum Klo. Wir befanden uns auf dem Gelände der Uniklinik. Kurz herrschte Ratlosigkeit. Blick nach links, Blick nach rechts. Hm. Kurzerhand stratzten alle drei in die Psychiatrie, um sich dort zu erleichtern... Na ja, gut. Warum auch nicht. Eines Tages werde ich diese gemeinsamen Ausflüge mal sehr, sehr vermissen. Ich weiß es.


Was gelernt?
Familie ist super! Wandern manchmal nur so mittel.

Freitag, 10. Oktober 2014

#halloherbst14 - einfach mal mitmachen!

Liebe Schnitzelfreunde, 
eigentlich hatte ich den Tag mit einem Überschuss an Energie begonnen. Ganz ehrlich, wer steht morgens um 6:55 noch VOR seinem Wecker auf und denkt allen Ernstes: "Geil, so früh noch? Ich geh joggen!" ...? 

Ich. 

Also, heute zumindest. Manchmal gibt es solche Tage. Da brodelt es in mir. Nicht vor Wut oder sonstigen negativen Gefühlen. Aber es brodelt, und dann weiß ich, da ist mal wieder ein 5-Liter-Kanister Energie geliefert worden und wurde leider nicht abgeholt. (Hört ihr auch genau jetzt in eurem Kopf die Frau von IKEA, die darum bittet, dass Marvin und Jessica BITTE aus dem Smalland abgeholt werden sollen? Die haben bestimmt auch zu viel Energie mitgebracht und wissen nicht, wohin damit.) Jedenfalls war ich heute Morgen wirklich in aller Herrgottsfrühe joggen. Damit nicht genug, nein, nein, so ein 5-Liter-Kanister ist schwer. Und er ist groß. Hop, hop, ab auf den Schlafzimmerteppich und wilde Gymnastikübungen vorturnen. Der Teppich ist übrigens von IKEA. Als mein Franzose dann zähneputzend und schmunzelnd im Türrahmen auftauchte, läutete ich umgehend das Ende der Aerobicstunde ein und suchte fieberhaft nach einer neuen Aufgabe. To-Do-Liste! Immer eine gute Idee. 

- Abend unterhaltsam und ungewöhnlich gestalten
- SMS an eine Freundin 
- E-Mails an Kollegen 
- Wäsche waschen 
- Brot backen 
- Blog füttern 

Vielleicht sieht man es der Liste an: Das ist alles nicht sonderlich fordernd. Ich bin dann trotzdem an Punkt 5 gescheitert. Manchmal hilft es halt, sich Rezepte auch ganz durchzulesen, bevor man getrieben von wildem Aktionismus einfach loslegt. Mein verehrtes Walnuss-Bier-Brot muss tatsächlich 18 Stunden lang ruhen? Wirklich? Und dann übrigens noch 2 Stunden lang gehen und nur lächerliche 45 Minuten lang backen. Wenn ich morgen also nur 3 Stunden schlafe, schaffe ich es, mit Punkt 5 den ganzen Tag zu füllen! Worauf warten wir? Packen wir's an. Hm. Leider wollte ich morgen wandern gehen. Mit dem Brot unterm Arm. Das wird jetzt nichts. Außerdem sollte das Brot der Star dieses Posts werden. Wird auch nichts. 

Ausgebremst von einem Brot. Unfassbar.
 
So ließ ich mich ratlos durchs Internet treiben (wie ein Blättlein im Wind, wie romantisch das klingt) und stieß bei meiner Rundreise auf eine herrlich bunte Sammlung wunderschönster Herbstbilder. Der Fotoneid erwachte. Das will ich auch. Das sieht so toll aus. Ich hab jetzt keine Zeit, ich hab auch kein Smartphone oder instagram oder wie das alles heißt, aber ich muss raus und den Herbst finden, bis gleich!

