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Dienstag, 1. September 2015

Lauschangriff. Heute: Käse. Nur besser.

Liebe Schnitzelfreunde,
es ist mal wieder passiert. Ein verbaler Alltagsjuwel hat sich mir in den Weg geworfen. Wie ich das liebe! Folgende Situation bitte einmal visualisieren:

Zwei Damen unterhalten sich im Büro. Die eine erzählt in schönstem rheinischen Dialekt, dass sie heute Abend lecker essen geht. In diesem total angesagten, hippen Laden im Bahnhofsviertel. Die andere Dame wird neugierig und verlangt nach mehr Information. Wo ist der Laden, wie heißt der noch gleich, und was gibt es denn da überhaupt zu futtern?

Die Damen tauschen sich aus, eine Internet-Adresse wird herumgereicht, man scrollt sich durch das Speisekärtchen der funky Location und staunt. Plötzlich:

Dame 1: "Hömma."
Dame 2: "Ja...?"
Dame 1: "Hast du das schon gesehen hier?"
Dame 2: "Ehm. Wo denn genau? Was ist denn da?"
Dame 1: macht eine Kunstpause
Dame 2: "Hallooo? Was wolltest du denn sagen?"
Dame 1: grinst "Hier unten. Was da steht."
Dame 2: "Komm. Jetzt sag's halt." 
Dame 1: "Doller Laden... Die ham da keinen Käse - die ham Fromage!" 

Frohmaaahsch.

Ich freu mich! Obwohl ich auch hier wieder nicht weiß, ob es genauso lustig wirkt wie zu dem Zeitpunkt, als ich es live gehört habe. Macht nichts. Seitdem ist es jedenfalls ein Dauerbrenner. Hömma, Schnittchen? Ja. Gerne. Aber nich mit Käse, ne? Neeee, nich mit Käse. So isst man bei den Banausen. Wir essen keinen Käse - wir essen Fromage!

Was gelernt?
Fronkraisch, Fronkraisch. Geht immer. 

Mittwoch, 22. Juli 2015

Knallebunt geht vieles leichter

Liebe Schnitzelfreunde,
dieser Sommer ist ein turbulenter, und die Zeit, die Zeit, wie sie rennt, es ist kaum zu fassen. Dachte ich eben noch, der letzte Post sei sicher erst ein paar Tage her, sehe ich gerade, dass es doch ein paaaaar Tage mehr sind. Aber gut, dann ist das so. 


Zu Hause wird gekämpft - gegen den Schimmel, den Vermieter und die heiße Luft, die der laut dröhnende Anti-Wasserschaden-Kompressor in die Küche pustet. Eine Sauna, hat auch nicht jeder! Und weil man bei sowas nur verrückt werden kann, dachte ich mir, kann ich auch gleich komplett offensichtlich werden und mich mal auf eines dieser Holi Hail Festivals begeben, um wild tanzend mit farbigem Pulver um mich zu werfen. 

Und alles wieder in Relation zu setzen. Denn irgendwie ist das doch ein bisschen irre, eine Eintrittskarte zu kaufen und sich dann zielgerichtet eigentlich nur komplett einzusauen.


Ich schwöre, dass ich mir vorgenommen hatte, wenigstens ein klitzekleines bisschen Recherche zu betreiben. Mich über den Hintergrund des Festivals zu informieren. Ansatzweise zu verstehen, was das alles soll... Na ja, ihr ahnt es schon, ne? Satz mit X. War nix. Deshalb kam ich mir auch etwas bekloppt vor. Zwischen all diesen fremden Leuten. Als Einzige barfuß. Hippie shit. Als eine der Wenigen nicht in Weiß gekleidet. Ah, so macht man das also. Hopsend, hüpfend, lachend. Schon wieder keine Ahnung, was hier los ist. Ständig zu spät zum Holi Spray und immer wieder den Farbbeutel kaum aufbekommen oder gleich alles auf dem Boden verteilt. Aber wisster: Manchmal ist es eben total okay, irgendetwas einfach so zu tun. Ohne Plan, ohne tieferen Sinn, ohne Eleganz und mit enorm viel Spässkes an der Sache. Und sich hinterher an eingesauten Klamotten, verschmierten Gesichtern, zugestaubten Sonnenbrillen, krustig braunen Füßen zu erfreuen.




Ein paar Inder rannten dort herum. Breites Lächeln, keine Berührungsängste, das mag ich ja. Nicht mal Hallo sagen, nein, sondern gleich mit vollen Händen dieses fremde Gesicht einseifen, das gar nicht daran denkt, sich zu wehren. Die müssen es ja wissen, dachte ich mir, und schloss einfach lächelnd die Augen. Macht ihr mal. Orange auf dem Kopf, Grün, Gelb, Blau, Violett im Gesicht.

