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Samstag, 17. Oktober 2015

Godzilla goes Design

Liebe Schnitzelfreunde,
nachdem Godzilla mir erst letzten Oktober bei einem Gruselfood-Post geholfen und mich im Anschluss daran monatelang allmorgendlich vom Regal über der Heizung im Schlafzimmer aus angebrüllt hat, haben wir uns nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, ihn eine anspruchsvollere Aufgabe übernehmen zu lassen. Eine, die Köpfchen erfordert. Alle beteiligten Parteien wirken überaus zufrieden.


Was gelernt?
Ein Lächeln kann man überall gebrauchen.
Auch auf dem Klo.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Rotkäppchen und der böse Schlamm
Der Bad Wolf Dirt Run 2015

Liebe Schnitzelfreunde,
es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt. Eine halbe Woche lang hing ich jetzt in den Seilen. Mit diesem ich-bin-älter-als-meine-Omma-Gefühl. Weil ich mal wieder etwas getan hatte, ohne vorher groß darüber nachzudenken, was hinterher dabei rumkommen könnte. Versteht mich nicht falsch - ich bereue nichts! Es ist einfach nur sehr, sehr schön, wenn der Schmerz nachlässt...

Ich habe diese Theorie, dass sehr viele Dinge genau zum richtigen Zeitpunkt geschehen, auch wenn es erst überhaupt nicht danach aussieht. Man bucht etwas, viele Wochen im Voraus. In diesen vielen Wochen vor dem Ereignis dreht das Leben unangemeldet voll auf, nervt dich, rüttelt und zerrt an dir, du schnauzt es an, damit es endlich Ruhe gibt, aber auf dich hört ja niemand. 

Dann steht plötzlich das Ereignis vor der Tür und sagt: Tach, kann ich reinkommen? Du denkst: Oh man, nee, schon so spät? Öhm, nicht aufgeräumt, keinen Kuchen gebacken, Haare zerwühlt, viel zu wenig geschlafen, geh weg. Und öffnest trotzdem die Türe. Weil Besuch eigentlich immer zum rechten Zeitpunkt kommt. Und wenn's der richtige Besuch ist, interessiert ihn auch die Unordnung nicht die Bohne. Weil's um was anderes geht. Was Wichtigeres.

  
Aber nochmal kurz zurück zum Anfang. Manchmal packt's einen ja, so ganz unverhofft. Man folgt irgendeiner Eingebung, löst sich vom Verstand und tut einfach. Ein bisschen wie Lucky Luke, der schneller zieht als sein Schatten. Nur eben in schneller handeln als denken. Es gibt zwar diesen schönen Spruch "Erst denken, dann handeln", aber ich glaube, den darf man nicht allzu oft befolgen. Wer zu viel denkt, hält sich selbst nämlich vom Handeln ab. Und das braucht echt kein Mensch.

Wenn ich einen dieser Lucky-Luke-Momente habe, läuft das in etwa so ab:

1. Irgendwas entdecken. Plakat oder Ähnliches. Mit Werbung für Dinge und Ereignisse, mit denen nicht jeder Mensch zu tun hat. Oder eventuell haben möchte.
2. Augen aufreißen, Herzklopfen bekommen, Habenwollen! Gah.
3. Völlig überstürzt Ticket kaufen, egal wie teuer. Na gut, fast.
4. Unschuldige Mitmenschen mit in die Chose reinziehen und gegen ihren Willen ins Unglück stürzen. Heimlich denken, die wollen das.
5. Innehalten. Bewusstwerden. Konsequenzen, Nachtigall und Konsorten trappsen hören. Ouh. Natürlich ist es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät für eventuelles Zurückrudern.
6. Auf die Unterlippe beißen. Grinsen.
7. "Scheiße..." (Diese Phase ist sehr kurz.)
8. "Egal, ich zieh das jetzt durch!" (Diese Phase ist sehr schön.)

Joah. Genau so lief das letztens mit dem Bad Wolf Dirt Run ab. Auf irgendeinem dieser zahlreichen Food Truck Festivals in Frankfurt hing so ein unschuldiges kleines Plakat und lockte mit Schlamm, Schweiß und Schinkenkeule in einem Kaff in Nordhessen. Den drei Dingen, denen keine Frau widerstehen kann. Zumindest in meiner Welt.



Ich mach mir wirklich immer mal wieder wahnsinnig gerne die Finger schmutzig. Liebend gerne auch den ganzen Rest gleich mit. Das hat sich sogar schon auf der Arbeit rumgesprochen. Ihr erinnert euch. Da, wo die Leute in schnieken Anzügen herumlaufen. Aber eben auch da, wo nicht alles und jeder, der in so einem schnieken Anzug drinsteckt, vom Wesen her unbedingt genauso schnieke sein muss. Wie überall eben. Manch einer verkleidet sich halt auch nur. Erwachsensein spielen. Die leichten Berührungsängste allerdings bleiben: "Wann ist das da mit deinem... Matsch-Event nochmal?" 

Von sowas muss man sich nicht immer gleich abschrecken lassen, dachte ich mir. Zwei ganze Tage lang hatte ich daher sogar versucht, ein Büro-Team zusammenzustellen. Gut. Sagen wir, es war ein völlig aussichtsloses Unterfangen und belassen es dabei. Beknackte Idee. Und das, obwohl es nur um die Rotkäppchenrunde gehen sollte. 


Der Bad Wolf Dirt Run ist einer dieser "Tough Mudder". Man kauft ein Ticket, um mit fremden Menschen durch ein Truppenübungsgebiet zu hecheln, Unmengen an Hindernissen zu überwinden und sich von oben bis unten komplett einzusauen. Entweder 9km lang - in der Rotkäppchendistanz - oder halsbrecherische 18km lang - in der Böser-Wolf-Distanz. Das wäre die Kurzfassung. Wird dem Ganzen nur nicht gerecht. Da diese Dirt Runs aber nicht mehr wirklich neu sind, erspare ich euch an dieser Stelle mal eine ausschweifende Erklärung und gehe niemandem auf den Senkel, sondern lieber gleich ans Eingemachte. Mitten rein in den Matsch also. Erzählmodus ein.

Nach vielen Minuten in der Anmeldeschlange halten mein Bruder und ich endlich unsere Goodie Bags in Händen. Braune Packpapiertüten gefüllt mit den nötigen Teilnahmeunterlagen. Das schicke T-Shirt streifen wir über, das Armband legen wir an und die Isla-Moos-Halstabletten beäugen wir ratlos. Pulmoll gibt's auch. Die denken also jetzt schon, dass wir gleich krank werden? Pöh. Woll'n wir doch mal sehen!

An der Backsteinwand links hängt ein Banner, darauf steht "Männerspielplatz", das passt. Ich fühl mich gut. Gabelstapler manövrieren Dixie-Klos durch die Menschenmenge, überall stehen Jeeps mit Allradantrieb, und die Leute hinter uns geben sich als Marathonläufer zu erkennen. Gesprächsthema: verhärtete Waden. Kurz bevor ich denke, doch nicht ganz hierher zu gehören, entdecke ich einen Mann mit einem Huhn auf dem Kopf. Das beruhigt mich irgendwie. Ich weiß nur nicht genau, warum. 

