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Montag, 24. August 2015

Smartphone an Schnitzel: Benutz mich!
Oder: Bin ich jetzt hip?

Liebe Schnitzelfreunde,
seit geschlagenen zwei Wochen hab ich so'n neumodisches Ding. Ein Smartphone. Von Mama. Die ist nämlich irgendwie cooler und fortschrittlicher als ich. Und weil sie mich lieb hat und möchte, dass ich der Zeit nicht soooo arg hinterherhinke und deshalb von den anderen Kindern ausgelacht werde, darf ich ihre alten Sachen auftragen. 

Total nett, meine Mama. Wirklich. 

Hallo, Mutti! (Glaubt jetzt nicht, dass ich wirklich Mutti zu ihr sage. Obwohl man damit ja mal anfangen könnte. Leute ohne Ahnung von Smartphones sagen auch mal Mutti.)

Das Smartphone ist von Aldi. Also richtig hip. So ein kluges tragbares Telefon mit übergroßem Bildschirm und schlechter Kamera, wie es die riesengroße Mehrheit von euch bestimmt seit Jahrhunderten besitzt. Nur eben mit guter Kamera. Und wahrscheinlich nicht von Aldi.


Mama hatte sich die Discounter-Version angeschafft, weil sie nicht ganz sicher war, ob das was werden würde. Mit ihr und dem Smartphone. Tja. Was soll ich sagen. Mittlerweile schickt sie Bildnachrichten durch die Weltgeschichte - zuletzt an meinen Bruder nach Australien - und hat mit ihren Kolleginnen eine Whatsapp-Gruppe gegründet, die rege genutzt wird. Zeit für ein Upgrade. Das alte Teil kann an die Oldschool-Tochter abgetreten werden.

Und ganz ehrlich - kann man sich gegen Geschenke von Mamas wehren? Nein, kann man nicht. Die nimmt man an.

Ich gehöre jetzt also zur Instagram(mit einem oder zwei m?)-fähigen Gesellschaftsschicht. Also, zumindest theoretisch. Denn eigentlich liegt mein Smartphone seit Tag 1, an dem ich es noch brav aufgeladen habe, nur in der oberen linken Ecke meines Schreibtisches und regt sich nicht. Es wartet geduldig auf seinen Einsatz. Joah. Also, wenn ich eins hab, dann Geduld und gutes Sitzfleisch. Und Skepsis. Gegenüber neumodischem Zeuchs.

Ja. Staub. Ne ganze Menge davon. Da muss mal jemand wischen.

Ob der Akku wohl noch voll ist? - Ah. Nein, ist er nicht.

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Gut. Ich habe den Post eine Weile ruhen lassen. Das Smartphone auch. Das ruht ja eh, seit ich es habe. Still und starr, wie der See aus dem Lied. Hin und wieder habe ich aber mal nachgesehen, ob es ihm auch gut geht. Verbunden mit ehrlichem Interesse. Ich habe es gedreht und gewendet und weiß jetzt, dass man links die Lautstärke regeln kann. Das ist schön. Und gestern gab es außerdem einen echten Annäherungsversuch. So richtig mit Einschalten und Anfassen.


Noch ist mir nicht ganz klar, warum alle so auf Smartphones stehen. Dieses ganze Geschiebe und Gewische. Ich glaube, ich drücke lieber Tasten und Knöpfe. Die dürfen dann auch klicken oder tuten. Aber gut, aller Anfang ist schwer, nech?

Franzose lag neben mir auf unserem Couch-Ersatzding und beäugte meine zarten Anbandelungsversuche sichtlich amüsiert. Nach wenigen Minuten gab es den ersten Kommentar in Richtung "Das wird eine lange, schwierige Phase." Keine Ahnung, was er damit meint. Ich habe jedenfalls aus Versehen einen Instagram-Account erstellt, obwohl ich eigentlich nur diese typisch quadratischen Fotos machen wollte, die man ja eifrig mit Filtern totwirft, damit alles schön aussieht. Nachts um 23 Uhr habe ich probehalber ein Foto vom aktuellen Blumenstrauß auf dem Wohnzimmertisch gemacht, um zu prüfen, wie das in quadratisch aussieht. Mit Blitz. Alles total überbeleuchtet. Wo finde ich jetzt den Filter, der das wieder hinbiegt?

Manchmal komme ich mir vor wie ein Alien. Fühlt sich aber okay an.

Neues Mantra: Man darf sich dem Fortschritt nicht verstellen.

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Tjaaaaa. Wieder sind ein paar Wochen rum. Ab und zu staube ich mein Smartphone ein wenig ab. Hinterher sieht es noch so aus, als würde ich mich nicht darum kümmern. Dabei schaue ich manchmal sogar ins Aldi-Prospekt und beäuge die Smartphone-Tarife mit den super-günstigen Paketen samt High Speed Internet und toller Flatrate. Dann blättere ich meist schnell weiter zu den Seiten mit den italienischen Wochen und kreuze Cantuccini sowie faszinierende Conchiglie-Muschelnudelmischungen an, weil Nudeln mit Kurkuma, Spinat, Roter Bete und schwarzer Karotte einfacher zu handhaben sind als Smartphones und Filter für quadratische Bilder. Zumindest bisher.

    
Ich kann mich jetzt nicht mit neumodischem Schnickschnack befassen - mein Leben ist gerade komplex genug.

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Habe gerade heimlich das Ding eingeschaltet und einfach so aus Spaß ein bisschen drauf herumgewischt. Hab den richtigen Schwung gefunden. Ob ich wohl mal den Gang zu Aldi wage und einfach loslege? Die Zeit ist reif. 

