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Samstag, 17. Oktober 2015

Godzilla goes Design

Liebe Schnitzelfreunde,
nachdem Godzilla mir erst letzten Oktober bei einem Gruselfood-Post geholfen und mich im Anschluss daran monatelang allmorgendlich vom Regal über der Heizung im Schlafzimmer aus angebrüllt hat, haben wir uns nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, ihn eine anspruchsvollere Aufgabe übernehmen zu lassen. Eine, die Köpfchen erfordert. Alle beteiligten Parteien wirken überaus zufrieden.


Was gelernt?
Ein Lächeln kann man überall gebrauchen.
Auch auf dem Klo.

Dienstag, 1. September 2015

Lauschangriff. Heute: Käse. Nur besser.

Liebe Schnitzelfreunde,
es ist mal wieder passiert. Ein verbaler Alltagsjuwel hat sich mir in den Weg geworfen. Wie ich das liebe! Folgende Situation bitte einmal visualisieren:

Zwei Damen unterhalten sich im Büro. Die eine erzählt in schönstem rheinischen Dialekt, dass sie heute Abend lecker essen geht. In diesem total angesagten, hippen Laden im Bahnhofsviertel. Die andere Dame wird neugierig und verlangt nach mehr Information. Wo ist der Laden, wie heißt der noch gleich, und was gibt es denn da überhaupt zu futtern?

Die Damen tauschen sich aus, eine Internet-Adresse wird herumgereicht, man scrollt sich durch das Speisekärtchen der funky Location und staunt. Plötzlich:

Dame 1: "Hömma."
Dame 2: "Ja...?"
Dame 1: "Hast du das schon gesehen hier?"
Dame 2: "Ehm. Wo denn genau? Was ist denn da?"
Dame 1: macht eine Kunstpause
Dame 2: "Hallooo? Was wolltest du denn sagen?"
Dame 1: grinst "Hier unten. Was da steht."
Dame 2: "Komm. Jetzt sag's halt." 
Dame 1: "Doller Laden... Die ham da keinen Käse - die ham Fromage!" 

Frohmaaahsch.

Ich freu mich! Obwohl ich auch hier wieder nicht weiß, ob es genauso lustig wirkt wie zu dem Zeitpunkt, als ich es live gehört habe. Macht nichts. Seitdem ist es jedenfalls ein Dauerbrenner. Hömma, Schnittchen? Ja. Gerne. Aber nich mit Käse, ne? Neeee, nich mit Käse. So isst man bei den Banausen. Wir essen keinen Käse - wir essen Fromage!

Was gelernt?
Fronkraisch, Fronkraisch. Geht immer. 

Mittwoch, 22. Juli 2015

Knallebunt geht vieles leichter

Liebe Schnitzelfreunde,
dieser Sommer ist ein turbulenter, und die Zeit, die Zeit, wie sie rennt, es ist kaum zu fassen. Dachte ich eben noch, der letzte Post sei sicher erst ein paar Tage her, sehe ich gerade, dass es doch ein paaaaar Tage mehr sind. Aber gut, dann ist das so. 


Zu Hause wird gekämpft - gegen den Schimmel, den Vermieter und die heiße Luft, die der laut dröhnende Anti-Wasserschaden-Kompressor in die Küche pustet. Eine Sauna, hat auch nicht jeder! Und weil man bei sowas nur verrückt werden kann, dachte ich mir, kann ich auch gleich komplett offensichtlich werden und mich mal auf eines dieser Holi Hail Festivals begeben, um wild tanzend mit farbigem Pulver um mich zu werfen. 

Und alles wieder in Relation zu setzen. Denn irgendwie ist das doch ein bisschen irre, eine Eintrittskarte zu kaufen und sich dann zielgerichtet eigentlich nur komplett einzusauen.


Ich schwöre, dass ich mir vorgenommen hatte, wenigstens ein klitzekleines bisschen Recherche zu betreiben. Mich über den Hintergrund des Festivals zu informieren. Ansatzweise zu verstehen, was das alles soll... Na ja, ihr ahnt es schon, ne? Satz mit X. War nix. Deshalb kam ich mir auch etwas bekloppt vor. Zwischen all diesen fremden Leuten. Als Einzige barfuß. Hippie shit. Als eine der Wenigen nicht in Weiß gekleidet. Ah, so macht man das also. Hopsend, hüpfend, lachend. Schon wieder keine Ahnung, was hier los ist. Ständig zu spät zum Holi Spray und immer wieder den Farbbeutel kaum aufbekommen oder gleich alles auf dem Boden verteilt. Aber wisster: Manchmal ist es eben total okay, irgendetwas einfach so zu tun. Ohne Plan, ohne tieferen Sinn, ohne Eleganz und mit enorm viel Spässkes an der Sache. Und sich hinterher an eingesauten Klamotten, verschmierten Gesichtern, zugestaubten Sonnenbrillen, krustig braunen Füßen zu erfreuen.




Ein paar Inder rannten dort herum. Breites Lächeln, keine Berührungsängste, das mag ich ja. Nicht mal Hallo sagen, nein, sondern gleich mit vollen Händen dieses fremde Gesicht einseifen, das gar nicht daran denkt, sich zu wehren. Die müssen es ja wissen, dachte ich mir, und schloss einfach lächelnd die Augen. Macht ihr mal. Orange auf dem Kopf, Grün, Gelb, Blau, Violett im Gesicht.