  
Wir geben unsere Klamotten ab und erkunden das Gelände des Offroad-Parks. Hier und da ist Kies aufgeschüttet, zwei Bagger markieren mit ihren hochgereckten Schaufeln den Start- und Zielpunkt, eine junge Dame wandert als Rotkäppchen verkleidet durch den Schlamm und lässt sich mit Teilnehmern fotografieren, die Stimmung ist ausgelassen und angenehm familiär. Die meisten Leute sehen sportlich, aber entspannt dabei aus. Einige wenige sind im absoluten Wettkampfmodus und wirken, als hätten sie sich monatelang auf diesen Lauf vorbereitet. Sehnig, agil, etwas verbissen. Der Rest gehört in die sehr große Gruppe, die hinterher einfach nur froh ist, überhaupt heil ans Ziel zu kommen. Egal, wann. Hauptsache, Spaß gehabt und nicht unterwegs gestorben. Der Mann mit dem Huhn auf dem Kopf gehört dazu, was anderes kann mir keiner erzählen. Das Pärchen mit den auf die rechte Schulter genähten Schweinen auch. Man kann einzeln, aber auch als Team starten; außerdem gewinnt nicht nur der schnellste Läufer, sondern auch das ausgefallenste Kostüm - und so laufen ganze Scharen von Vampiren, Feuerwehrleuten und Wasserballetttänzern in Tütüs durch die Grube. Man muss Prioritäten haben und seine Stärken ausspielen.

Es ist erst der zweite Dirt Run hier im Knüllwald (ist das großartig oder was?). Da sich die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht hat, wird zeitversetzt in Blöcken gestartet. Die Wölfe zuerst, zwei Rotkäppchengruppen danach. So soll es möglich sein, dass die schnellen Wölfe die langsamen letzten Rotkäppchen einholen. Dramatik und dergleichen. Wir wurden dem letzten Block zugeordnet, haben also Zeit. Viel Zeit. 

Es gibt ein Aufwärmprogramm. Ein bulliger Mann klettert auf einen Kiesberg und brüllt die Menge lächelnd an. Ohne mit der Wimper zu zucken gehorchen alle und hüpfen und schnaufen und üben Kampfschreie. "HUAHHH!!" Wir machen mit und dehnen unser Programm noch etwas aus - sind ja keine 20 mehr, ne? Die Halstabletten im Goodie Bag verfehlen ihre Wirkung also nicht. Blöde erhobene Zeigefinger, manman.




Kurz vorm Startschuss: mein Bruder und ich stellen uns ins erste Drittel, weil wir nicht zum Spaß hier sind. Nur so'n bisschen. Ich will nicht sagen, dass mir der Arsch auf Grundeis geht, aber als der Radiomoderator das Rote Kreuz mit den Worten "auf den ersten 200 Metern hat's jemanden zerrissen" herbeilotst, sehe ich an mir herunter und überlege angestrengt, ob Fußballschuhe wohl die richtige Wahl waren? Na ja, zu spät. 

Gemeinsam zählen wir von 10 runter, der Startschuss ertönt, es geht los. Erste Kurve: gleich mal eine Pfütze so groß wie sechs Planschbecken. Elegant tänzel ich an deren linkem Rand entlang, bis der Mann gleich hinter mir mit einem Freudenschrei mittenrein springt und mir die braune Suppe in den Rücken spritzt. Naaa gut. War eh blöd von mir, zu denken, man könne hier lange sauber bleiben, ne? Danke. Als nächstes wird der Untergrund seltsam hartnäckig und zäh. Links und rechts von mir bleiben Leute stecken oder verlieren sogar ihre Schuhe. Ich habe Glück und tippsel behende durch diese fiese Falle. Dann geht es gefühlte 500m nur noch bergauf. Im Laufschritt. Mein Bruder sieht mich an. Wollen die uns umbringen? Ich glaube schon, ja. Es geht steil bergab, sehr, sehr steil. Ganz unten steht eine Frau und ruft fröhlich: "Keine Angst! Das tut nur EINmal weh." Das ist als Aufmunterung gemeint. Sie findet das lustig. Ich auch. Hervorragend.

Es läuft ganz gut. Wir fühlen uns fit. Meine Herren, sind wir fit! Guck doch mal, wie fit wir sind! Hätten wir doch nur die 18km gebucht, wa? Ein erster ernüchternder Tiefpunkt ist allerdings bald erreicht, als wir uns einig sind, bestimmt schon über die Hälfte der Strecke geschafft zu haben und dann 500m weiter ein Schild an einem Baum unbarmherzig "3km" anzeigt. WAS?! Drei? Oh Gott...


Das Ding aus dem Sumpf

Danach läuft es aber. Wir klettern über Baumstämme, waten geduldig durch Wasserlöcher, hieven unsere Popos über senkrecht angebrachte Netze und schieben uns gegenseitig diverse lehmverschmierte Anstiege hinauf. Der Matsch sammelt sich in den Schuhen, die mit jedem Schritt schwerer werden. Zwischen Schuhsohle und Fußsohle passen immerhin 4cm dicke Lehmklumpen. Pfützen werden zu Freunden. Immer öfter patschen wir einfach mittendurch, is jetzt eh wurscht, guck doch mal, wie wir aussehen. Genau, guck dich doch mal an! Dreckschwein. Ein gutes Gefühl, nicht mehr auf Äußeres zu achten. Achten zu können, achten zu wollen. Ich stehe mit einer Frau an einem Schlammloch. Wir gucken uns an. Grinsen. Obwohl drumherum genug Platz wäre, stürmen wir beide entschlossen mittendurch. "Dafür sind wir doch hier!" sagt sie. Recht hatse. Das ist wie mit dem Leben - ganz rein ist die bessere Option. Ich bin ein verkrusteter Glückskeks in Fußballschuhen.

An zwei Ständen auf der Strecke werden isotonische Getränke angeboten. Auch halbe Bananen und Power-Riegel für Bodybuilder, was ich auf einmal als total angebracht empfinde. Wir waschen uns vorher die Hände. In einem Bottich voller Matschwasser. 'Sauber' wird mittlerweile längst anders definiert.

Das ist dann doch eher 'dreckig' 

Kilometer 6 ist erreicht. Zwei Drittel. Irgendwann danach tauchen die "richtigen" Truppenübungsplatz-Stationen auf. Die, die man aus dem Fernsehen kennt: Mädels, rückt eure Käppchen zurecht. Jetzt wird ernsthaft über den Lehmboden gerobbt, der wie poliert wirkt, weil schon mehrere Dutzend Leiber darübergeschoben wurden. Auf die Knie! Dann ein Wasserloch, leider diesmal abgedeckt, also Ärmel hoch und eintauchen. Nee, is dat schön. Danach sehen wir aus, als hätte man uns mit den Füßen voran in einen überdimensionierten Kessel voll feinster Milchschokolade getunkt. Dann die obligatorischen Autoreifen. Links, rechts, links, rechts, hop, hop, hop, durch Betonrohre krabbeln und über Rampen springen.

Ganz ehrlich? Den allerletzten Kilometer habe ich im Autopilot überstanden. Irgendwann bin ich über den letzten Hügel gekrabbelt, sah die Zielkurve und blieb einfach mal mittendrin stehen. Ich hatte meinen Bruder verloren. Tjoah. Mein Körper war erschöpft und mitbekommen habe ich eh nichts mehr. Da stand ich also und wartete. Mich lachte diese Riesenpfütze an, die aus der allerersten Kurve, die jetzt die letzte war. Ich nahm kurz Anlauf und hopste mit Schmackes mittenrein. Bisschen Zeit vertreiben. Plötzlich dröhnt es durch die Grube: "Nein, nicht da reinhüpfen!" 

Minuten später ging mir erst auf, dass mich der Radiomann oben auf dem Hügel beobachtet und mein seltsames Verhalten kommentiert hatte. Schließlich war das hier die Zielkurve. Alle anderen rannten erfreut unter den Baggerschaufeln durch und ließen sich feiern. Ich tobte im Matschwasser herum. 15 Meter vor der Ziellinie. Na ja. Prioritäten und so.