Dem Brot ist mittlerweile verziehen, und hier ist mein bescheidener Beitrag zu Julis #halloherbst14-Aktion. Ist mir auch egal, ob ich irgendwas gewinne oder nicht. Ich gestehe auch, dass das Reh mir natürlich nicht heute vor die Linse gelaufen ist. Aber vor zwei Wochen. Und da war schließlich auch schon Herbst. Und die Schuhe und die Hand stammen vom Wochenende. Und, und, und. Hach, diese Farben. Kinners.


Meinem Gefühl nach zu urteilen könnte es in den kommenden Tagen noch weitere solcher Posts geben. Wem das Photo-Bombing zu viel ist, der muss weggucken. Man kann sich ja nicht um alles kümmern. Aber mal im Ernst: mein Herz schlägt gerade halshoch für den Herbst. Besonders, wenn er sonnig ist. Danke an Juli für die tolle Idee und den kleinen Schubs.

Was gelernt?
Von Brot ausgebremst zu werden hat nicht nur Nachteile. 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Schnaps im Schwarzwald.
Oder: Bissken frische Luft is good for you!

Liebe Schnitzelfreunde,
draußen regnet es in Strömen, eine milchig-graue Suppe schwebt über den Dächern der Stadt und der Pfefferminztee wird heute gleich literweise aufgebrüht. Auch so kann Herbst aussehen. Und so freue ich mich heute umso mehr, dass ich mich mit den unglaublich sonnigen Bildern vom Wochenende beschäftigen kann. Ich mag Wanderungen, ich mag meine Familie und ich mag tolles Wetter. All das ist auf den Bildern zu sehen.
 

Was nicht so gut auf den Bildern zu sehen ist, ist die Tatsache, dass die liebe Verwandtschaft sich für eine Schnapsbrunnenwanderung entschieden hatte. Ist ja sonst langweilig, nech? Man wandert also wirklich von einer Schnapsquelle zur nächsten und versucht im Laufe der Wanderung irgendwann nur noch, sich wacker auf den Beinen zu halten. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis lief es dann ein wenig anders. Der erste Brunnen kam viel zu früh und war auch komplett übervölkert. Eine scherzende Wandertruppe mit grauem Haupthaar erhob ihr Glas auf uns, als wir murmelnd an ihr und dem von ihr besetzten Schnapsbrunnen vorbeitrotteten. ("Grad erst losgelaufen... Guck mal auf die Uhr! ...och nö, jetzt doch noch nich... da kommen ja auch noch SO viele.") Ja, von wegen. Wir wissen noch immer nicht, wo es denn haperte, aber auf den folgenden 18km begegneten uns nur noch zwei weitere Brünnlein. Eines davon hätten wir außerdem beinahe verpasst, weil es etwas abseits lag. Liebe Schnapswander GmbH, da muss dringend noch nachgebessert werden. Aber wir wollen uns nicht beschweren. 


Die Wanderung war ja trotzdem lustig. Weil Mama eine verpuppte Heuschrecke entdeckte und sie dringend fotografiert haben wollte, bis jemand meinte, da fehle der Kopf. Weil ein einheimischer Bauer darauf bestand, mich von irgendwoher zu kennen, als ich am zweiten Brunnen mit dem Zwetschgenschnaps hantierte. Weil wir beim Schuhfoto beinahe allesamt umgekippt wären. Zu viel Konzentration. Und weil meine Familie generell für ein schönes Foto jeden Quatsch mitmacht. Da wird überall drübergehüpft, da werden Tiere imitiert und Verrenkungen für extravagante Schattenbilder angestellt. Denn es ist ja für den guten Zweck. Da fragt auch keiner, was das jetzt schon wieder soll. Man macht einfach, und dann macht man weiter. War was? Große Liebe.


Als wir anscheinend vollends vom Weg abgekommen waren, weil weit und breit kein Schnaps mehr zu sehen war (mein Gott, wie das klingt...), fiel irgendwem natürlich wieder ein, dass unten im Dorf Erntedank- und Weinfest sei. Mit Kuchen, deftigem Essen, grauenvoller Musik und einer tollen Tombola. Ich bin mir fast sicher, dass wir ab da alle wieder einen Gang zulegten und sogar ich davon absah, mich über die wundgelaufenen Hacken zu beschweren. Der Hahn im nachfolgenden Bild sieht übrigens dreimal betrunkener aus als einer von uns es an dem Tag je war. 