Nach ein paar Stunden war's gut. Die Waden schmerzten vom Gehopse, wir sahen aus wie hulle und wollten Eis! Eigentlich das von Ben & Jerry's auf deren Movie Night. Die Schlange vorm Tor entsetzte uns allerdings, also... Tja. Supermarkt? Nee, nicht stilecht. 


Einmal durch die ganze Stadt, bis ins etwas schickere Viertel, zur tollsten Eisdiele. Natürlich hatte ich bis dahin schon wieder vergessen, wie wir aussahen. Vielleicht ganz gut so. Bis dann der Eisverkäufer hinter der Theke auf uns starrte und mit einem "Pistazie, bitte!" geweckt werden musste. Huch, ach so, natürlich, Verzeihung. 


Bisschen rumbummeln, ne tolle Wand finden, letzte-Gelegenheit-Bilder knipsen, erst du, dann ich, dann Selbstauslöser, Franzose verliert den halben Kopf, ein wenig schäkern mit dem tätowierten Menschen samt Hund, der seine Begeisterung über unser Verschmiertsein ausdrückt, aus Versehen kleine Kinder erschrecken, ein wirklich großartiger Tag. Weit weg von allem. Gerne wieder. Wirklich, sehr gerne, immer, immer wieder!

Was gelernt?
Wenn man merkt, dass Einsauen mit Farbpulver eine Lösung darstellt,
einfach ein paar Beutelchen mit nach Hause nehmen. 
Für weitere Wasserschäden. Oder so. 

Mittwoch, 13. Mai 2015

Beziehungsprobleme mit überraschend viel Grün
Radtour in der Frankfurter Südkurve

Liebe Schnitzelfreunde,
Frankfurt und ich haben so unsere liebe Müh' miteinander. Irgendwie funkt es nicht so recht. Und das seit mittlerweile über vier Jahren. So ganz genau ist mir noch immer nicht klar, woran das liegt. Wir sind wie ein ungleiches Pärchen, bei dem der eine zu viel nimmt, und der andere zunächst fassungslos dabei zusieht, dann phasenweise heftig protestiert und schließlich einfach seelenruhig mit seinem eigenen Kram weitermacht und darauf hofft, dass der Partner zur Vernunft kommt und mit dem Scheiß aufhört. Da fehlt der Dialog! Im Winter verstehen wir uns wirklich nicht sehr gut, noch schlechter als sonst schon. Aber zum Glück kommt dann immer rechtzeitig der Frühling und dann der Sommer umme Ecke. Kurz bevor's Tote geben würde.

Vergangenen Sonntag war wieder so ein Tag, an dem ich dachte: "Komm, Frankfurt, das kann doch hier nicht so weitergehen mit uns zwei hübschen Köppen. Ich möchte an unserer Beziehung arbeiten. Ernsthaft und aufrichtig. Lass uns nicht lang reden, das üben wir ein andermal, lass uns was tun. Du Sonne, ich den Rest." Und was soll ich sagen?! Gefluppt hat es! Ich war ein klitzekleines bisschen von den Socken, wie großartig ein Tag in Frankfurt sein kann. Na gut, das ist ein wenig geschummelt, weil's eher ein Tag um Frankfurt drumherum war. Aber wir woll'n mal nicht kleinlich sein. Kommt mit.

 
Seit Weihnachten lag hier in der Schublade so ein Buch herum. RadRheinMain - Die schönsten Touren rund um Frankfurt und hastenichgesehnisdatschönhier. Das polterte und randalierte plötzlich. Weil es da draußen einfach so gut roch, nach Sonne und guter Laune. Und wenn man's allein halt nicht hinbekommt, die liebenswerten Seiten einer Stadt zu entdecken, ganz ehrlich, dann kann man sich auch mal professionelle Hilfe holen und das eigene Schicksal in anderer Leute Druckerschwärze legen. Und sich drin wälzen. Ach nein, jetzt geht das mit den schlechten Wortwitzen wieder los...


Wir hatten uns jedenfalls eine echt tolle Tour rausgesucht. Für die hätte man eine S-Bahn benutzen müssen. Blöd, dass grad gestreikt wurde... Na ja, oder auch nicht! Spontan wurde umdisponiert und ganz kreativ Tour Nummer 1 aus dem Buch zum neuen Held des Tages gewählt. "Durch den Frankfurter Stadtwald zur Schwanheimer Düne." Die wollte ich sowieso seit längerer Zeit mal begutachten. Düne in der Großstadt? Wir lassen uns doch nicht veräppeln. Obwohl's ja gut klingt. Sowas muss überprüft werden. Die Tour begann am Eisernen Steg, der Brücke, die ihr hier oben schwer beladen unter unzähligen bunten Vorhängeschlössern geraaade noch so erkennen könnt.