Nach ein paar Stunden war's gut. Die Waden schmerzten vom Gehopse, wir sahen aus wie hulle und wollten Eis! Eigentlich das von Ben & Jerry's auf deren Movie Night. Die Schlange vorm Tor entsetzte uns allerdings, also... Tja. Supermarkt? Nee, nicht stilecht. 


Einmal durch die ganze Stadt, bis ins etwas schickere Viertel, zur tollsten Eisdiele. Natürlich hatte ich bis dahin schon wieder vergessen, wie wir aussahen. Vielleicht ganz gut so. Bis dann der Eisverkäufer hinter der Theke auf uns starrte und mit einem "Pistazie, bitte!" geweckt werden musste. Huch, ach so, natürlich, Verzeihung. 


Bisschen rumbummeln, ne tolle Wand finden, letzte-Gelegenheit-Bilder knipsen, erst du, dann ich, dann Selbstauslöser, Franzose verliert den halben Kopf, ein wenig schäkern mit dem tätowierten Menschen samt Hund, der seine Begeisterung über unser Verschmiertsein ausdrückt, aus Versehen kleine Kinder erschrecken, ein wirklich großartiger Tag. Weit weg von allem. Gerne wieder. Wirklich, sehr gerne, immer, immer wieder!

Was gelernt?
Wenn man merkt, dass Einsauen mit Farbpulver eine Lösung darstellt,
einfach ein paar Beutelchen mit nach Hause nehmen. 
Für weitere Wasserschäden. Oder so. 

Sonntag, 5. Juli 2015

Sparschäler are good for you.
Oder: Salata!

Liebe Schnitzelfreunde,
meine kleine Reise nach Istanbul ist mittlerweile so lange her, dass ich ab und an befürchte, nicht mehr vernünftig davon berichten zu können, denn Erinnerungen verblassen, das haben sie manchmal so an sich. Auch deshalb habe ich meine Kamera so liebgewonnen. Sie hilft mir dabei, dem Schicksal aller Goldfische ein Schnippchen zu schlagen. Knipsen gegen das Vergessen. 

Ihr erinnert euch vielleicht an die bekloppte Fährfahrt in Richtung Prinzeninsel, von der ich euch berichtet habe. Obwohl, von dem wirklich bekloppten Ereignis während der Fährfahrt hatte ich kein Sterbenswörtchen geschrieben. Kann man ja kurz nachholen. Bereit?

Wir versetzen uns zurück in die Situation: Fähre, endloses Blau, plötzliches enormes Aufkommen von Möwen, begeisterte Menschen, alle wahnsinnig abgelenkt. Alle, aber auch wirklich alle starren vom Boot weg, in Richtung Meer und fliegende Cräcker. Auf einmal BRÜLLT es hinter uns. Natürlich versteht kein Mensch, was los ist oder was gerade gesagt wurde. War das Türkisch? Kann hier irgendjemand Türkisch? Ich jedenfalls schonmal nicht. Aber als normaler Mensch reagiert man ja einfach mal, wenn man ungewohnten Lärm wahrnimmt. Erster cleverer Schachzug. Ich senke die Kamera, hebe eine Augenbraue, drehe mich um, und dann hebe ich die zweite Augenbraue, denn dort steht ein Mann mitten auf der Fähre und reckt eine Kartoffel in die Höhe. Eine. Kartoffel. Er trägt ein graues Sacko und sieht sehr fröhlich aus. "Salata!" ruft er. Aha, Salat, okay, das können wir durchgehen lassen. Sein zweiter Arm schnellt in die Höhe. Er hat seine Waffe gewählt: einen Sparschäler. Silbern, schnittig, formschön. Eine Art Tupperparty, denke ich, und irgendwie finde ich es völlig okay, ja sogar beruhigend, da jetzt nicht wegrennen zu können. Kaufen muss ich schließlich auch nichts. Lasset die Spiele beginnen.


Begeistert geht der Mann ans Werk und schält seine Kartoffel. Na gut, die halbe Kartoffel. Und zwar fächerförmig in ein Akkordeon. Für eine Weile vergesse ich die Möwen und überlege, warum ich meine Kartoffeln zu Hause immer nur hilflos im Kreis schäle, wenn sie doch auch SO aussehen könnten. Die Akkordeonkartoffel klappt nach unten aus und ist wunderschön. Der fremde Mann strahlt, sein Blick sucht nach Anerkennung im Publikum. Ich will mal nicht so sein und juble. Die Veranstaltung nimmt Fahrt auf. Die Fähre nicht. Dieser Mann hat alle Zeit der Welt, uns von seinen Sparschälern zu überzeugen, warum wirkt er so gehetzt? In Windeseile schält er noch eine Karotte! Und eine Tomate! Eine Schlangengurke! Jedes einzelne kleine Gemüsewunder der Natur wird triumphierend in die Luft gereckt und erst geschält, wenn genügend Applaus und Gegröhle geerntet wurden. Ein zweiter cleverer Schachzug. In kürzester Zeit einen völlig irren Hype zu erzeugen. 

Ich strahle übers ganze Gesicht, weil diese Situation so absurd ist. Mit zig fremden Menschen auf einer Fähre irgendwo vor Istanbul juble ich einem fremden Mann zu, der einfach nur Gemüse schält. Warum nicht. Die Masse kocht. Unser Sparschälguru greift in seine Zauberkiste und... holt eine dicke, kugelrunde Wassermelone hervor. Die stemmt er in gewohnter Manier triumphierend in die Höhe.