Nach geschlagenen sechs Stunden an der frischen Luft, je einem Löwenzahnblüten- und einem Zwetschgenschnaps, hunderten von Bildern und einem Stückchen Apfelkuchen sank nicht nur mein Energielevel plötzlich rapide ab. Meine Familie hatte es mal wieder geschafft. Alle waren komplett im Eimer und dachten schon gegen 8 Uhr abends laut darüber nach, sich ins Bett zu verabschieden. Vielleicht auch, weil mein Bruder der Runde unermüdlich Averna anbot. Sein privater Likörbrunnen. Leider schmeckt das Zeug wie Hustensaft. 


Die wunderbare Schnapsbrunnenwanderung kann man übrigens im Dörfchen Sasbachwalden im nördlichen Schwarzwaldgebiet starten. Ich bin mir auch fast sicher, dass der Weg eigentlich gut ausgeschildert ist. Was heißt hier "fast". Unsere Wanderung stand einfach unter keinem guten Stern. Wir hätten meiner Mutter und ihrem ominösen Lawinenortungsgerät (angeblich ein Navi für Radfahrer) von Anfang an misstrauen sollen. Nein, müssen. Aber es war eben zu schön, mitten im Wald angedröhnt zu werden, man solle in 100 Metern links gehen, und dann zu sehen, dass besagtes Links steil bergab und quasi mitten in den Busch führt. Schulterzucken, weitergehen. Das Ding spinnt. Aber wir vertrauen ihm auch weiterhin. Dank Befolgung genau dieser Methode haben wir schon die besten Urlaube erlebt. Damit könnte man Bücher füllen! Warum also die Strategie ändern?

Ich bin gerade ganz baff, wie lang der Post geworden ist. Und wie viele Fotos auf der Strecke geblieben sind. Und wie vertrackt es doch ist, die Abstände zwischen den Bildern gleich zu gestalten. Aber das ist okay so. Das finden wir noch heraus, wie das alles funktioniert.  

Edit: Das war einfach! Sobald der Post veröffentlicht ist, kann man plötzlich ganz gemütlich die Abstände vereinheitlichen. Ich bin selig. Nichts verschwindet mehr.

Was gelernt?
Familienwochenenden for president! Lawinenortungsgeräte auch!
Und: einen Blogpost mit Bildern und Text zu konzipieren, kombinieren und korrelieren ist eine Kunst für sich. Eine, die ich gerne beherrschen würde. Wird aber. 

Montag, 6. Oktober 2014

Und das Lamm schrie... HERBST!

Liebe Schnitzelfreunde,
ich weiß doch, da hinken wir ganz schön hinterher mit der Erkenntnis, der Herbst sei nun hier angekommen. Das Internet sagt mir, er lungert sogar schon seit dem 23. September 04:29 MESZ hier herum. Richtig tief ins Bewusstsein ist mir das Ganze aber erst nach dem vergangenen Wochenende gesickert, von dem ich im nächsten Post berichten werde. Ich sag es euch, die im Schwarzwald haben noch Hochsommer! Zumindest im Vergleich zu hier. 

Trotzdem raschelt man natürlich auch dort schon beim Wandern durch buntes Herbstlaub, wird von herabfallenden Esskastanien halb erschlagen und kann sich auf Straßenfesten ein Gläschen Wein und einen knusprigen, hauchdünn ausgerollten Flammkuchen genehmigen. Mit dem heutigen Post haue ich euch lediglich eine kleine Herbst-Action-Collage um die Ohren, denn ob ihr es glaubt oder nicht: so ein Familienwochenende ist ganz schön anstrengend. Im guten Sinne. Ich war abends kurz vorm Zubettgehen schon lange nicht mehr so "groggy", wie mein Vater sagen würde. Und, fast ist es mir peinlich: außer meinen Eltern hat am Samstagabend niemand bis zum Ende von 'Wetten dass' durchgehalten. Na ja. Mit einem herbstlichen HURZ verabschiede ich mich vorerst auch schon wieder und lasse noch schnell die versprochene Collage da.  