Dann ging es fein am Main entlang, und ich gebe zu, dass ich aus Gewohnheit immer, immer Rhein sagen und auch schreiben möchte. Einmal Pottkind, immer Pottkind, da machste nix. Main also. Das belastet die Beziehung sicher auch ein wenig. Mein Herz schlägt (noch) für einen anderen.


Das da über dem Gewächshaus ist übrigens die neue EZB. Rie-sen-groß.

Wir bogen ab. Das macht man ja manchmal. Gerade, als ich so richtig in die Pedale treten wollte, weil es leicht bergauf ging, quietschte Franzose freudig und ich stolperte irritiert vom Fahrrad. "Speck weg!", rief er und strahlte. Meinte der mich?

Nee.

Das asphaltierte Sträßchen, auf dem wir gelandet waren, trug den Namen "Speckweg". Franzose stellte sich unters Schild, hob das T-Shirt an, zeigte einen Hauch, wirklich nur einen Hauch von Bauchspeck, und ich drückte auf den Auslöser. Leider versprach ich, das Bild hier nicht zu zeigen. Aber ihr habt Phantasie!

Die eigentliche Attraktion rund um den Speckweg ist natürlich eine andere. Dort werden die berühmten sieben Kräuter für die tolle Frankfurter Grüne Soße oder auch Grie Soß angebaut - Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Was für eine bekloppte Mischung. Sie schmeckt aber. Und irgendwer hatte die Idee, dazu noch eine Art obskures Grüne-Soße-Denkmal aufzustellen. Ein Denkmal für Kräuter! Daran sind wir leider achtlos vorbeigeradelt, daher kein Bild. Hm.

Es ging ab in den Wald. Den Frankfurter Stadtwald. Nachdem ich versucht hatte, den Goetheturm umzukippen (es sieht eher nach Tai Chi aus, ja, na ja, na gut), gingen wir erst einmal wieder verloren. Dieser Stadtwald ist voller Schneisen! Das Buch redete von Scheerwaldschneise hier, Ebertschneise da, und passen Sie um Gottes Willen auf, dass Sie den Abzweig nicht verpassen, joah, und schon war es geschehen. Ta-da. Natürlich. Gut. Wir hatten es wenigstens versucht. Das zählt. Wir hielten an einem Stoß aufgeschichteter Baumstämme. Franzose sprang darauf herum, ich legte mich einfach ganz unauffällig zu den Stämmen dazu. Dann sprang auch ich.

 Von unten sieht man selten gut aus.

Viele Schneisen später lichtete es sich plötzlich. Riesige weitläufige Waldwiesen lagen vor uns. Aber gut, so ein bissken Gras wird euch jetzt wohl kaum beeindrucken, ne? Grün halt.


Aber vielleicht so ein Bäumchen hier mit Glubschaugen? Das steht in den Schwanheimer Waldwiesen, ziemlich mittendrin. Zu erkennen an der extrovertierten Stromschlagfrisur. Die seht ihr auf dem nächsten Bild. Frankfurter scheinen Humor zu haben, schau an, schau an. Wir radelten so friedlich an sehr, sehr großen, sehr, sehr grünen Wiesen vorbei, als uns dieser Baum hier unerwartet von der Seite anglotzte. Vollbremsung meinerseits! Beinahe Kollision mit mehreren Verletzten. 


Struwwelpeter sagt das Schild am Baum zu Recht. Geile Frise. Wir machten erneut Halt und bummelten herum. Anstatt wie geplant im Wald nach Bärlauch zu fahnden, begnügte ich mich damit, Pusteblumen plattzupusten und Bäume anzustarren. Und typische Bloggerbilder zu schießen. "Schau, was ich in Händen halte." Die mag ich.

Wie man das an einem Tag, der schon so sehr nach Sommer duftet, halt so macht. Keine Aufregung, nur treiben lassen. War Frankfurt am Ende doch ein Partner, mit dem es sich leben ließe? ...ganz ehrlich, ich mach's der Stadt auch nicht leicht. Da war Skepsis, gleich von Anfang an - wie soll man denn da offen aufeinander zugehen? Ich bin echt ein Depp. 