Auch der Herr von Radio BOB, der hinter der Ziellinie steht, merkt schnell, dass mit mir nicht mehr viel anzufangen ist. Als er mit dem Mikro auf mich zukommt und mir die Hand schüttelt, nehme ich alles wie durch Watte wahr. Man sieht es mir auch an - er fragt nichts, gratuliert nur, Händedruck kann ich noch. Ich verstehe, warum Fußballspieler nach einem anstrengenden Match nur noch mühsam ganze Sätze zusammengeschustert bekommen; man ist wie benommen. Irgendwie gaga und sehr, sehr abwesend.

Wir stellen uns bei den Vorduschen an. Draußen. Die Schlammschicht auf unseren Körpern beginnt zu trocknen. Wer jetzt den Unterarm dreht, bekommt einen Vorgeschmack auf den Zustand der eigenen Haut in ungefähr 40 Jahren. Müde und fasziniert drehe und wende ich meine Arme, starre stumm auf die vielen Falten. Das waren die längsten und besten 9km meines Lebens.


Dann ist irgendwann alles geschafft. Wir sind vor- und auch richtig geduscht und tragen saubere Klamotten, sehen wieder aus wie Menschen. Fühlen uns allerdings wie King Kong und Clark Gable in einem. Eine halbe Stunde später bricht kurz nochmal die Bestie durch. Und zwar so richtig. Mein Körper fordert plötzlich all die Kalorien ein, die in den vergangenen zwei Stunden verbrannt wurden. Das müssen ne ganze Menge gewesen sein. Ich hatte noch nie im Leben so viel Hunger! Aus dem Weg, ich muss essen!! Ich schiebe mir minutenlang wie wild alles in den Mund, was ich an Verwertbarem zu fassen bekomme - ein alkoholfreies Bier, einen halben Apfel, zwei Milchbrötchen, einen Smoothie, ich teile mir einen deftigen Salat mit meinem Bruder, versenke die Zähne in einem mächtigen Burger mit Rindfleisch, später abends futtere ich noch zwei Waffeln und verdrücke die Reste von Franzoses indischem Essen. Bin von mir selbst beeindruckt. Auch ein klein wenig besorgt und in Ehrfurcht. Zu Hause schlägt die Erschöpfung in einen Energieschub um. Was soll das denn jetzt?! Nicht mal in Ruhe erschöpft sein kann man hier. Eine halbe Stunde lang springe und tanze ich zu unfassbar lauter Musik in der Küche herum, dann wird geduscht. Schon wieder. Diesmal mit warmem Wasser. Schööön. Jetzt ist die Haut dran, sie ist durstig. Drei Mal muss ich alles eincremen, bis sie Ruhe gibt, bis gut is. In mir summt es. Alles fühlt sich super an. Ich friere. Aber es ist gut.

Das Grübeln der letzten Wochen ist wie weggeblasen. Geht auch gar nicht anders. Wer so erschöpft ist, denkt nicht mehr viel nach. Irgendwann macht es Plop, und ich schnarche unverhofft weg. Muskelkater gibt's zum Glück keinen, aber ganze drei Tage, die nur irgendwie überlebt werden, mehr nicht.

Das hier? Jederzeit wieder. Vielleicht auch mal mit Huhn aufm Kopp.

Was gelernt?
Kopf erschöpft? Körper erschöpfen!
Läuft. 


Montag, 24. August 2015

Smartphone an Schnitzel: Benutz mich!
Oder: Bin ich jetzt hip?

Liebe Schnitzelfreunde,
seit geschlagenen zwei Wochen hab ich so'n neumodisches Ding. Ein Smartphone. Von Mama. Die ist nämlich irgendwie cooler und fortschrittlicher als ich. Und weil sie mich lieb hat und möchte, dass ich der Zeit nicht soooo arg hinterherhinke und deshalb von den anderen Kindern ausgelacht werde, darf ich ihre alten Sachen auftragen. 

Total nett, meine Mama. Wirklich. 

Hallo, Mutti! (Glaubt jetzt nicht, dass ich wirklich Mutti zu ihr sage. Obwohl man damit ja mal anfangen könnte. Leute ohne Ahnung von Smartphones sagen auch mal Mutti.)

Das Smartphone ist von Aldi. Also richtig hip. So ein kluges tragbares Telefon mit übergroßem Bildschirm und schlechter Kamera, wie es die riesengroße Mehrheit von euch bestimmt seit Jahrhunderten besitzt. Nur eben mit guter Kamera. Und wahrscheinlich nicht von Aldi.


Mama hatte sich die Discounter-Version angeschafft, weil sie nicht ganz sicher war, ob das was werden würde. Mit ihr und dem Smartphone. Tja. Was soll ich sagen. Mittlerweile schickt sie Bildnachrichten durch die Weltgeschichte - zuletzt an meinen Bruder nach Australien - und hat mit ihren Kolleginnen eine Whatsapp-Gruppe gegründet, die rege genutzt wird. Zeit für ein Upgrade. Das alte Teil kann an die Oldschool-Tochter abgetreten werden.

Und ganz ehrlich - kann man sich gegen Geschenke von Mamas wehren? Nein, kann man nicht. Die nimmt man an.

Ich gehöre jetzt also zur Instagram(mit einem oder zwei m?)-fähigen Gesellschaftsschicht. Also, zumindest theoretisch. Denn eigentlich liegt mein Smartphone seit Tag 1, an dem ich es noch brav aufgeladen habe, nur in der oberen linken Ecke meines Schreibtisches und regt sich nicht. Es wartet geduldig auf seinen Einsatz. Joah. Also, wenn ich eins hab, dann Geduld und gutes Sitzfleisch. Und Skepsis. Gegenüber neumodischem Zeuchs.

Ja. Staub. Ne ganze Menge davon. Da muss mal jemand wischen.

Ob der Akku wohl noch voll ist? - Ah. Nein, ist er nicht.

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Gut. Ich habe den Post eine Weile ruhen lassen. Das Smartphone auch. Das ruht ja eh, seit ich es habe. Still und starr, wie der See aus dem Lied. Hin und wieder habe ich aber mal nachgesehen, ob es ihm auch gut geht. Verbunden mit ehrlichem Interesse. Ich habe es gedreht und gewendet und weiß jetzt, dass man links die Lautstärke regeln kann. Das ist schön. Und gestern gab es außerdem einen echten Annäherungsversuch. So richtig mit Einschalten und Anfassen.


Noch ist mir nicht ganz klar, warum alle so auf Smartphones stehen. Dieses ganze Geschiebe und Gewische. Ich glaube, ich drücke lieber Tasten und Knöpfe. Die dürfen dann auch klicken oder tuten. Aber gut, aller Anfang ist schwer, nech?

Franzose lag neben mir auf unserem Couch-Ersatzding und beäugte meine zarten Anbandelungsversuche sichtlich amüsiert. Nach wenigen Minuten gab es den ersten Kommentar in Richtung "Das wird eine lange, schwierige Phase." Keine Ahnung, was er damit meint. Ich habe jedenfalls aus Versehen einen Instagram-Account erstellt, obwohl ich eigentlich nur diese typisch quadratischen Fotos machen wollte, die man ja eifrig mit Filtern totwirft, damit alles schön aussieht. Nachts um 23 Uhr habe ich probehalber ein Foto vom aktuellen Blumenstrauß auf dem Wohnzimmertisch gemacht, um zu prüfen, wie das in quadratisch aussieht. Mit Blitz. Alles total überbeleuchtet. Wo finde ich jetzt den Filter, der das wieder hinbiegt?

Manchmal komme ich mir vor wie ein Alien. Fühlt sich aber okay an.

Neues Mantra: Man darf sich dem Fortschritt nicht verstellen.