Moment. Eine Wassermelone? Der hat sie doch nicht alle. Und die will er jetzt schälen? Mit seinem pisseligen Sparschäler oder was? Eine Wassermelone!

Die Leute springen von ihren Sitzen auf. Ich blicke irritiert von links nach rechts und wieder zurück. Habe ich irgendwie den Schlüsselmoment verpasst? Drehen jetzt alle komplett am Rad? Und wo sind die Kameras? Ist uns so langweilig auf dieser Fähre, dass wir sogar Obst und Gemüse als Highlight empfinden? Wo verdammt sind denn die Kameras? Und was ist mit den Möwen? Haben denn alle die Möwen vergessen? Warum sind silberne Sparschäler cooler? Was'n hier los?

Egal, mitmachen! 

Und dann schält er ernsthaft diese riesengroße Wassermelone mit seinem blitzeblanken Supersparschäler. Ich habe eine Wassermelone rasiert. Unter to-sen-dem Applaus. "Salataaa!!" brüllt er immer wieder für den letzten, der es immer noch nicht kapiert hat. Wir lachen, wir klatschen, wir machen Fotos. Und als der Messias am Ende seiner Darbietung durch die Reihen läuft, um seine wunderbaren Oberhammersparschäler mit vollen Händen ans gemeine Volk zu verteilen - endlich! Mein Gott, was haben wir darauf gewartet! - gibt es tatsächlich Menschen, die gleich unfassbare vier Stück auf einmal kaufen und so aussehen, als wäre dies hier der allerallerschönste Tag ihres Lebens. 


Meine Wangen glühen, das Haar ist komplett zerzaust, und leider habe ich vor lauter Begeisterung vergessen, mehr Fotos zu schießen. Oder vielleicht auch einfach mal nur gute Fotos. Aber genau so muss das sein. Die Leute um mich herum schlagen ihre Sparschäler frenetisch gegeneinander und versuchen, sich gegenseitig die Köpfe zu rasieren. Kurz überlege ich, diese Fähre nie wieder zu verlassen. 


Meine Begeisterung geht so weit, dass ich Franzose eine SMS nach Hause schicke, in der steht, dass ich total gut drauf bin, Urlaub alleine unglaublich toll finde und fast einen bis fünf Sparschäler auf einer Fähre gekauft hätte. Franzose fragt, ob er sich Sorgen machen müsse, ob Istanbul denn echt nichts besseres als Sparschäler zu bieten habe und ob denn sonst alles okay sei. Natürlich ist alles okay! Mehr als okay.

Versteht er denn gar nichts? Herrgottnochmal. Kopfschüttelnd wende ich mich wieder dem Wahnsinn zu und werfe kurz darauf gedankenverloren ein paar Cräcker und am besten auch gleich meinen Verstand mit über Bord. Warum fahren Menschen nicht viel, viel öfter mit Fähren durch die Gegend? Besser geht es doch kaum.

Was gelernt?
Also, so'n Sparschäler, der kann schon
auch irgendwie sexy sein, wa? 

Dienstag, 5. Mai 2015

Lauschangriff. Heute: Vitalstoffe im brennenden Kuchen.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich bin ja fest entschlossen, den Lauschangriff zu einer Institution werden zu lassen. Ist zwar erst der zweite auf diesem Blog, aber das heißt ja nichts. Jeder fängt mal klein an. Der Lauschangriff wird wachsen und gedeihen. Vielleicht in Schüben, aber immerhin. Weil er Spaß macht. Und wenig Arbeit. Ich glaube auch nicht mehr daran, dass Alltags- und Situationskomik eines Tages mal aus der Mode kommt. Die geht einfach immer!

So. Kleines Anekdötchen voraus.

Wie ihr wisst, lernt mein Freund seit Wochen fleißig Deutsch. Manchmal mehr, manchmal sehr viel weniger begeistert. Das ist echt nachvollziehbar. Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich hätte keine Lust, Deutsch zu lernen und bin sehr froh, es schon zu können. Danke, Mama und Papa. 

Eines Tages kam er jedenfalls nach Hause und meinte, wir seien bei einem Kollegen eingeladen, der würde auch Essen auf den Tisch stellen. Brennenden Kuchen. "Aha?", dachte ich, "also, diese Franzosen...da gibt es nicht nur langweilig Kuchen, da wird gleich alles angezündet. Find ich gut." Die machen noch was aus ihrem Essen. Dann kam mir die Sache komisch vor, also fragte ich auf Englisch nach. "So, there will be cake, and it is going to burn? Like, he is lighting it on fire right there?" Franzose zuckte mit aufgerissenen Augen mit den Schultern: "Euh...I guess so."

Als wir beim Kollegen ankamen, gewannen wir die Deppenmedaille. Denn natürlich gab es keinen "burning cake". Es gab Flammkuchen. Na ja. Haben wir natürlich niemandem erzählt. Wir sind ja nicht blöd, ne?! Heieiei. Dreisprachige Haushalte haben so ihre ganz eigenen Tücken.

Gut, ich merke gerade, dass die kleine Anekdote dem eigentlichen Lauschangriff den Rang abläuft. Aber das ziehe ich jetzt trotzdem durch. Also zum eigentlichen Lauschangriff.