 

Was gelernt?
Viel, viel öfter mal die Wohnung dreckig lassen und dafür mit dicken Wanderstiefeln durch die Wälder stapfen. 
Außerdem: bei hohem Esskastanienaufkommen Helmpflicht.  

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Einmal gemischte Tüte bitte, Herr Meier.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich war heute hin- und hergerissen zwischen einem etwas ernsteren und einem etwas weniger ernsten Post. Es sind übrigens noch vier Nektarinen im Kühlschrank. Wenn sich bitte jemand erbarmen könnte? Danke. Das Zeug kommt mir langsam zu den Ohren raus... Jedenfalls dachte ich mir letztendlich, dass man sich im Leben nicht zwangsläufig zwischen zwei oder gar mehreren Dingen entscheiden muss. Es geht doch auch beides. Wer schreibt mir denn vor, dass ein Post eine homogene Masse sein muss? Ist doch mein Laden hier. Herrlich! Also einfach loslegen. 

Gestern Abend stolperte ich im Internet über ein kleines Video. Eigentlich nur einen kleinen Trailer für einen Film, der schon im vergangenen Jahr lief. Das Thema moderne Stadtplanung beschäftigt mich seit geraumer Zeit. Ich kann nicht einmal genau sagen, woher es kam und wie es den Weg zu mir gefunden hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in der großen Stadt, in der ich seit vier Jahren lebe, noch immer nicht so recht zu Hause fühle. Was sehr schade ist. Ich verspüre diesen diffusen Drang, mein Viertel aktiv mitzugestalten oder zumindest den Ist-Zustand zu konservieren und die ganzen unnötigen Renovierungen und Fassadenisolierungen aufzuhalten, die natürlich Mieterhöhungen nach sich ziehen werden. Gut, und am liebsten würde ich ein paar der Hochhäuser aus dem Sichtfeld schieben, um wieder mehr atmen zu können. Das neue französisch-weltoffene "Quartier", das in der Nähe entsteht, beäuge ich halb fasziniert, halb entsetzt. Wo ein quadratischer Wohnblock nach dem nächsten hochgezogen wird, war vorher nur wüstes Land. Und ich glaube, ich mag wüstes Land sehr gerne. Ein bisschen Erde, ein paar Steine, struppiges Grün, oft auch Gelb, ein paar Käfer, ein bisschen Gesummse und Gebrumme und sehr viel Weite. Viel mehr in die Tiefe gehen will ich auch gar nicht. Städte wachsen, und Veränderung ist oft gut. Auch wenn es bei mir dort oben vielleicht ein wenig anders klingt. Ich wünsche mir, dass Städteplanern die Freiheit gegeben wird, Städte wirklich für die Menschen zu bauen, die darin wohnen sollen. Hier der kleine Trailer. Ich war ein bisschen gerührt.


Huh, doch ganz schön ernst, hm? Da ist es gar nicht so schlecht, dass wir Architektur und Lebensraum hinter uns lassen und zu einem weiteren Thema aus der Vergangenheit kommen. Einem, das viel lustiger ist. (Ich scheine von gestern zu sein.) Beim Blick in den Kühlschrank zog mich heute das Eierfach magisch an. Ganz vergessen: da liegen ja seit einem Jahr vier Wollmützen drin. "Die hat doch einen an der Klatsche!", werdet ihr denken. Mag sein. Bitte lest trotzdem weiter. 