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Tjaaaaa. Wieder sind ein paar Wochen rum. Ab und zu staube ich mein Smartphone ein wenig ab. Hinterher sieht es noch so aus, als würde ich mich nicht darum kümmern. Dabei schaue ich manchmal sogar ins Aldi-Prospekt und beäuge die Smartphone-Tarife mit den super-günstigen Paketen samt High Speed Internet und toller Flatrate. Dann blättere ich meist schnell weiter zu den Seiten mit den italienischen Wochen und kreuze Cantuccini sowie faszinierende Conchiglie-Muschelnudelmischungen an, weil Nudeln mit Kurkuma, Spinat, Roter Bete und schwarzer Karotte einfacher zu handhaben sind als Smartphones und Filter für quadratische Bilder. Zumindest bisher.

    
Ich kann mich jetzt nicht mit neumodischem Schnickschnack befassen - mein Leben ist gerade komplex genug.

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Habe gerade heimlich das Ding eingeschaltet und einfach so aus Spaß ein bisschen drauf herumgewischt. Hab den richtigen Schwung gefunden. Ob ich wohl mal den Gang zu Aldi wage und einfach loslege? Die Zeit ist reif. 

Okay, überreif.

Jaaaaaa, mensch...

In knapp fünf Monaten geht es nach Chile. Die Flüge sind gebucht. Bis dahin bekommt man das wohl hin, diese ganze Angelegenheit mit dem Gewische, dem Quadratisieren und Filterfummeln.

Und ganz ehrlich: Da stecken irre Möglichkeiten hinter. (Oder? Hört man halt so.) Ein ganzes Universum passt in so ein kleines flaches Smartphone. Mein Gott. Ich kling wie meine eigene Omma. Am besten führen wir das mit der Postkutsche wieder ein und alles wird gut. Ich halte euch auf dem Laufenden. Meine ersten quadratischen Superfilterfotos werden natürlich exklusiv hier auf diesem Blog veröffentlicht. Ihr habt doch noch ein paar Monate Geduld, ne?


Was gelernt?
Nicht immer logisch, was man so tut. Oder nicht tut. 
Aber diesen Instagram(m?)-Account, also, 
den lass ich mal sein. Vorerst.
Und: Hip geht anders.

Sonntag, 5. Juli 2015

Sparschäler are good for you.
Oder: Salata!

Liebe Schnitzelfreunde,
meine kleine Reise nach Istanbul ist mittlerweile so lange her, dass ich ab und an befürchte, nicht mehr vernünftig davon berichten zu können, denn Erinnerungen verblassen, das haben sie manchmal so an sich. Auch deshalb habe ich meine Kamera so liebgewonnen. Sie hilft mir dabei, dem Schicksal aller Goldfische ein Schnippchen zu schlagen. Knipsen gegen das Vergessen. 

Ihr erinnert euch vielleicht an die bekloppte Fährfahrt in Richtung Prinzeninsel, von der ich euch berichtet habe. Obwohl, von dem wirklich bekloppten Ereignis während der Fährfahrt hatte ich kein Sterbenswörtchen geschrieben. Kann man ja kurz nachholen. Bereit?

Wir versetzen uns zurück in die Situation: Fähre, endloses Blau, plötzliches enormes Aufkommen von Möwen, begeisterte Menschen, alle wahnsinnig abgelenkt. Alle, aber auch wirklich alle starren vom Boot weg, in Richtung Meer und fliegende Cräcker. Auf einmal BRÜLLT es hinter uns. Natürlich versteht kein Mensch, was los ist oder was gerade gesagt wurde. War das Türkisch? Kann hier irgendjemand Türkisch? Ich jedenfalls schonmal nicht. Aber als normaler Mensch reagiert man ja einfach mal, wenn man ungewohnten Lärm wahrnimmt. Erster cleverer Schachzug. Ich senke die Kamera, hebe eine Augenbraue, drehe mich um, und dann hebe ich die zweite Augenbraue, denn dort steht ein Mann mitten auf der Fähre und reckt eine Kartoffel in die Höhe. Eine. Kartoffel. Er trägt ein graues Sacko und sieht sehr fröhlich aus. "Salata!" ruft er. Aha, Salat, okay, das können wir durchgehen lassen. Sein zweiter Arm schnellt in die Höhe. Er hat seine Waffe gewählt: einen Sparschäler. Silbern, schnittig, formschön. Eine Art Tupperparty, denke ich, und irgendwie finde ich es völlig okay, ja sogar beruhigend, da jetzt nicht wegrennen zu können. Kaufen muss ich schließlich auch nichts. Lasset die Spiele beginnen.


Begeistert geht der Mann ans Werk und schält seine Kartoffel. Na gut, die halbe Kartoffel. Und zwar fächerförmig in ein Akkordeon. Für eine Weile vergesse ich die Möwen und überlege, warum ich meine Kartoffeln zu Hause immer nur hilflos im Kreis schäle, wenn sie doch auch SO aussehen könnten. Die Akkordeonkartoffel klappt nach unten aus und ist wunderschön. Der fremde Mann strahlt, sein Blick sucht nach Anerkennung im Publikum. Ich will mal nicht so sein und juble. Die Veranstaltung nimmt Fahrt auf. Die Fähre nicht. Dieser Mann hat alle Zeit der Welt, uns von seinen Sparschälern zu überzeugen, warum wirkt er so gehetzt? In Windeseile schält er noch eine Karotte! Und eine Tomate! Eine Schlangengurke! Jedes einzelne kleine Gemüsewunder der Natur wird triumphierend in die Luft gereckt und erst geschält, wenn genügend Applaus und Gegröhle geerntet wurden. Ein zweiter cleverer Schachzug. In kürzester Zeit einen völlig irren Hype zu erzeugen. 

Ich strahle übers ganze Gesicht, weil diese Situation so absurd ist. Mit zig fremden Menschen auf einer Fähre irgendwo vor Istanbul juble ich einem fremden Mann zu, der einfach nur Gemüse schält. Warum nicht. Die Masse kocht. Unser Sparschälguru greift in seine Zauberkiste und... holt eine dicke, kugelrunde Wassermelone hervor. Die stemmt er in gewohnter Manier triumphierend in die Höhe.

Moment. Eine Wassermelone? Der hat sie doch nicht alle. Und die will er jetzt schälen? Mit seinem pisseligen Sparschäler oder was? Eine Wassermelone!

Die Leute springen von ihren Sitzen auf. Ich blicke irritiert von links nach rechts und wieder zurück. Habe ich irgendwie den Schlüsselmoment verpasst? Drehen jetzt alle komplett am Rad? Und wo sind die Kameras? Ist uns so langweilig auf dieser Fähre, dass wir sogar Obst und Gemüse als Highlight empfinden? Wo verdammt sind denn die Kameras? Und was ist mit den Möwen? Haben denn alle die Möwen vergessen? Warum sind silberne Sparschäler cooler? Was'n hier los?

Egal, mitmachen! 

Und dann schält er ernsthaft diese riesengroße Wassermelone mit seinem blitzeblanken Supersparschäler. Ich habe eine Wassermelone rasiert. Unter to-sen-dem Applaus. "Salataaa!!" brüllt er immer wieder für den letzten, der es immer noch nicht kapiert hat. Wir lachen, wir klatschen, wir machen Fotos. Und als der Messias am Ende seiner Darbietung durch die Reihen läuft, um seine wunderbaren Oberhammersparschäler mit vollen Händen ans gemeine Volk zu verteilen - endlich! Mein Gott, was haben wir darauf gewartet! - gibt es tatsächlich Menschen, die gleich unfassbare vier Stück auf einmal kaufen und so aussehen, als wäre dies hier der allerallerschönste Tag ihres Lebens. 