Nach einer LAUTLÄRMENDEN Überquerung der Schnellstraße B40, die sich geschickt hinter Wald und Wiesen versteckt hatte, surrten wir endlich schnurstracks auf die heiß ersehnte Düne zu. Und ich weiß, wie doof das klingt, aber: das Ding ist flacher als ganz Holland, und trotzdem herrscht da Urlaubsstimmung, sie überkommt einen einfach und heftet sich an die Fersen. Was sicher teilweise am Überraschungseffekt liegt. Diese große Stadt mit all ihren wahnwitzigen Hochhäusern ist so nah, und dann sprießt einem da eine 10 000 Jahre alte Binnendüne aus'm Boden. Da weiß man gar nicht, wohin mit sich. Die Düne muss man auf einem hölzernen Bohlenweg durchqueren. Das darf man barfuß tun. Ein bisschen suchen muss man den Sand auch. Überall stehen Kiefern, drumherum wachsen Silbergras und Bauernsenf, es duftet wie an der französischen Atlantikküste. 

Na gut, und dann kommt einem wie in unserem Fall auch manchmal eine ältere Dame entgegen, die einen zunächst anspricht, eine Frage stellt und dann die Antwort gar nicht erst abwartet, denn "Oooooohhh, da blüht ja eine Grasnelke!! Oh ja, da drüben! Ja. Ja, ja... Mh-hm, ja." und dann läuft sie murmelnd weiter und lässt einen einfach perplex dort stehen. Typ 'begossener Pudel'. Hehehe, ich mag Bekloppte.


Gut. Nicht wundern, einfach weitermachen. Schnell noch auf den Boden gelegt, einen Marienkäfer geknipst und zum zweiten Mal an diesem schicksten aller Maisonntage die Sonnencreme vom letzten Sommerurlaub aufs fahle Antlitz geschmiert.


Und weil es echt sein musste und gar nicht anders ging, radelten wir zum Abschluss unserer Tour allen Ernstes noch einmal quer durch die gesamte Stadt bis zum legendären Eis Christina. Pistazie und Erdbeer-Balsamico für sie, Schokolade und Maracuja für ihn.

Von wegen Speck weg... Vergiss es. Her mit dem leckeren Leben!

Was gelernt?
  Veränderung heißt Arsch hoch!

Montag, 27. April 2015

Ein Tag ohne Kompost ist ein verlorener Tag!

Liebe Schnitzelfreunde,
vorgestern wachte ich auf und erinnerte mich dunkel an ein Plakat. Das hing Freitagabend an einer dicken, runden Litfaßsäule auf dem Weg zu einer unschlagbaren belgischen Kneipe. Normalerweise achte ich nicht auf Plakate. Wirklich nicht. Meistens soll man ja animiert werden, in eine Oper, ein Museum oder auf ein klassisches Konzert zu gehen, von dem man noch nie zuvor gehört hat. Dieses Plakat war anders. Es propagierte - Achtung, Trommelwirbel! - den morgigen Komposttag! Also vorgestern. Jetzt isser vorbei.

"Ähm", dachte ich mir, "ernsthaft? Komposttag... Sachen gibt's." Damit war die Angelegenheit erstmal wieder erledigt. Vor mir lag ein spaßiger Abend mit Franzosen, Burgern und belgischen Pommes. Er endete spät. In mir schwamm Bier. Nicht genug allerdings, um den Kompostgedanken darin zu ertränken. Er hatte sich festgesetzt. Sowas sucht man sich ja nicht aus.


Der nächste Morgen. Ich stehe senkrecht im Bett, elektrisiert vom Gedanken an Kompost. Warum, werden wir nie erfahren. Es ist 8 Uhr und Franzose soll jetzt verdammt nochmal aufwachen. Das tut er auch. Zerknautscht sieht er aus. Das wird schwierig.

Irgendwie habe ich es dann hinbekommen, ihn davon zu überzeugen, mich zur Rhein-Main-Biokompost GmbH am anderen Ende der Stadt zu begleiten. Oder...sogar beide. Ihn und seinen Kater. Einer dieser Punkte auf der Agenda der Kompostwerke musste es ihm angetan haben:

  • Führung durch das Kompostwerk
  • Bepflanzungsaktion "Blumenkästen solange der Vorrat reicht"
  • Bodenqualitätstest (Erdprobe bitte mitbringen)
  • Beratungen und Verkauf von Komposterde
  • Kinderprogramm
  • Speisen- und Getränkeangebot

Gut, eigentlich war es echt schwierig, ihn aus dem Bett, unter die Dusche und dann auch noch aufs Fahrrad zu kriegen. Bei DEM Angebot. Ich verstehe sowas nicht. Ich habe dann ein ausgeklügeltes Animationsprogramm aus dem Hut gezaubert. Damit wenigstens der Weg zum Komposttag ein bisschen spannend wurde.