 
Vergangenen Winter leuchteten mir beim Besuch des Rewe irgendwo im Kühlfach viele, viele bunte Mützchen entgegen. Sie saßen auf Smoothie-Fläschchen von Innocent Smoothie. Die Firma war mir gleich sympathisch. Wer ist denn bitte so bekloppt, Obstsäfte im Kühlfach vor der Kälte retten zu wollen? Hinter der Aktion steckt aber etwas mehr. Von jedem bemützten Smoothie, der verkauft wird (sie kosten etwas mehr als sonst, aber pff, man bekommt eine Mütze!) geht ein kleiner Betrag an das Deutsche Rote Kreuz. Zumindest ist das in Deutschland so. In England geht das Geld an Age UK. Damit soll älteren Menschen geholfen werden, warm durch den Winter zu kommen. Die Idee gefällt mir. Genauso gut ist, dass jeder, der die Aktion unterstützen möchte, einfach mitstricken kann. Oder zumindest fast jeder. Ich möchte die Aktion unterstützen, kann aber nicht stricken. Pech gehabt. Uns Unvermögenden bleibt nur, die Mützen in Ehren zu halten und sinnvoll einzusetzen, nachdem der Smoothie ausgetrunken wurde. 

 
Jeder der Mützen liegt ein kleines Papp-Etikett bei, auf dem der Stricker kurz vorgestellt wird. Dass ich drei Kurzbiographien von Frau Olthoff besitze, deutet meiner Meinung nach nur darauf hin, dass ich meinen Stil in diesem Bereich bereits gefunden habe. Hier stellt Innocent Smoothie zudem die lustigsten und aufwändigsten Mützenkreationen in einer Galerie aus. Von den Besten der Besten kann sogar das Strickmuster heruntergeladen werden. Ich glaube allerdings heimlich, dass diese Supermützen den Rewe-Markt gar nicht erst erreichen und bin darüber etwas erbost. Aber nicht genug, um mich jetzt richtig aufzuregen. Außerdem gibt es nichts, das meine Verschwörungstheorie ernsthaft untermauern würde. 
 

 

Was soll ich sagen? Ich habe einen Grund gefunden, mich auf den Winter zu freuen! Haltet Ausschau nach Gestricktem im Kühlregal! Auch wenn es sich komisch anfühlt. Für mich geht es jetzt erst einmal für einen Kurzurlaub in den Schwarzwald. Vorher noch ein Stückchen Nektarinenkuchen, na klar.    

Was gelernt?
Eiershootings und Konsorten demnächst besser mit Stativ vornehmen, damit Kanten und Linien beim Zusammenfassen bündig abschließen.
Außerhalb der Reihe: Grüße an Frau Olthoff!!    


  

Mittwoch, 1. Oktober 2014

In der Nektarinenhölle

Liebe Schnitzelfreunde,
Gründe zum Backen gibt es ja viele. Die Oma hat bald Geburtstag, der erste Tag im neuen Job steht an, der Dackel ist zum Kaffeekränzchen beim Nachbarn eingeladen und bittet um Hilfe... Ihr kennt das. Mein ganz persönlicher Grund lauerte mir am Sonntag in Form einer unfassbar attraktiven Sperrholzkiste voller Nektarinen auf. Nun mag es dumm sein, Obst von spontan entdeckten Flohmärkten in entlegenen Teilen der Großstadt gleich kistenweise nach Hause zu karren... Ja, eigentlich hört der Satz hier auch auf, denn es handelt sich in der Tat um eine Dummheit. Mein Franzose und ich waren mit dem Fahrrad unterwegs. Erster Fehler. Wir würden in nur vier Tagen für ein recht langes Wochenende die Stadt verlassen. Zweiter Fehler. Aber: der Preis! Unschlagbar. Ich schwöre es. Zwei Euro für zwanzig Nektarinen!


So. 