Meine Wangen glühen, das Haar ist komplett zerzaust, und leider habe ich vor lauter Begeisterung vergessen, mehr Fotos zu schießen. Oder vielleicht auch einfach mal nur gute Fotos. Aber genau so muss das sein. Die Leute um mich herum schlagen ihre Sparschäler frenetisch gegeneinander und versuchen, sich gegenseitig die Köpfe zu rasieren. Kurz überlege ich, diese Fähre nie wieder zu verlassen. 


Meine Begeisterung geht so weit, dass ich Franzose eine SMS nach Hause schicke, in der steht, dass ich total gut drauf bin, Urlaub alleine unglaublich toll finde und fast einen bis fünf Sparschäler auf einer Fähre gekauft hätte. Franzose fragt, ob er sich Sorgen machen müsse, ob Istanbul denn echt nichts besseres als Sparschäler zu bieten habe und ob denn sonst alles okay sei. Natürlich ist alles okay! Mehr als okay.

Versteht er denn gar nichts? Herrgottnochmal. Kopfschüttelnd wende ich mich wieder dem Wahnsinn zu und werfe kurz darauf gedankenverloren ein paar Cräcker und am besten auch gleich meinen Verstand mit über Bord. Warum fahren Menschen nicht viel, viel öfter mit Fähren durch die Gegend? Besser geht es doch kaum.

Was gelernt?
Also, so'n Sparschäler, der kann schon
auch irgendwie sexy sein, wa? 

Montag, 8. Juni 2015

Istanbul

Liebe Schnitzelfreunde,
ich zeige euch heute ein paar Bilder aus Istanbul. Da war ich vor ein paar Wochen - der ein oder andere mag sich erinnern. Zwar nur für fünf Tage, aber für eine Großstadt reicht das dicke. Für mich sind solche Urlaube was ganz Besonderes: ganz alleine, nur die Kamera und ich. In dieser Konstellation erlebt man meist mehr als in, öhm, anderen Konstellationen. Der Urlaub sprang mich spontan von hinten an, als ich den Arbeitgeber wechselte und unerwartet vor der Wahl stand, mir die restlichen Urlaubstage (wo auch immer sie herkamen) auszahlen zu lassen oder sie eben gutgelaunt abzufeiern. Und da Geld bekanntlich mal kommt und mal geht, ich aber lieber die Welt sehen möchte, war das 'ne klare Kiste. Weg! Aber sowas von weg.


Heute gibt es einfach ein paar meiner liebsten Bilder. Ohne viel Geschnurre und Rhabarber drumherum. "Draußen" warten nämlich zurzeit eine dramatische Mieterhöhung, ein Wasserschaden, emsige Wohnungssuche und andere lustige Dinge darauf, von mir bewundert und bespaßt zu werden. Aber wisst ihr was, das geht auch wieder vorbei. Lehnt euch zurück, denkt an Urlaub und lutscht gemütlich an einer gefrorenen Banane. Ich mach mit. Komm, und jetzt Fotos gucken.


Ihr seht das nicht, aber ich hab mir da dermaßen den Bauch vollgeschlagen. Und ständig Essen geknipst. Als gäb's kein Morgen mehr. Alles musste probiert und dann konserviert werden. In fünf Tagen passt nicht soooo viel Essen in einen rein, dennoch würde ich behaupten, einen beachtlichen Schnitt erreicht zu haben. Salzig, süß, noch viel süßer und ein bisschen sauer. Da ich fremde Städte aber eh immer zu Fuß erkunde, war das schnuppe. Und lecker. So lecker!


Was gelernt?
Fotos für den inneren Seelenfrieden!
Es funktioniert. 

Dienstag, 5. Mai 2015

Lauschangriff. Heute: Vitalstoffe im brennenden Kuchen.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich bin ja fest entschlossen, den Lauschangriff zu einer Institution werden zu lassen. Ist zwar erst der zweite auf diesem Blog, aber das heißt ja nichts. Jeder fängt mal klein an. Der Lauschangriff wird wachsen und gedeihen. Vielleicht in Schüben, aber immerhin. Weil er Spaß macht. Und wenig Arbeit. Ich glaube auch nicht mehr daran, dass Alltags- und Situationskomik eines Tages mal aus der Mode kommt. Die geht einfach immer!

So. Kleines Anekdötchen voraus.

Wie ihr wisst, lernt mein Freund seit Wochen fleißig Deutsch. Manchmal mehr, manchmal sehr viel weniger begeistert. Das ist echt nachvollziehbar. Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich hätte keine Lust, Deutsch zu lernen und bin sehr froh, es schon zu können. Danke, Mama und Papa. 

Eines Tages kam er jedenfalls nach Hause und meinte, wir seien bei einem Kollegen eingeladen, der würde auch Essen auf den Tisch stellen. Brennenden Kuchen. "Aha?", dachte ich, "also, diese Franzosen...da gibt es nicht nur langweilig Kuchen, da wird gleich alles angezündet. Find ich gut." Die machen noch was aus ihrem Essen. Dann kam mir die Sache komisch vor, also fragte ich auf Englisch nach. "So, there will be cake, and it is going to burn? Like, he is lighting it on fire right there?" Franzose zuckte mit aufgerissenen Augen mit den Schultern: "Euh...I guess so."

Als wir beim Kollegen ankamen, gewannen wir die Deppenmedaille. Denn natürlich gab es keinen "burning cake". Es gab Flammkuchen. Na ja. Haben wir natürlich niemandem erzählt. Wir sind ja nicht blöd, ne?! Heieiei. Dreisprachige Haushalte haben so ihre ganz eigenen Tücken.

Gut, ich merke gerade, dass die kleine Anekdote dem eigentlichen Lauschangriff den Rang abläuft. Aber das ziehe ich jetzt trotzdem durch. Also zum eigentlichen Lauschangriff.

Der findet heute im Büro statt. Da sitze ich komischerweise mit Leuten, die ernste Dinge tun und in maßgeschneiderten Anzügen aufrecht an ihren Schreibtischen sitzen. Aber so ein paar von denen, die sind lustig. Stellt euch kurz eine Situation vor. Es hatte eine Diskussion gegeben. Da ging es hin und her, Grundlegendes wurde diskutiert. Danach herrschte Stille. Die mit den rollenden Heuballen. Jeder hackelte wieder emsig auf seine Tastatur ein. Dann geht die Tür auf. Einer der Leute ohne maßgeschneiderten Anzug kommt rein, setzt sich auf seinen Stuhl, schaut sich irritiert um. Er war gerade zu Tisch. Ohne jeden Zusammenhang schüttelt er seinen kurzgeschorenen Schopf und sagt: "Also, Leute... Seit ich den Flammkuchen hier esse, habe ich viel volleres Haar!"

Großartig. Beinahe wäre ich unterm Tisch gelandet.

Was gelernt?
Flammkuchen hat Potential.
Und: nicht vom Äußeren aufs Innere schließen, ne? 

Mittwoch, 15. April 2015

Fähre + Möwen + Knabberkram = große Liebe

Liebe Schnitzelfreunde,
merhaba! Ich bin zurück aus Istanbul und hatte eigentlich vor, mit einem großen Abriss des gesamten Urlaubs umme Ecke zu kommen. Tja, eigentlich, hm. Dann sichtete ich meine über 1000 Fotos (öhm, wann genau ist das denn passiert?) und stellte fest: da sind fast überall Möwen drauf! Im Ernst, knapp ein Drittel der Bilder sind blau und bemöwt. Natürlich nicht, weil Istanbul voller Möwen ist. Papperlapapp. Die Stadt ist voller rummelbuntem Lärm, Menschen, Gehupe, es wird gelacht, geredet und überall und immer wieder Tee getrunken. Also voller Dinge, die man sich von einem Urlaubstrip eigentlich nur so wünschen könnte. 