Aber wie schon angedeutet: ich war Feuer und Flamme. Denn mich kann man mit totalem Mist begeistern. Diesmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Wer kann schon gegen einen Samstagmittag auf einer motorisierten Kloschüssel anstinken? Na also. (Ich lass jetzt auch die Wortwitze.) Ach Mensch, ich freu mich immer noch. Das Programm, bittesehr:



1. Lecker Frühstückchen

 
Zwei Schnittchen am Main, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom Bäcker an der Ecke. Im Schatten des großen "Gerippten" gefuttert. Das ist ein Gebäude mit tausenden kleiner, dreieckiger Fenster, das aussieht wie die hier üblichen Apfelweingläser. Franzose brauchte dringend etwas zwischen die Zähne. Dies hier war ein guter Auftakt.


2. Graffiti in zwielichtiger Gegend


Auf dem Weg in Richtung Osthafen tauchten wir unter einer großen Kreuzung her und wurden beinahe erschlagen vom Bunt. Franzose war gleich einen Tick wacher als vorher. Da geht einem doch das Herz auf. So viel Farbe, so viel zu sehen. Und es wirkte tatsächlich so, als sei das Gesprühe rund um die Fußgängerunterführungen ehrlich und offiziell erlaubt. Logische Konsequenz:


3. Selbst Hand anlegen


Immer nur zugucken is' nix. Also lieber mal mit anpacken. Ich gab einen exquisiten Einführungskurs ins Gangster- und Ganoventum für aufgeschlossene Mitbürger. Ganz ehrlich, Graffiti finde ich oft richtig toll. Weil es nicht immer Schmiererei ist, sondern dazu beitragen kann, den ganzen angeschmodderten Beton kuscheliger wirken zu lassen. Natürlich haben wir nicht wirklich rumgesprüht. Die Dosen waren leider alle leer und taugten nur noch für so tun als ob. Mist...


4.  Kurz alles doof finden


Das kennt Franzose schon von mir. Manchmal muss man Emotionen zeigen. Es kann ja auch nicht immer alles Ponyhof sein, ne? Seid auch ihr irritiert von diesem Gefüßel da rechts unten? Vier Beine und fünf Füße... Anatomisch fragwürdige Konstruktion. Schnell weg.


5. Andere Franzosen treffen!

 
...und auf Tuchfühlung gehen. Während ich mich auf schöne Augen konzentrierte, na ja, ihr seht es ja selbst.

Wir hatten die Stadt durchquert und waren dem Ziel sehr nah. Die Kompostwerke liegen in einem Gewerbegebiet am Osthafen. Gut versteckt in einer Sackgasse. Mir war bis zu dem Tag gar nicht bewusst, dass so etwas wie ein Kompostwerk überhaupt in der Form existiert. Auch wenn es nur logisch ist. Irgendwo muss der Biomüll ja hin. Und irgendwas muss damit ja auch geschehen. Sonst wäre das ganze leidenschaftliche Mülltrennen vollkommen sinnlos.

So, aber wenn ihr jetzt denkt, der spaßige Teil wäre vorüber und ab sofort gibt's nur noch schimmelige Tomaten und stinkige Bakterien, habt ihr euch geschnitten. 

Wir kommen also an und ich bin erst einmal komplett begeistert von, ja, von aufgetürmtem Geäst.



Lange konnte ich mich aber nicht darauf konzentrieren, denn der Mann am Eingangstor hatte vergessen, uns den Coupon für den oben erwähnten bepflanzten Balkonkasten auszuhändigen. Also schnell nochmal zurück! So nicht. Komposttag ohne Erde? Pfff.



Wunderbar. Gerade noch geschafft. Es gab nur eine begrenzte Anzahl von Kübeln, die herausgegeben wurden. Franzose schlurfte herum, weil er der Meinung war, wir würden eh die einzigen Gäste auf diesem seltsamen Kompostdingens sein, aber dem war nicht so.



Er legte sich in eine Baggerschaufel und döste. Nee, ganz im Ernst, man konnte wirklich eine Menge Unfug in dem Werk anstellen, ohne dass sich auch nur eine Menschenseele daran gestört hätte. Überhaupt schienen die Leute im Kompostwerk total tiefenentspannt zu sein und einen sehr sympathischen Humor zu besitzen. Siehe ganz oben. Kloschüsselrennen? Okayyy. Aber es fängt ja eh schon damit an, dass man als Kompostwerk der Meinung ist, aus Biomüll einen Event bauen zu können und definitiv bauen zu müssen. Super! Kinder konnten auf dem Gelände außerdem in kleinen Reinigungsfahrzeugen mitfahren und die rotierenden Schrubberbürsten bedienen. Leider war ich dafür zu alt. Nicht, dass ich gefragt hätte. Echt nicht!