Der findet heute im Büro statt. Da sitze ich komischerweise mit Leuten, die ernste Dinge tun und in maßgeschneiderten Anzügen aufrecht an ihren Schreibtischen sitzen. Aber so ein paar von denen, die sind lustig. Stellt euch kurz eine Situation vor. Es hatte eine Diskussion gegeben. Da ging es hin und her, Grundlegendes wurde diskutiert. Danach herrschte Stille. Die mit den rollenden Heuballen. Jeder hackelte wieder emsig auf seine Tastatur ein. Dann geht die Tür auf. Einer der Leute ohne maßgeschneiderten Anzug kommt rein, setzt sich auf seinen Stuhl, schaut sich irritiert um. Er war gerade zu Tisch. Ohne jeden Zusammenhang schüttelt er seinen kurzgeschorenen Schopf und sagt: "Also, Leute... Seit ich den Flammkuchen hier esse, habe ich viel volleres Haar!"

Großartig. Beinahe wäre ich unterm Tisch gelandet.

Was gelernt?
Flammkuchen hat Potential.
Und: nicht vom Äußeren aufs Innere schließen, ne? 

Montag, 27. April 2015

Ein Tag ohne Kompost ist ein verlorener Tag!

Liebe Schnitzelfreunde,
vorgestern wachte ich auf und erinnerte mich dunkel an ein Plakat. Das hing Freitagabend an einer dicken, runden Litfaßsäule auf dem Weg zu einer unschlagbaren belgischen Kneipe. Normalerweise achte ich nicht auf Plakate. Wirklich nicht. Meistens soll man ja animiert werden, in eine Oper, ein Museum oder auf ein klassisches Konzert zu gehen, von dem man noch nie zuvor gehört hat. Dieses Plakat war anders. Es propagierte - Achtung, Trommelwirbel! - den morgigen Komposttag! Also vorgestern. Jetzt isser vorbei.

"Ähm", dachte ich mir, "ernsthaft? Komposttag... Sachen gibt's." Damit war die Angelegenheit erstmal wieder erledigt. Vor mir lag ein spaßiger Abend mit Franzosen, Burgern und belgischen Pommes. Er endete spät. In mir schwamm Bier. Nicht genug allerdings, um den Kompostgedanken darin zu ertränken. Er hatte sich festgesetzt. Sowas sucht man sich ja nicht aus.


Der nächste Morgen. Ich stehe senkrecht im Bett, elektrisiert vom Gedanken an Kompost. Warum, werden wir nie erfahren. Es ist 8 Uhr und Franzose soll jetzt verdammt nochmal aufwachen. Das tut er auch. Zerknautscht sieht er aus. Das wird schwierig.

Irgendwie habe ich es dann hinbekommen, ihn davon zu überzeugen, mich zur Rhein-Main-Biokompost GmbH am anderen Ende der Stadt zu begleiten. Oder...sogar beide. Ihn und seinen Kater. Einer dieser Punkte auf der Agenda der Kompostwerke musste es ihm angetan haben:

  • Führung durch das Kompostwerk
  • Bepflanzungsaktion "Blumenkästen solange der Vorrat reicht"
  • Bodenqualitätstest (Erdprobe bitte mitbringen)
  • Beratungen und Verkauf von Komposterde
  • Kinderprogramm
  • Speisen- und Getränkeangebot

Gut, eigentlich war es echt schwierig, ihn aus dem Bett, unter die Dusche und dann auch noch aufs Fahrrad zu kriegen. Bei DEM Angebot. Ich verstehe sowas nicht. Ich habe dann ein ausgeklügeltes Animationsprogramm aus dem Hut gezaubert. Damit wenigstens der Weg zum Komposttag ein bisschen spannend wurde.

Aber wie schon angedeutet: ich war Feuer und Flamme. Denn mich kann man mit totalem Mist begeistern. Diesmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Wer kann schon gegen einen Samstagmittag auf einer motorisierten Kloschüssel anstinken? Na also. (Ich lass jetzt auch die Wortwitze.) Ach Mensch, ich freu mich immer noch. Das Programm, bittesehr:



1. Lecker Frühstückchen

 
Zwei Schnittchen am Main, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom Bäcker an der Ecke. Im Schatten des großen "Gerippten" gefuttert. Das ist ein Gebäude mit tausenden kleiner, dreieckiger Fenster, das aussieht wie die hier üblichen Apfelweingläser. Franzose brauchte dringend etwas zwischen die Zähne. Dies hier war ein guter Auftakt.


2. Graffiti in zwielichtiger Gegend


Auf dem Weg in Richtung Osthafen tauchten wir unter einer großen Kreuzung her und wurden beinahe erschlagen vom Bunt. Franzose war gleich einen Tick wacher als vorher. Da geht einem doch das Herz auf. So viel Farbe, so viel zu sehen. Und es wirkte tatsächlich so, als sei das Gesprühe rund um die Fußgängerunterführungen ehrlich und offiziell erlaubt. Logische Konsequenz:


3. Selbst Hand anlegen


Immer nur zugucken is' nix. Also lieber mal mit anpacken. Ich gab einen exquisiten Einführungskurs ins Gangster- und Ganoventum für aufgeschlossene Mitbürger. Ganz ehrlich, Graffiti finde ich oft richtig toll. Weil es nicht immer Schmiererei ist, sondern dazu beitragen kann, den ganzen angeschmodderten Beton kuscheliger wirken zu lassen. Natürlich haben wir nicht wirklich rumgesprüht. Die Dosen waren leider alle leer und taugten nur noch für so tun als ob. Mist...


4.  Kurz alles doof finden


Das kennt Franzose schon von mir. Manchmal muss man Emotionen zeigen. Es kann ja auch nicht immer alles Ponyhof sein, ne? Seid auch ihr irritiert von diesem Gefüßel da rechts unten? Vier Beine und fünf Füße... Anatomisch fragwürdige Konstruktion. Schnell weg.