Aber. 


Die Sache hat einen entscheidenden Haken: Man kann dort keine Möwen füttern. Dafür muss man sich von Istanbul wegbewegen. Nur ein kleines bisschen. Gar nicht weit. Und auf die Drei-Wetter-Taft-Frisur scheißen. Das muss man auch. Und zwei klitzekleine Eurostückchen in Form von 6 türkischen Lira, die muss man einer Dame hinter Glas aufs Tellerchen legen. Schon kann's losgehen! Ah, stop. Eins noch. Bissken Schnuckerkram einpacken natürlich. Erdnussflips, Butterkekse, TUC-Cracker, Fladenbrot, Schnittchen, sowas halt. Sonst wird's schwierig. Möwenliebe ist eben leider nicht bedingungslos, dafür aber käuflich. 

So. Und aus genau diesem Grund - dem, dass Möwen zwar nicht in Istanbul, aber zuhauf auf meinen Bildern zu sehen sind - führt heute kein Weg dran vorbei an einem ausschweifend bebilderten Möwenpost. Äh, an meiner textinternen Logik feile ich noch...


Die Fährfahrt fing an wie jede andere auch. Ich kaufte ein Ticket, stolperte an Bord, entschied mich intuitiv für das obere Deck und den Fahrtwind und suchte mir einen Sitzplatz. Dann passierte lange erstmal nichts. Elternzeigefinger deuteten auf Objekte in der Ferne, der Schiffsmotor brummte ab und an auf, wir wippten wie in einer Nussschale, die auf den Wellen tanzt. Ich ließ den Blick schweifen. Ich klickte ein wenig herum. Zeit vertreiben.


Irgendwann legten wir dann endlich ab und tuckerten über den Bosporus. Sonne, Wasser, Wind - ich war selig. Dabei hatte sich noch keine einzige Möwe angemeldet!


Vermutlich wurde auch den übrigen Passagieren die Fahrt ein wenig lang. Das zooog sich aber auch wie Kaugummi hier, Menschenskinderneeneenee. Die Haare flatterten im Fahrtwind. Die Gischt schäumte, so wie sich das gehört. Istanbuls Häuser waren längst nicht mehr zu sehen. Um uns nur noch Blau. So viel davon, dass es schwierig wurde, den Horizont auszumachen. Ich genoss die Fahrt in vollen Zügen. Musste ich ja auch - unterhalten ging nicht.

Dann drehte ich mich für einen Sekundenbruchteil weg, was vermutlich totaler Quatsch ist, und auf einmal sausten ganze Schwärme hungriger, kreischender Möwen hinter der Fähre her und an ihr vorbei und um sie herum. Ich wüsste zu gerne, wer an dem Tag zuerst da war - der geworfene Brotkrumen oder die gelegenheitswitternde Seemöwe.


Eigentlich auch egal. Jetzt war Action angesagt! Die Passagiere teilten sich in drei Grüppchen. Die, die was zu Knabbern dabeihatten, die, die eine Kamera in Händen hielten und die, die keins von beiden, aber trotzdem Spässkes hatten. Plötzlich waren alle auf der Fähre sehr, sehr beschäftigt und sehr, sehr begeistert. Alles Essbare wurde wie im Rausch über Bord geworfen, man feuerte sich gegenseitig an und fütterte die Raubtiere in möglichst fotogenen Posen. Es war herrlich! Je länger man sich kannte, desto mutiger wurde man, sowohl Möwen als auch Menschen. Ich flitzte von einer Ecke in die nächste, bei den Nahaufnahmen streifte oft ein Federnschlag meine Stirn. Das hier war das Geflügelparadies! (Das klingt jetzt arg nach Fleischtheke im Supermarkt, ist aber anders gemeint.)


Ich habe überhaupt keinen Überblick, wie lange das Spektakel gedauert haben könnte. Ich weiß nur, dass ich den ersten Stop der Fähre komplett verpasste und deshalb eben auf einer anderen Insel landete. Die war aber auch sehr schön. Das, was sonst noch so auf der Fähre passierte und was ich unfreiwillig Feines auf der Prinzeninsel Büyükada im Marmarameer getrieben habe, erzähle ich euch ein andermal. Ich muss wohl erst den Möwenrausch ausschlafen... Mein Gott, war das toll.

Was gelernt?
Am Wasser wird man niemals nicht enttäuscht!
Und: Immer, immer Kekse dabeihaben!

Dienstag, 7. April 2015

Ein Schnitzel auf Abwegen [Reise]
Solotrip nach Istanbul - die Vorbereitungen

Warning: This post contains viel zu viel Text.

Liebe Schnitzelfreunde,
das Reisefieber hat mich gepackt. Mal wieder. Fünf Tage Istanbul stehen vor der Tür. Samt Muezzins, Moscheen und Baklava. Ich gehe ganz allein. Juchu! Es ist erst der zweite Solotrip meines Lebens, aber dieser erste, die eine Woche in Barcelona vor drei Jahren, hallt noch immer in mir nach. Sie war komplett abgefahren, ich habe kaum geschlafen, tolle Menschen kennengelernt und bin randvoll mit Lebensfreude und schönen Bildern in Kamera und Kopf zurückgekehrt. Und ein paar neuen Freunden in Argentinien und Irland. Seitdem bin ich angefixt. Alleine reisen ist nicht nur spannend, es krempelt einen sorgfältigst um und schüttelt ordentlich durch. Glücklich macht es auch. Und stark. Und deshalb muss es jetzt wieder sein.

Was bringt es, groß zu tönen, dass Alleinreisende unglaublich viel Mumm in den Knochen haben und mit allen Wassern gewaschen sein sollten. Aber eigentlich stimmt es natürlich und muss doch gesagt werden: Alleinreisender = Superheld! Na gut, den Satz sparen wir uns. Ich wollte mich halt mutig fühlen. Trotzdem. Ihr wisst, was ich meine. Man wirft sich raus in die Welt und darf alle eventuell auftretenden Probleme mal schön selbst lösen. Auch die ergreifenden Momente feiert man zur Abwechslung ausschließlich mit sich und seinen zehn Zehen. Man begegnet den Menschen ganz anders, weil sozialer Kontakt plötzlich rar und deshalb wertvoll ist. Alleine reisen ist irgendwie anders, aber hauptsächlich macht es wahnsinnigen Spaß.



Bevor ich mich wieder in gewohnter Manier in Details verliere und eine ganze Philosophie übers Reisen ersinne, teile ich lieber ein paar Gedanken übers Vorbereiten solcher Alleinreisen mit euch. Heute mal mit ein bisschen Struktur. Ich weiß. Wo soll das enden.



Die Entscheidung ist gefallen. Zumindest die erste von vielen. Ihr wollt euch alleine auf den Weg machen, die Welt zu erobern. Jawoll! Aber in welcher Ecke fangt ihr damit an? Ich begebe mich meist schnurstracks auf die Seiten der Fluggesellschaften, bevor sich in meinem Kopf vollkommen irre Traumziele melden und ich dann feststellen muss, dass der Transport dorthin fest mit einem vorausgegangenen Lottogewinn verknüpft werden sollte. Manches ist einfach saisonbedingt schweineteuer und muss dann nicht sein. Seid also offen in der Zielfindung.