Neben dem Tor zur Einfahrt türmten sich mehrere Berge aus biologischen Roh- und Nutzstoffen auf. Rindenmulch, grobe Holzspäne und natürlich schöner lockerer Erdboden. Wir buddelten in allem herum. Bis endlich die Führung durchs Kompostwerk anfing. Kurz davor düste ich auf der motorisierten Kloschüssel im Kreis herum und legte mich beinahe auf die Schnauze, weil ich zu viel Gas gab. Das war ehrlich gesagt kaum zu toppen. Die Führung hatte es schwer.



Das, was ihr da auf zweien der drei Bilder entdecken könnt, ist der Biomüll aus Frankfurt, Offenbach und Umgebung. Und zwar von nur zwei Tagen. Stinkt etwas weniger als erwartet. Und enthält leider etwas mehr Plastikmüll und sogar Metallteile (äh...) als befürchtet. Ist doch gar nicht so schwer, Biomüll zu identifizieren, oder etwas doch?! Manmanman. Mit Liebe und viel Hingabe wird hier im Werk der gute vom schlechten Müll getrennt, mithilfe fleißiger Bakterien unter Zugabe von Wasser und wohliger Wärme wieder aufbereitet und letztendlich getrocknet zu Eins-a-Biokompost!



Schon ein bisschen schade, dass Komposttag nicht öfter im Jahr sein kann. 


Was gelernt?
Spontane Ideen sind die besten.
Und: Frankfurt scheint doch was zu können.
Ich halte euch auf dem Laufenden. Tipps sind willkommen.

Sonntag, 2. November 2014

Im Nebel stochern. Frankfurter Wetter.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich hab euch heute was gekocht. Es gibt Nebelsuppe. Haha! ...ich weiß, das mit den Kalauern muss weniger werden. Zurückhaltung ist angesagt. Als ich gestern aus dem Haus trat, konnte man hier im Örtchen fast die Hand vor Augen nicht sehen. Irre, wie das Wetter überpünktlich zum 1.November dicke, fette, undurchdringliche Schwaden in alle Gassen drückt und die gesamte Stadt unter einem Grauschleier versteckt. Heute halte ich einfach mal die Klappe und lasse die Bilder für sich sprechen - Grau ist nämlich eine ganz schön coole Farbe. Wer was anderes sagt, hat keine Ahnung oder Tomaten auf den Augen.

Oho, Madame ist auf Krawall gebürstet. Los geht's. Lasst uns mal gemeinsam im Trüben fischen und den Kopf in die Wolken stecken! Klar sehen kann man später immer noch. Mitgekommen und abgetaucht.


Findet ihr auch, dass einem sofort das bisschen Farbe entgegenspringt, das sich zwischen all dem Grau versteckt? Grau ist dermaßen bescheiden. Ich muss spontan ein wenig schmunzeln. Heute Morgen hatte ich das große Glück, bei Julis #halloherbst14-Aktion als einer von dreien in der Kategorie Blog zu gewinnen. Mit meinem eher zufällig zusammengefummelten Beitrag vom 10.Oktober. 'Zufällig' deshalb, weil mich das Brot ausgetrickst hatte und ich als blutiger Anfänger ohne festen Plan plötzlich ohne Post dastand. Bei dem Wettbewerb ging's natürlich um die Wurst, so wie sich das gehört (Brot... Wurst... Käse!), aber vor allem ging es eben auch darum, den Herbst in all seiner Pracht willkommen zu heißen und ganz, ganz ausgiebig in Rot, Orange, Gelb, Braun und Ocker zu schwelgen. Und jetzt komm ich hier mit meinem trüben Süppchen umme Ecke. Derber Stilbruch. Aber so läuft es eben manchmal.

Was gelernt?
Auch Grau kann was. Kann man so stehen lassen.
Und: Fototouren mit vorgegebenem Farbschema wären vielleicht mal einen Versuch wert. Hm, hm. Spannend!

Freitag, 31. Oktober 2014

Halloween - Zombie Walk Teil II

Liebe Schnitzelfreunde,
heute gibt es den zweiten Teil des Zombie Walks zu bestaunen. Je öfter ich mir die Bilder anschaue und mich an den Abend erinnere, desto häufiger denke ich, dass er für unvorbereitete, zartbesaitete Menschen doch einen ganz schönen Schock darstellen kann. Deshalb ist es umso wichtiger, sich wirklich an die Regeln zu halten.


"Macht nichts kaputt, werft euch nicht bluttriefend auf fremde Autos, besudelt keine Passanten," zum Beispiel. Wobei ich ja nicht umhin kann, die Formulierung dieses Satzes unfassbar lustig zu finden. Weitere Regeln besagen, dass Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes davon zu überzeugen sind, dass es sich bei den Teilnehmern allesamt um "brave Zombies" handelt. Ein guter Zombie erschreckt auch keine kleinen Kinder und hält sich erst recht nicht in größeren Gruppen in wiederum recht kleinen Geschäften auf, denn "Lebende wollen auch einkaufen".