5. Andere Franzosen treffen!

 
...und auf Tuchfühlung gehen. Während ich mich auf schöne Augen konzentrierte, na ja, ihr seht es ja selbst.

Wir hatten die Stadt durchquert und waren dem Ziel sehr nah. Die Kompostwerke liegen in einem Gewerbegebiet am Osthafen. Gut versteckt in einer Sackgasse. Mir war bis zu dem Tag gar nicht bewusst, dass so etwas wie ein Kompostwerk überhaupt in der Form existiert. Auch wenn es nur logisch ist. Irgendwo muss der Biomüll ja hin. Und irgendwas muss damit ja auch geschehen. Sonst wäre das ganze leidenschaftliche Mülltrennen vollkommen sinnlos.

So, aber wenn ihr jetzt denkt, der spaßige Teil wäre vorüber und ab sofort gibt's nur noch schimmelige Tomaten und stinkige Bakterien, habt ihr euch geschnitten. 

Wir kommen also an und ich bin erst einmal komplett begeistert von, ja, von aufgetürmtem Geäst.



Lange konnte ich mich aber nicht darauf konzentrieren, denn der Mann am Eingangstor hatte vergessen, uns den Coupon für den oben erwähnten bepflanzten Balkonkasten auszuhändigen. Also schnell nochmal zurück! So nicht. Komposttag ohne Erde? Pfff.



Wunderbar. Gerade noch geschafft. Es gab nur eine begrenzte Anzahl von Kübeln, die herausgegeben wurden. Franzose schlurfte herum, weil er der Meinung war, wir würden eh die einzigen Gäste auf diesem seltsamen Kompostdingens sein, aber dem war nicht so.



Er legte sich in eine Baggerschaufel und döste. Nee, ganz im Ernst, man konnte wirklich eine Menge Unfug in dem Werk anstellen, ohne dass sich auch nur eine Menschenseele daran gestört hätte. Überhaupt schienen die Leute im Kompostwerk total tiefenentspannt zu sein und einen sehr sympathischen Humor zu besitzen. Siehe ganz oben. Kloschüsselrennen? Okayyy. Aber es fängt ja eh schon damit an, dass man als Kompostwerk der Meinung ist, aus Biomüll einen Event bauen zu können und definitiv bauen zu müssen. Super! Kinder konnten auf dem Gelände außerdem in kleinen Reinigungsfahrzeugen mitfahren und die rotierenden Schrubberbürsten bedienen. Leider war ich dafür zu alt. Nicht, dass ich gefragt hätte. Echt nicht!



Neben dem Tor zur Einfahrt türmten sich mehrere Berge aus biologischen Roh- und Nutzstoffen auf. Rindenmulch, grobe Holzspäne und natürlich schöner lockerer Erdboden. Wir buddelten in allem herum. Bis endlich die Führung durchs Kompostwerk anfing. Kurz davor düste ich auf der motorisierten Kloschüssel im Kreis herum und legte mich beinahe auf die Schnauze, weil ich zu viel Gas gab. Das war ehrlich gesagt kaum zu toppen. Die Führung hatte es schwer.



Das, was ihr da auf zweien der drei Bilder entdecken könnt, ist der Biomüll aus Frankfurt, Offenbach und Umgebung. Und zwar von nur zwei Tagen. Stinkt etwas weniger als erwartet. Und enthält leider etwas mehr Plastikmüll und sogar Metallteile (äh...) als befürchtet. Ist doch gar nicht so schwer, Biomüll zu identifizieren, oder etwas doch?! Manmanman. Mit Liebe und viel Hingabe wird hier im Werk der gute vom schlechten Müll getrennt, mithilfe fleißiger Bakterien unter Zugabe von Wasser und wohliger Wärme wieder aufbereitet und letztendlich getrocknet zu Eins-a-Biokompost!



Schon ein bisschen schade, dass Komposttag nicht öfter im Jahr sein kann. 


Was gelernt?
Spontane Ideen sind die besten.
Und: Frankfurt scheint doch was zu können.
Ich halte euch auf dem Laufenden. Tipps sind willkommen.

Freitag, 9. Januar 2015

Orhan, seines Zeichens Teppichdealer.

Liebe Schnitzelfreunde,
das Wohnzimmer war bisher das erklärte Problemkind der gesamten Wohnung. Das kennt ihr sicher. Man tüdelt sich die eigenen vier Wände irgendwie zurecht, hat sogar mal Möbel, die nicht mehr wackeln, eventuell sogar zuammenpassen, alles könnte so herrlich sein. Und dann, dann gibt es dieses eine Zimmer, das euch die Tour zu versauen versucht. Es steht so da und tut eigentlich gar nichts. Aber, verdammt nochmal, es nervt euch! Oft sind das die Zimmer, auf die man nicht so recht vorbereitet war. Huch, ein Wohnzimmer?! Wie geht denn SOwas? Was macht man denn DAmit? Und dann schubst man die Möbelstücke hinein, die einfach übrig waren. Heimatloses Gehölz ohne streng definierte Aufgabe. Das Zimmer ist gefüllt, es tut auch tapfer so, als gehe es zumindest halbwegs in seiner Rolle auf, doch ihr, ihr lasst euch nicht täuschen. Ihr seid clever. Ihr wisst, dass dieses hinterlistige Ding namens Wohnzimmer versucht, ungeschoren davonzukommen. Mit diesem halb garen, unausgereiften Konzept. Aber so nicht, nein, nein, nichts da! 