Meine einzigen Bedingungen für den Solotrip waren beispielsweise ein halbwegs angenehmes Klima und ein Ziel, das ich noch nicht kannte und das mich neugierig machte. Nichts Besonderes also. Sonne, neu und interessant. Fast sinnlos, das zu erwähnen. Aber es hält die Erwartungen weit unten und sorgt dafür, dass ihr euch auch auf Vorschläge einlasst, die ihr vorher so gar nicht auf dem Schirm hattet. Wie in meinem Fall eben Istanbul. Außerdem sind niedrige Preise ein unschlagbares Argument und beugen akuter Entscheidungsunfähigkeit bestens vor. Günstig? Interessiert? Und los! Gute Reiseziele für Einzelpersonen sind meiner Meinung nach Hauptstädte, andere große Städte und allgemein Orte, mit denen eine bestimmte Tätigkeit verknüpft ist. Man kann zum Beispiel ganz wunderbar alleine wandern gehen, einen Surfkurs belegen oder einfach bei vielen Spaziergängen durch malerische Gassen seelenruhig bestimmte Fotografiekenntnisse vertiefen.



Der Flug ist gebucht, die Hummeln im Hintern brummen zufrieden eine Oktave tiefer und ihr könnt euch auf die Suche nach einer Unterkunft begeben. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich alleine unterwegs bin, brauche ich einen Ort, der dafür sorgt, dass meine Anonymität auf KEINEN Fall gewahrt wird. Ich will mit Menschen konfrontiert werden. Außer, es geht auf eine Messe oder Ähnliches, auf der man sich tagsüber die Füße plattlatscht und abends im neuen Zuhause eh nur noch apathisch an die Decke starrt und nicht reden möchte, weil der Kopf brummt. So etwas passiert mir aber eher selten bis gar nicht.

Meine Wahl sind also: Hostel, Bed+Breakfast und private Pension. Wer's ganz intim mag, wirft sich natürlich Dank couchsurfing jede Nacht auf ein anderes fremdes Sofa. Ich habe mittlerweile lieber ein richtiges "Hauptquartier", in das ich zurückkehre. Ständiges Ein- und wieder Auspacken stört die Erholung ein wenig. Bei Hostels achte ich darauf, dass sie liebevoll eingerichtet sind. Soweit sich das anhand der Internetbilder beurteilen lässt. Eine nicht allzu karge, schlichte Einrichtung erhöht zwar oft den Preis pro Nacht, gleichzeitig aber auch die Chancen, dass es Gäste beherbergt, die zu dieser Zeit nicht grölend und kichernd über den Flur stolpern. Und kuscheliger ist es dort dann auch. Es fühlt sich eher nach einem Zuhause in der Ferne an als kühle Stockbetten aus Metall, grelle Neonröhren und nackte Wände. 

Wer zwar grundsätzlich Kontakt, gleichzeitig aber auch garantiert ruhige Nächte haben will, kann sich immer noch in eins der seltenen Einzel- oder Doppelzimmer einbuchen. Oder zu dm gehen und bunte Ohrstöpsel kaufen. Manchmal hat es natürlich nichts mehr mit Wollen zu tun. Ich war diesmal einfach zu spontan und deshalb spät dran. Kein Wunder, wenn man erst eine Woche im Voraus beschließt, sich aus dem Staub zu machen. Jetzt sind es also das Achtbettzimmer und die kleinen Gummistopfen für die Lauscher geworden. Passt schon. Und spart Geld. Alles wird gut.




So isses. Ihr habt ein Ziel, ihr habt ein Bett. Das ist beruhigend. Jetzt fehlt euch zum vollkommenen Glück nur noch der richtige Reiseführer. Ich bin früher gerne ohne diese kleinen dicken Begleiter losgezogen, weil ich dachte, man kriegt auch locker nebenbei alles mit, was wichtig ist. Das sehe ich mittlerweile ein bisschen anders. Generell bin ich eher auf Erlebnisse, gute Gespräche und unerwartete Entdeckungen als auf Sightseeing aus. Die kleinen Spaziergänge in fremden Vierteln, zufällige Begegnungen mit Hunden, Katzen, Kindern oder älteren Herrschaften, aber auch wilde Verfolgungsjagden auf geliehenen Fahrrädern, das Umherstrolchen in verlassenen Gebäuden oder sportliche Aktivitäten. Zu viel altes Gemäuer und starre Denkmäler - das macht mich eher fertig. Nee, danke. Aber was, wenn ihr nur ziellos im Gewirr der Gassen umhergeirrt seid und am Ende des Urlaubes merkt, dass ihr eigentlich darauf gehofft hattet, dieses oder jenes zu finden? Oder euch doch ein wenig ärgert, nichts von der Existenz bestimmter Dinge gewusst zu haben. Das ging mir hinterher in Barcelona so. Zum Glück war der Ire gut vorbereitet und schleifte mich noch zu einem Kloster und auf eine Wanderung durch wundersame Felsformationen. Aber man hat ja nicht immer einen Iren vor Ort, nicht wahr? 


Ein Reiseführer ist keine Heilige Schrift, an die man sich klammert. Ihr sollt ja auch nicht mit der Nase im Buch durch Straßen wieseln und so dann doch fast alles verpassen. Man darf ihn sogar über lange Strecken ignorieren und links liegenlassen, aaaaber: es ist so toll ihn zu haben! Für "ach du scheiße, wo sind wir"-Momente genauso wie für "so, morgen regnet's - welche Möglichkeiten ham wer nu?" Und für Alleinreisende ist der Reiseführer einfach ein guter Anker.

Für Istanbul habe ich das Reiseführerregal in der Buchhandlung meines Vertrauens einmal komplett leergeräumt. Und dann einen dicken, hohen Turm gebaut. Nehmt euch Zeit, da richtig reinzulesen. Braucht ihr viele Bilder, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ihr sehen wollt? Braucht ihr viele Hintergrundinformationen, damit euer Interesse geweckt wird? Ist euch wichtig, dass das Büchlein ein paar feste Touren oder Spaziergänge vorschlägt? Das war bei mir diesmal der Fall. Ich bin letztendlich bei "Istanbul mit türkischer Riviera und Kappadokien" von National Geographic gelandet, obwohl ich mir vorgenommen hatte, total cool auszusehen, wenn ich meinen Lonely Planet Istanbul aus der Tasche ziehe und beiläufig die Seiten umblättere, während ich genussvoll in einen Sesamring beiße. Aber beim Durchsehen war mir das dann alles definitiv zu oberflächlich und, ja, da war tatsächlich zu wenig Text. Ich hielt das Fast-Food-Restaurant unter den Reiseführern in Händen und war ganz erstaunt über meine eigene Reaktion. Wollemerned. Weggelegt.

Strebertipp: lest den Schinken echt von vorne bis hinten durch. Da haben sich Menschen Gedanken gemacht. Alles werdet ihr nicht sehen (wollen), aber erst, wenn man viel gelesen hat, fühlen sich getroffene Entscheidungen ganz richtig an. Und dann fliegt ihr los und werft eh alles wieder übern Haufen, weil euch das Reiseziel ungefragt vom Hocker haut und euch zu ganz anderen Dingen verführt als ihr euch vorgenommen hattet. So soll es sein! Nur wer einen Plan hat, kann davon abweichen.



Natürlich habt ihr den Reiseführer auch vier Tage vor Abflug noch immer nicht ganz durchgelesen. Aber gewissenhaft durchgeblättert! Ihr habt eine vage Vorstellung davon, was euch erwartet. Okay, das könnt ihr eurer Oma erzählen, ihr habt keine Ahnung. Im Flughafen, während des Fluges und im Shuttlebus lässt sich das aber auch noch ändern. Keine Panik.



Ideen lassen sich auch anders finden. 