Hier seht ihr, dass ich im Vergleich zu anderen Zombies sehr vital wirke und viel zu wenig Blut am und dementsprechend viel zu viel im Körper trage. Das muss besser werden... 

An einem Zombie Walk nehmen keine normalen Menschen teil. Manche werfen sich spontan ächzend zu Boden, kriechen dann dort herum und geben besorgniserregende Laute von sich. Aber lasst euch davon nicht täuschen, die sind ja schon tot. Stolpert einfach weiter. Ich kann viel ab, aber als mir jemand ein Nierenschälchen mit blutigen, abgehackten Fingern anbot ("Häppchen?"), bin ich doch kurz zusammengezuckt. Heieiei. Richtig gut wiederum fand ich die Hundebesitzer, die das Fell ihres hellbraunen Vierbeiners großzügig mit dem Schriftzug "Fleisch" versehen hatten. Der Hund sah trotzdem sehr glücklich aus.


Wie hier oben zu sehen, kletterten Fotografen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf erhöhte Objekte. Denn daraufhin wurde eine Art Choreografie dargeboten, in deren Verlauf sich die hungrigen Zombiejünger um jenes Objekt sammelten und mit gierigen Armen nach den Fotografen reckten. Das muss richtig gute Bilder gegeben haben.


Ich hatte mir das ganze vorher wie eine Art obergruseligen, blutbesudelten Karnevalsumzug vorgestellt, doch das ist es wirklich nicht. Es gibt keine Schnäpschen und niemand wirft einem alte Bonbons an den Kopf, klar. Der wirkliche Unterschied besteht aber eher darin, dass fast jeder für den Verlauf des Walks in seiner Rolle bleibt. Falls er sich vorher eine zurechtgebastelt hat. Menschen im Dirndl zucken plötzlich und drehen mechanisch Pirouetten, als seien sie kleine Aufziehpüppchen. Soldaten robben über den Asphalt, Frauen im Brautkleid fragen nach ihrem Bräutigam und überprüfen noch schnell das Make-Up im Taschenspiegel. So fiel es uns beiden überhaupt nicht schwer, den ganzen Weg über das Bein nachzuziehen, leidend zu gucken und einfach mit einzufallen, wenn die Meute mal wieder "Fleisch! Fleisch! Fleisch!" skandierte.


Vor der Alten Oper in Frankfurt kam der Zug dann nach ungefähr anderthalb Stunden zum Halt. Ein gigantisches Gruppenbild wurde arrangiert. Darauf hatte ich keine Lust. Ich fand's viel spannender, diese unfassbare Masse an Leuten zu sehen, wie sie fröhlich und ausgelassen vor dem schicken Gemäuer posierte. Kurz darauf löste sich alles auf. Innerhalb weniger Minuten sah es so aus, als wäre hier nie was gewesen. Wie bei einem Flashmob.

Wir liefen noch durchs Rotlichtviertel, weil uns das lustig erschien, und verbrachten den Rest des Tages zu Hause. Mittlerweile war es auch stockduster. Mein Franzose wusch sich sofort das Blut vom Körper, ich dagegen fing an, mich richtig wohlzufühlen, so zerfetzt und angeditscht. 


Der moderne Zombie legt Wert auf ein gepflegtes Ambiente und eine ausgewogene Ernährung.

Was gelernt?
Eher nicht. Aber warum macht es so viel Spaß, so zu tun, als wäre man schon im Jenseits?

Montag, 27. Oktober 2014

Halloween - schöner verwesen beim
Zombie Walk Frankfurt, Teil I

Liebe Schnitzelfreunde,
Halloween steht vor der Tür. Oder kratzt mit langen, blutig verkrusteten Fingernägeln übers Küchenfenster, um euch zu holen. Wie ihr wollt. Dieses amerikanische Gruselfest interessiert mich eigentlich nicht die Bohne. Zumindest war das bis vor Kurzem noch so. Aber die Sachlage hat sich entscheidend geändert, seit ich weiß, dass in Frankfurt alljährlich im Spätsommer oder Herbst der Zombie Walk stattfindet! Eine Horde verwesender Mitbürger stolpert blutüberströmt, apathisch und dennoch sehr, sehr hungrig durch die Innenstadt, vorbei an überraschten, ratlosen, staunenden und vor allem appetitlich lebendigen Passanten. Am 30. August waren wir selbst zum ersten Mal dabei und schlurften untot sowie reichlich demoliert dem Sonnenuntergang entgegen. Romantischer geht es ja wohl kaum noch. So ein Zombie Walk ist hervorragend sinnbefreit, und so möchte ich ihn ausnahmslos jedem ans Herz legen, der ein bisschen Spass inne Backen und Lust auf vergnügte Zombiefreunde hat. Ihr müsst zum Glück auch gar nicht bis zur Bankenmetropole pilgern, um mitzumachen. (Wer weiß, wo ihr alle wohnt...) Zombie Walks finden unter anderem in Berlin, Dortmund, Hamburg, München oder Hannover statt. Vorgestern gingen die wohl letzten Paraden dieses Jahres in Berlin und Stuttgart über die Bühne.