Ich liebe dramatische Posteinstiege. Merkt man das? Dabei möchte ich euch einfach nur erzählen, dass im Wohnzimmer seit drei Wochen ein neuer alter Teppich liegt, Dank dem ein wenig mehr Gemütlichkeit eingezogen ist. Das ist an sich nichts, was irgendwen die Bohne interessieren müsste. Ist okay. Ein Teppich halt. Nicht sehr aufregend. Vollkommen verständlich. Ich erzähl euch trotzdem mal, wie der Teppich den Weg vor unsere Couch gefunden hat. Weil das nämlich sehr viel interessanter ist.


Protagonist in der Teppichgeschichte ist Orhan. Darum steht er auch im Titel. Ohne Orhan wäre das alles nicht passiert. Nein, ohne Orhan wäre hier GAR NICHTS passiert. Vorhang auf. Franzose und ich schlendern also samstags über den Flohmarkt. Wie so oft auf der Suche nach überhaupt nichts. Das ist selten eine gute Idee. Das bedeutet nämlich, wir sind offen für alles. Und auch für groben Unfug. Ihr seht gerade die Titanic sinken, bevor sie aus dem Hafen gelaufen ist, es tut mir leid. Jedenfalls stehen wir kurz vor Schluss vor einem sehr großen Teppich und staunen ihn an. Nur ein bisschen, denn perfekt ist er nicht. Wir staunen einen Augenblick zu lang, denn auf einmal steht Orhan neben uns, der uns ein Ohr abkaut, in gebrochenem Deutsch, dafür aber umso eifriger und geschäftstüchtiger. Franzose setzt seinen "Es-ist-sicher-Deutsch-aber-ich-versteh-kein-Wort"-Blick auf, den Orhan in seinem Eifer natürlich als geschickt getarnte Käuferstrategie interpretiert. Ich bin belustigt und spiele mit. Der Anfang vom Ende.

Ich zerre Franzose vom Flohmarkt. Sein Handy beherbergt zu unser aller Überraschung Orhans Nummer. Wir sollen ihn anrufen und morgen früh (Sonntag!) Teppiche anschauen, die genauso groß, aber viiieeel schöner sind als der, der grad noch zu unseren Füßen lag. Orhan hat Glück, wir sind lustig gestimmt. Ich rufe an, verstehe noch weniger als in der Live-Vorstellung und rede daher einfach fröhlich drauflos. 


Am nächsten Morgen: Franzose überlegt. S-Bahn oder Fahrrad? S-Bahn kostet Geld, Fahrrad ist wenig teppichkompatibel. Egal. Ist ja eh nur Spaß. Also radeln wir los, quer durch die Stadt, Schubrakete in Richtung Pampa. Am vereinbarten Zielort, zumindest der, den ich meinte, verstanden zu haben, laufen wir orientierungslos umher. Franzose findet Orhan dann endlich an einer Backsteinwand. Er freut sich auf Türkisch und lotst uns zu einem weißen Transporter. Ein Zweisitzer, wie schön. Aber das ist alles kein Problem, denn Orhan hat an alles gedacht. Meine linke Pobacke darf auf einem Rattanhöckerchen gleich hinterm Schaltknüppel Platz nehmen, die rechte Pobacke muss sich den Beifahrersitz mit Franzose teilen. Na, dann wollen wir mal! Als wir vor einer langen Reihe an Garagen zum Stehen kommen, beschleicht mich das Gefühl, Orhans "Teppichlager" könnte eine klitzekleine Nummer winziger ausfallen als ich es mir ausgemalt hatte. Uuuund... Richtiiiig! Schwungvoll öffnet er Garage Nummer 3, in der selbstverständlich nicht nur Teppiche lagern. Eigentlich lagert dort nur ein einziger Teppich, er lehnt lässig an der Wand, und sonst jede Menge anderer Kram. Franzose und ich wechseln einen amüsierten Blick, Orhan erlöst derweil geschäftig die kabelumwickelte Perserteppichwurst, die daraufhin einfach und repräsentativ im Garagenhof zum Liegen kommt, und ich... ja, ich weiß auch nicht so genau. Mal sehen, was da noch so kommt, nech? Hmmmjoar, gar nicht mal so hässlich, der Teppich. Anders wär auch doof, denn wir opfern hier gerade unseren Faulenzersonntag. Es folgt eine wilde Verhandlung zwischen Orhan und mir. Übers Ohr hauen lassen wir uns nicht! Hin, her, hin, her. Nur ein einziger Teppich? Und ganz einwandfrei ist der ja auch nicht mehr! Oh wei, und all der Staub, der da drinstecken wird! Uuuuund zum Dritten. Der abgeschubberte Teppich aus einer Mietgarage in Frankfurt Eschersheim wechselt für einen zweistelligen Betrag samt Lieferdienst den Besitzer. Herzlichen Glückwunsch!