Dem aufmerksamen Leser und flinken Mitrechner wird mittlerweile klar sein, was uns nun bevorsteht. Zwanzig Nektarinen, zwei Leute und nur vier Tage Zeit? Tjaha. Wird 'ne gesunde Woche. Ich muss dabei noch zugeben, dass das Obst geschickt in der Kiste platziert worden war, denn bei Entnahme stellte sich heraus, dass einige der Nektarinen ihre besten Tage bereits hinter sich hatten. Ein paar Notoperationen später hatte sich die schier unglaubliche Masse an Nektarinen auf ein übersichtliches Grüppchen von nur siebzehn Nektarinen reduziert. Damit lässt sich doch arbeiten! (Nein, das ist immer noch schrecklich.) Eine Idee musste her. Gerne auch zwei oder fünf. Und so kam es zu diesem Post. Ich präsentiere die ersten zwei Rezepte für all diejenigen, die in Zukunft genau wie ich spontan massenweise angeditschtes Steinobst erwerben und dann ruck-zuck verwerten müssen. Ich kann mir das Ganze übrigens nur so erklären: eine Kiste Nektarinen = eine Kiste Sommer. Es handelt sich um Nostalgie. Die erste Idee, die mir kam, war recht simpel: matschiges Obst, eine tickende Uhr und erstmal keine Lust, ewig in der Küche zu stehen? Da machen wir doch einen Nektarinen-Crumble draus. Kann jeder. Und Streusel haben schon früher bei Oma immer toll geschmeckt.


Nektarinen-Crumble

Zutaten für eine Auflaufform, ca. 20 x 30cm

5 große Nektarinen; nehmt die matschigsten
80g brauner Zucker
150g Mehl
90g Butter, gerne leicht gesalzen
etwas Zimt

Nektarinen zerschnibbeln, in die leicht gefettete Form geben. Die Butter sollte nicht zu weich sein, sonst krümelt es nicht. Butter also in Würfel schneiden, die restlichen Streuselzutaten dazukippen und genussvoll mit den Fingerspitzen zu Crumble-Krümeln verarbeiten. Wer den Zimt vergisst, so wie ich, kann ihn auch einfach nach dem Backen noch über den Crumble streuen.

Bei 200°C Umluft cirka 30min backen.


Ich weiß, es handelt sich um einen popeligen Crumble. Aber ich finde ihn trotzdem besonders. Vielleicht liegt das daran, dass er mit Nektarinen gemacht ist, und nicht mit Äpfeln oder Pflaumen - dem typischen Herbstobst. Mein Crumble ist ein Hybrid aus Sommer und Herbst. Also quasi eine Zwischensaison. Und schmecken tut er noch dazu!


Das zweite Rezept ist in Wirklichkeit eine wilde Mischung aus diversen Rezepten und persönlich vorgenommenen Veränderungen, weshalb ich um etwas Kreativität bitten muss. Fühlt euch frei! Beschwört die Küchengötter! Und hofft auf das Beste. Das Rezept erfordert außerdem viel Geschnibbel, aber dafür dann wenigstens keinen Ofen.


Nektarinen-Vanille-Kuchen mit einem Schoko-Knusperboden

Zutaten für eine Springform, 26cm Durchmesser

200g Zartbitter-Kuvertüre
100g Löffelbiskuit
zwei Handvoll Haselnusskerne
6 große Nektarinen
500g Vanillejoghurt/Vanillepudding/Frischkäse
1 Becher Sahne 

Die ersten vier Zutaten allesamt hacken, würfeln, halbieren oder filetieren. Die Kuvertüre im Wasserbad oder einfach im Glasschälchen oder einer Salatschüssel in der Mikrowelle schmelzen. Leicht abkühlen lassen, dann Biskuit und Nüsse hinzugeben. In die mit Öl eingepinselte Springform geben, gut andrücken und 30min kühlen. Die filetierten Nektarinen hübsch auf dem Schoko-Knusperboden anordnen - bis auf ein paar Spalten für die Dekoration.


Wieder etwas unperfekt - es handelt sich hier um den roten Faden.

Mit dem Topping seid ihr ein wenig allein, denn mein Gedächtnis lässt mich im Stich. Die Schlagsahne wird natürlich steifgeschlagen. Sucht euch einfach ein frisches Rezept für eine fluffige, etwas festere Creme, die auf einen Kuchen ohne Backen gehört. Das Ganze muss dann für eine ganze Weile in den Kühlschrank, damit euch der Kuchen nicht gleich wegfließt.


Lasst es euch schmecken! 

Was gelernt?
Beim nächsten Schnäppchen erst das Hirn einschalten und um Rat fragen. Burp.