Wozu gibt es das Internet? Ich habe in diesem Internet eigentlich nur zwei Dinge unternommen: die google-Bildersuche aktiviert - schickere Bilder gibt es bei Pinterest oder Flickr - und Reiseberichte auf diversen Blogs gelesen. Die Bildersuche taugt eher zur Einstimmung und vermittelt ein Gefühl dafür, was letztendlich wirklich einen Besuch wert ist. Zusammen mit google maps kann man Entfernungen abschätzen und schonmal gucken, was wo liegt und wie kombiniert werden könnte. Bei 8tracks das passende Mixtape ankurbeln und in die fremde Welt eintauchen. Stundenlang. Eine etwas größere, weil faktisch konkretere Hilfe waren mir die durch meine nicht sehr ausgefallene Suchanfrage "Istanbul Blog" gefundenen Reiseberichte auf Blogs, sowohl von Einwohnern Istanbuls als auch Touristen oder professionellen Reisebloggern. Sehr lange hängengeblieben bin ich bei Jürgen und Mike, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, jeder Stadt, die sie bereisen, ganze 91 Tage lang ihre Aufmerksamkeit zu schenken und daher einen etwas tieferen Einblick in das Istanbuler Leben gewähren. Informative Texte, persönliche Meinungen und hochauflösende Knallerbilder. Und wie so oft findet sich in den Kommentaren unter den einzelnen Posts guter Blogs auch noch der ein oder andere richtig gute Tipp. Eine wirklich brauchbare Sammlung informativer Links findet sich auch bei Zeit Online.

Nachdem ich mich stundenlang durch Berichte gebuddelt habe, steht jetzt eine kleine "Will ich machen!"-Liste.

Sie beinhaltet in lockerer Reihenfolge: einen Besuch in einem echten türkischen Hamam, den Besuch der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, das Schlendern über den Großen Bazaar, eine Bootsfahrt auf dem Bosporus, das Auffuttern eines Makrelenbrötchens für auffe Faust, das Besteigen des Galata-Turms, das Bestaunen und exzessive Knipsen der alten Straßenbahnen auf der Istiklal Caddesi, das Probieren irgendeiner mir gänzlich unbekannten türkischen Leckerei, eine Stippvisite auf der asiatischen Seite der Stadt, den Besuch des Istanbul Modern und ellenlange Schlenderspaziergänge ohne Eile.

Nutzt vor allem die Reiseberichte im Netz für kleine, besondere Tipps. Ich werde beispielsweise Dank Jürgen und Mike versuchen, den Galata-Turm pünktlich zum Sonnenuntergang zu besteigen. Der Himmel wird sich dramatisch verfärben und die Rufe des Muezzins werden einen eindrucksvollen Klangteppich über die Dächer der Stadt legen. Ich werde Gänsehaut am ganzen Körper haben. Na ja, oder vielleicht regnet es auch und ist neblig und der Herr Muezzin verpasst seinen Einsatz. Wir schaun einfach mal!




Das Inselhopping knüpft nahtlos ans vorhergegangene Fine-tuning an. Da ich alleine unterwegs sein werde und wenigstens ein winziges bisschen Struktur in den Miniurlaub bringen möchte, habe ich mir zu Anfang zwei Punkte von der Liste geschnappt, für die ich wirklich brenne. Fixpunkte vereinbaren nährt eure Vorfreude und gibt euch das Gefühl, ein paar echte Verabredungen zu haben. Ich werde nicht nach Hause fliegen, ohne nackt im Hamam von einer wildfremden Frau abgeschrubbt worden zu sein und ich werde auch nicht gehen, ohne Istanbul vom Bötchen aus betrachtet zu haben. 

Macht euch schlau, bucht Tickets, informiert euch über Öffnungszeiten sowie Ruhetage uuund ab die Post. Ihr habt zwei Dates mit Istanbul.

Eigentlich sollten Hamam und Bootsfahrt schön auf den Urlaub verteilt werden. Vier ganze Tage Urlaub, jeden zweiten davon ein schickes Vorhaben. Dann aber entdeckte ich Circle Istanbul und verliebte mich spontan. Gleich am ersten Morgen in der fremden Stadt mache ich nun also zum ersten Mal eine - anscheinend recht ungewöhnliche - Stadtführung mit. Achtung, Zeitverschiebung! Sonst kommt ihr eine Stunde zu spät. Ich kann Stadtführungen echt nicht ausstehen und bin deshalb sehr gespannt! Die Führung beinhaltet natürlich eine Bootsfahrt und einen Besuch im Hamam. Weil ich clever bin. Zack, Pläne übern Haufen geworfen. Wenn ich eins kann, dann das. Und sie dauert komplett wahnsinnige 13 Stunden. Danach können mich alle Fixpunkte dieser Welt mal gernhaben. Ich werde berichten.



Seid ihr noch da? Unfassbar. Gleich ist es geschafft, ich schwöre. Nur noch ein paar kleine Gedanken, die in keine der oben aufgeführten Kategorien passen, und ihr könnt euch wieder hinlegen.

Abendgestaltung. Ihr könnt euch früh aufs Ohr hauen, weil ihr am nächsten Morgen als Erste senkrecht an der Blauen Moschee stehen wollt, um die kilometerlange Schlange zu vermeiden. Ihr könnt es aber auch gemütlicher angehen lassen und habt vielleicht Lust auf Gesellschaft. In Barcelona gab es eine Art Wohnzimmer im Hostel, in das ich mich einfach mit einem Buch setzte und ab und zu lächelnd aufsah, wenn Gespräche aufkamen. Eigentlich war es das auch schon. So habe ich tolle Leute kennengelernt. Oder ihr sprecht jemanden an, der auch alleine unterwegs ist und fragt, ob ein gemeinsames Abendessen nach einer guten Idee klingt. Oder ein Glas Wein. Mutig sein. Hier kennt euch eh keiner. Kino ist auch drin! Im April findet das Istanbuler Filmfest statt. Dieses Jahr vom 4.-19. April. Mehr Infos hier.

Essen. Frühstück gibt es häufig im Hostel. Mittagessen oft unterwegs. Und abends, tjaaa, da überlegt man sich was. Entweder, ihr habt euch morgens schon verabredet, ihr schlendert wie auch mittags schon irgendwohin, wo es was auf die Hand gibt, ihr könnt im Hostel selbst was zusammenbrauen oder ihr katapultiert euch eigenhändig in die Königsklasse der Alleinreisenden: mit einem Restaurantbesuch. Ein Tisch für eine Person, bitte, danke. Natürlich sind Burger vom großen goldenen M eine Lösung, aber keine gute! Ich rede von richtigen Restaurants. Ihr seid allein, aber das heißt nicht, dass das geile Essen nicht trotzdem geil schmeckt.

Umherstreunen. Eine gute Sache. Noch besser wird es, wenn ihr euch und eurer Kamera eine Aufgabe stellt, die ihr so behandelt wie einen bezahlten Auftrag. Ihr robbt am Boden herum, um Katzen aus der Froschperspektive zu knipsen und werdet schief angeguckt? Nicht eure Schuld, der Boss will es so! Ihr sprecht wildfremde Leute an und bittet um ein Portrait? Weil das auf der To-Do-Liste steht! Ihr fotografiert nichts, was nicht blau, grün oder türkis ist? Muss, sonst platzt doch der Auftrag! Zu Anfang fühlt ihr euch bescheuert, dann werdet ihr mutig und ungewohnt erfinderisch, dann seid ihr kaum noch zu stoppen und dann, dann machen plötzlich auch noch andere Leute mit. Im besten Fall. Ja, diese Dinge geschehen!



Und jetzt nehme ich die Beine in die Hand, schnappe mir meine Kamera, ein Buch, ein bisschen tragbare Musik und stürze mich mitten rein ins unbekannte Istanbul! Bis bald, ihr Lieben!


Was gelernt?
 Vorbereiten geht ja wohl.