Ja. Was danach noch kam: Wir fahren mit Orhan, dem Rattanhöckerchen und der Kabelteppichwurst unter Inanspruchnahme sämtlicher Schleichwege Frankfurts zu uns. Es dauert, oh, wie es dauert. Meine linke Pobacke kündigt einen Krampf an. Orhan erzählt von Sommern in der Heimat, davon, dass Deutschland echt okay sei und er schon ganz zufrieden. Alle zehn Sekunden hüpft sein Anschnallgurt aus der Fassung. Zunächst steckt er ihn noch immer wieder geduldig zurück, bis es auch ihm irgendwann reicht und er sich einfach auf den Metallteil des Gurts draufsetzt. Dann sieht es wenigstens von außen noch so aus, als sei er angeschnallt. Clever. Im Hintergrund läuft Musik. Türkischer Tango. Lacht nicht, das war so. Wusstet ihr, dass es türkischen Tango gibt? Klingt super! Wir kommen an, Gottseidank! In der Wohnung hüpfe ich knipsend um die Teppichrolle herum und freue mich wie ein kleines Kind. Bis Franzose die herrenlosen Fahrräder erwähnt, die wir jetzt wieder abholen müssen... Vom anderen Ende der Stadt. Argh. Als wir zurückkehren, ist es bereits stockduster, aber nicht duster genug, um nicht zu merken, dass dieser schöne Teppich ECHT VOR STAUB FAST STEHT! Wir ergreifen erste kosmetische Maßnahmen und daher einen Tennisschläger (in Ermangelung eines Teppichklopfers) und stapfen entschlossen aus der Wohnung. Zwei Bänke auf dem Kirchenvorplatz müssen herhalten. Der Teppich wird über sie gestülpt. Wir kloppen wie die Berserker drauflos. Gib's ihm! Franzose hebt bärenstark die eine Seite des Teppichs hoch, so gut es eben geht - ich bin Rumpelstilzchen und schlage wild hüpfend mit dem Tennisschläger um mich. Dieser Lärm, dieser unfassbare Lärm. Und die große Kirche macht alles noch viel schlimmer, es hallt die gesamte Straße entlang. Bäm, bäm, BÄM! Erste Fenster erhellen sich, erste vorbeiwankende alkoholisierte Menschen feuern uns an, erste Nachbarn grüßen und finden uns unterhaltsamer als das Fernsehprogramm. Ich grüße sie mit hoch erhobenem Tennisschläger. Oookay, Zeit zu gehen... Der Teppich ist dann wohl jetzt sauber genug. Wir saugen noch, wir wischen, wir saugen erneut, und dann, dann liegt er endlich da, wo er liegen soll! Wahnsinn. Bester Sonntag des Jahres.


Toller Teppich. Echt. So, so toll.

Was gelernt?
 Einfach mal den Unfug mitmachen. Hehehe.
Orhan for President!

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Auch Schneemänner müssen mal groß.
Und: Chronik eines Adventsonntags.

Liebe Schnitzelfreunde,
mein Name ist Mareike und ich möchte heute in der heimeligen Vorweihnachtszeit über ein brisantes Thema mit euch sprechen. Verstopfung. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man im ersten Absatz eines Posts dringend die wichtigsten Stichworte unterbringen soll. Das klappt ja hier immer hervorragend. Nämlich überhaupt nicht. Aber heute wird alles anders. Verstopfung also. Bös, arg und fies. Wir könnten das auch noch anreichern mit: Unwohlsein, Völlegefühl, Darmträgheit und, hm, vielleicht sogar Obstipation. Das ist das kluge Wort für Verstopfung. Kannte ich vorher auch nicht. Aber man will hier ja seinem Bildungsauftrag nachkommen, nech? Und bevor ihr jetzt alle angewidert von dannen eilt, obwohl es sich um ein vollkommen natürliches, menschliches Problemchen handelt, das uns alle etwas angeht (provokant, nicht wahr?), kriegen wir hier gemeinsam die Kurve und reißen das Ruder mit vereinten Kräften mehr als nur rum, versprochen. Erstmal ein Bild vom eigentlichen Thema, um meine friedlichen Absichten zu demonstrieren.


Ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, aber mich amüsiert das sehr. Mein ehemaliger Vorgesetzter hatte mich auf diese Idee gebracht. Hallo Herr F., übrigens! Mal wieder glaubte ich, was einmalig Dolles gefunden (bekommen) zu haben, auf das die Welt gewartet hat. Und dann, tja, dann klickte ich auf Pinterest herum - ein Fehler. Wie so oft wurden meine Illusionen jäh zerstört. Schneemannköttelchen, wohin man blickt. Na toll. Gut, mit dem Alter kommt die Weisheit. Man lernt, mit frustrierenden Situationen umzugehen und ihnen die Stirn zu bieten. Oder ihnen, wie in diesem Fall, die Tic-Tac-Dose an den Kopf zu werfen. Einfach mal so tun, als wär nix gewesen. Auf beiden Augen blind. Nur weil jemand anderes oder eben hundert andere die Idee schon früher hatten, wird die Idee selbst ja nicht schlechter.


Wer's nachbauen mag, um es dann an seine Mitmenschen zu verschenken, der wird nicht sonderlich viel Arbeit mit den Döschen haben. Ihr kauft ein oder zwei Dosen Tic Tac, die ihr wie gewohnt vor Kopf an diesem fiesen "Kauf mich!"-Stand vor den Supermarktkassen findet. Die Produktsticker auf den Dosen lassen sich zum Glück rückstandsfrei entfernen. Was war ich da erleichtert! Dann entscheidet ihr euch für einen Streifen Tonkarton in einer euch genehmen Farbe. Weiß sollte es vielleicht nicht unbedingt sein, da käme der Schneemann ja kaum zur Geltung. Ähnliches gilt für die Breite des Streifens. Lasst ihn nicht die gesamte Fläche bedecken, das versteckt dann nur unsere Hauptkomponente. Wär doch schade.