Mein Franzose und ich beschlossen halsbrecherische drei Stunden im Voraus, dass der diesjährige Walk unser Debüt darstellen sollte, nahmen die Beine in die Hand und hetzten durch sämtliche Handarbeits- und Dekorationsabteilungen aller großen Kaufhäuser. Anscheinend war es aber noch zu früh, um richtige Halloween-Schminke abgreifen zu können, und Karneval stand ja nun auch noch lange nicht auf dem Plan. Der idee-Kreativmarkt rettete uns den Abend und versorgte Mann und Weib mit Zombie-Schminksets. Alles würde gut blutig werden.


Zu Hause kloppten wir uns beinahe um den Platz vorm Spiegel, weil uns der Ehrgeiz gepackt hatte. Wir beratschlagten unsere Todesursachen, tupften einander eifrig Kunstblut ins Gesicht und humpelten zu Musik in ohrenbetäubender Lautstärke probeweise durchs Wohnzimmer. Auf jedem Zombie Walk herrschen ein paar Regeln, die es zu beachten gilt. Das Humpeln, Schlurfen oder gerne auch Ächzen und Stöhnen gehört unbedingt dazu. Und: "Man darf beim Zombiewalk so ziemlich alles sein, nur nicht schön. Wer gestorben ist, der verwest." Das leuchtete ein.


Für uns ging es mit dem Rad in Richtung Bahnhof. Nach 200m hatte ich vergessen, dass ich aussah, als wäre ich dreimal vom Laster überfahren worden und wunderte mich, als dem Dönermann am Eck bei unserem Anblick beinahe Säbel und Brottasche aus der Hand fielen und der Mund weit offen stand. Dabei war nur fünf Minuten zuvor ein Nachbar im Treppenhaus mit einem besorgten "Um Gottes Willen, was ist denn passiert?!" auf uns zugestürzt. Ich bin ein Goldfisch.


Schon an der Ampel grüßten andere Zombies freundlich, indem sie uns mit ausdruckslosem Blick anstarrten, ihre Arme mit den kraftlos abgewinkelten Handgelenken nach uns ausstreckten und uns kurz darauf ein breites Lächeln schenkten. Seltsam, wie schnell man einfach dazugehört, nur weil man selbst besudelt und zerzaust aussieht. Wenn das doch auch im echten Leben funktionieren würde. Überhaupt hatte ich das Gefühl, von unglaublich höflichen, fröhlichen Menschen umgeben zu sein. Jeder, den ich um ein Foto bat, posierte sofort ohne mit der Wimper zu zucken und war sehr, sehr geduldig. Man geizte nicht mit Komplimenten, beglückwünschte einander zum gelungenen Kostüm und fragte nach dem werten Befinden in diesen schweren Zeiten. Da stimmte das Motto schon: Be zombie, be polite. Es gab wahnsinnig viel zu gucken bei der Menge an fantasievollen Kostümen. Ich konnte kaum fassen, wie talentiert diese Leute alle waren! Wir befanden uns quasi auf einem Betriebsausflug der Maskenbildner-Profi-Akademie. Neben all den tollen Zombies wirkte unsere Aufmachung allerdings fast spartanisch und unambitioniert. Ein bisschen so, als wären wir mit einer lächerlichen Schnittwunde am kleinen Finger in die Notaufnahme eingefallen und müssten uns jetzt gaaaanz weit hinten anstellen. Hinter dem Bauarbeiter mit der verwesenden Gesichtshälfte und der hochschwangeren jungen Magd, die mit Mühe die Geburt des vierten Kindes mitten durch die Bauchdecke zu verhindern versucht. Fürs kommende Jahr steht fest: mehr Blut! Überall! Da ist noch ganz viel Luft nach oben. Ich freu mich jetzt schon und schmiede tiefrotgrausige Pläne! Den zweiten Teil des Zombie Walks gibt es im Laufe der Woche. Bis dahin: halbtot rumhängen, im dunklen Wald verstecken und heimlich am faulenden Unterschenkel des Nebenmannes knabbern.

Was gelernt?
 Da ist sie also, meine morbide Seite. Herzlich willkommen!