Es folgt ein wenig Fummel- und Knibbelarbeit. Mit streifig zugeschnittenem Teppichklebeband lässt sich der Tonkartonstreifen bestens ums Döschen schmiegen. Die Kanten sind so kein Problem mehr. Ein Traum. Dann geht's endlich an den größten Spaß - die Kreation des Schneemanns samt aussagekräftigem Gesichtsausdruck. Den kann man super minutenlang vorm Spiegel üben und sich so zum Horst machen, wenn jemand reinkommt und fragt, ob alles okay sei... "Ja, ja, alles gut. Ich muss nur kurz checken, wie der Schneemann guckt, wenn's auf dem Klo mal nicht so gut läuft." Tja. Versteht nicht jeder.


Die Köpfe habe ich mithilfe diverser Kleingeldstücke kugelrund hinbekommen und dann an einer Seite gestutzt, weil's besser aussieht, wenn der Schneemann von unten ins Bild rutscht. Da kann man sich wenigstens noch einen Körper dazudenken. Einen feschen Zylinderhut dazu, eine winzig kleine Karotte (immer noch alles mit doppelseitigem Klebeband befestigt), und die vor Anstrengung zusammengekniffenen Augen solltet ihr ja vorher ein bisschen geübt haben und dann einfach mit einem schwarzen Stift direkt ins Schneemanngesicht zeichnen. Alles halb so wild. Damit der Beschenkte hinterher überhaupt weiß, was der Quatsch soll, könnt ihr noch einen quirligen kleinen Geschenkanhänger dazupacken, auf dem mit ernsten Worten verkündet wird, dass es sich hier definitiv NICHT um erfrischende Pfefferminzbonbons handelt.


Ja, das war's dann auch schon. So eine Portion Schneemannköttel macht sich wirklich gut als kleine Beigabe zum Weihnachtsgeschenk und kann für den ein oder anderen Schmunzler sorgen.

In gewohnt abrupter Manier beende ich das eine Thema und komme geschwind zum nächsten: meinem Protokoll der Ereignisse eines längst vergangenen Adventsonntags, denn der zweite Teil des Titels möchte auch erfüllt werden... Seltsame Dinge trugen sich vor, in und um dieses Haus herum zu. Um euch kurz einen Überblick zu geben: Es war der erste Advent, wir hatten beschlossen, keinen Fuß vor die Tür zu setzen und schlawienerten in Puschelklamotten zwischen Couch und Küche hin und her. Und: unser Haus steht vor einer dicken, fetten Kirche, die man hervorragend vom Küchenfenster aus beobachten kann. Das ist nicht so langweilig wie man vielleicht meinen könnte. Sollten wir hier wohnen bleiben, werde ich ganz sicher mal zu einer dieser Ommas, die am Fenster hängen und die Welt betrachten. Aber ganz, ganz sicher.



Küchenprotokoll vom 30.11.2014

- stehe in Küche und backe; werfe ab und zu Blick aus Fenster und sehe zu, wie kirchlicher Weihnachtsmarkt aufgebaut wird
- Pfarrerin in Magentarobe schreitet plötzlich aus Kirche; sieht wild entschlossen aus, fuchtelt einladend mit Armen und bleibt einfach auf Bürgersteig stehen
- frage mich, was jetzt wieder los ist; knete Teig
- Grüppchen von 12 pudelbemützten Christen reiht sich fein auf und blickt Magentapfarrerin erwartungsfroh an
- werde neugierig; öffne Fenster
- Grüppchen beschließt nach viel Gemurmel lautstark, Licht der Hoffnung zu werden und schüttelt einander die Hände
- blicke auf meine unheiligen Orientkekse und denke an Schneemannkötteldosen; empfinde Stilbruch und tiefe Kluft zwischen hier und dort
- Magentapfarrerin verteilt Oblaten auf Bürgersteig
- habe genug gesehen und gehört; Neugier befriedigt; schließe Fenster wieder 
- weiterbacken
- es klingelt an der Tür
- weigere mich, im Pyjama zu öffnen; Franzose drückt Türsummer und beschließt erst dann, sich ebenfalls zu weigern; Grund: unzureichende Deutschkenntnisse
- was wir haben? Salat; den
- unbekannte Frau erscheint in Hausflur, wird abwechselnd durch Türspion beäugt und für verdächtig gehalten
- Frau wieselt rastlos zwischen unserer + Tür der Nachbarin hin und her, wirkt unschlüssig
- Franzose und ich hören auf zu atmen
- Rückzug; dann Diskussion in Küche, um Identität der ominösen Frau zu eruieren
- Franzose ist überzeugt, das sei meine Schuld; Dame käme sicher "vom Blog"; is klar
- wende mich kopfschüttelnd ab und zehenspitzle zurück zur Tür
- luge erneut durch Türspion; Schockschwerenot; Frau starrt Tür an, oder mich?!
- lasse mich geräuschvoll zu Boden fallen + robbe zurück in Küche

Ich denke, wir müssen umziehen.




Was gelernt?
Ich weiß auch nicht...
Aber am nächsten Morgen fand ich eine Zellophantüte mit selbstgebackenen Brownies neben der Tür. Alles sehr mysteriös. Franzose meinte 4 Tage lang, die könnten vergiftet sein. Am 5. Tag stand er dann aber mampfend in der Küche. Es tue ihm so leid wegen all der Liebe, die doch sicher in den (plötzlich nicht mehr vergifteten?) Brownies stecke. Hach ja. Plemplem.