Okay, überreif.

Jaaaaaa, mensch...

In knapp fünf Monaten geht es nach Chile. Die Flüge sind gebucht. Bis dahin bekommt man das wohl hin, diese ganze Angelegenheit mit dem Gewische, dem Quadratisieren und Filterfummeln.

Und ganz ehrlich: Da stecken irre Möglichkeiten hinter. (Oder? Hört man halt so.) Ein ganzes Universum passt in so ein kleines flaches Smartphone. Mein Gott. Ich kling wie meine eigene Omma. Am besten führen wir das mit der Postkutsche wieder ein und alles wird gut. Ich halte euch auf dem Laufenden. Meine ersten quadratischen Superfilterfotos werden natürlich exklusiv hier auf diesem Blog veröffentlicht. Ihr habt doch noch ein paar Monate Geduld, ne?


Was gelernt?
Nicht immer logisch, was man so tut. Oder nicht tut. 
Aber diesen Instagram(m?)-Account, also, 
den lass ich mal sein. Vorerst.
Und: Hip geht anders.

Dienstag, 7. April 2015

Ein Schnitzel auf Abwegen [Reise]
Solotrip nach Istanbul - die Vorbereitungen

Warning: This post contains viel zu viel Text.

Liebe Schnitzelfreunde,
das Reisefieber hat mich gepackt. Mal wieder. Fünf Tage Istanbul stehen vor der Tür. Samt Muezzins, Moscheen und Baklava. Ich gehe ganz allein. Juchu! Es ist erst der zweite Solotrip meines Lebens, aber dieser erste, die eine Woche in Barcelona vor drei Jahren, hallt noch immer in mir nach. Sie war komplett abgefahren, ich habe kaum geschlafen, tolle Menschen kennengelernt und bin randvoll mit Lebensfreude und schönen Bildern in Kamera und Kopf zurückgekehrt. Und ein paar neuen Freunden in Argentinien und Irland. Seitdem bin ich angefixt. Alleine reisen ist nicht nur spannend, es krempelt einen sorgfältigst um und schüttelt ordentlich durch. Glücklich macht es auch. Und stark. Und deshalb muss es jetzt wieder sein.

Was bringt es, groß zu tönen, dass Alleinreisende unglaublich viel Mumm in den Knochen haben und mit allen Wassern gewaschen sein sollten. Aber eigentlich stimmt es natürlich und muss doch gesagt werden: Alleinreisender = Superheld! Na gut, den Satz sparen wir uns. Ich wollte mich halt mutig fühlen. Trotzdem. Ihr wisst, was ich meine. Man wirft sich raus in die Welt und darf alle eventuell auftretenden Probleme mal schön selbst lösen. Auch die ergreifenden Momente feiert man zur Abwechslung ausschließlich mit sich und seinen zehn Zehen. Man begegnet den Menschen ganz anders, weil sozialer Kontakt plötzlich rar und deshalb wertvoll ist. Alleine reisen ist irgendwie anders, aber hauptsächlich macht es wahnsinnigen Spaß.



Bevor ich mich wieder in gewohnter Manier in Details verliere und eine ganze Philosophie übers Reisen ersinne, teile ich lieber ein paar Gedanken übers Vorbereiten solcher Alleinreisen mit euch. Heute mal mit ein bisschen Struktur. Ich weiß. Wo soll das enden.



Die Entscheidung ist gefallen. Zumindest die erste von vielen. Ihr wollt euch alleine auf den Weg machen, die Welt zu erobern. Jawoll! Aber in welcher Ecke fangt ihr damit an? Ich begebe mich meist schnurstracks auf die Seiten der Fluggesellschaften, bevor sich in meinem Kopf vollkommen irre Traumziele melden und ich dann feststellen muss, dass der Transport dorthin fest mit einem vorausgegangenen Lottogewinn verknüpft werden sollte. Manches ist einfach saisonbedingt schweineteuer und muss dann nicht sein. Seid also offen in der Zielfindung.

Meine einzigen Bedingungen für den Solotrip waren beispielsweise ein halbwegs angenehmes Klima und ein Ziel, das ich noch nicht kannte und das mich neugierig machte. Nichts Besonderes also. Sonne, neu und interessant. Fast sinnlos, das zu erwähnen. Aber es hält die Erwartungen weit unten und sorgt dafür, dass ihr euch auch auf Vorschläge einlasst, die ihr vorher so gar nicht auf dem Schirm hattet. Wie in meinem Fall eben Istanbul. Außerdem sind niedrige Preise ein unschlagbares Argument und beugen akuter Entscheidungsunfähigkeit bestens vor. Günstig? Interessiert? Und los! Gute Reiseziele für Einzelpersonen sind meiner Meinung nach Hauptstädte, andere große Städte und allgemein Orte, mit denen eine bestimmte Tätigkeit verknüpft ist. Man kann zum Beispiel ganz wunderbar alleine wandern gehen, einen Surfkurs belegen oder einfach bei vielen Spaziergängen durch malerische Gassen seelenruhig bestimmte Fotografiekenntnisse vertiefen.



Der Flug ist gebucht, die Hummeln im Hintern brummen zufrieden eine Oktave tiefer und ihr könnt euch auf die Suche nach einer Unterkunft begeben. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich alleine unterwegs bin, brauche ich einen Ort, der dafür sorgt, dass meine Anonymität auf KEINEN Fall gewahrt wird. Ich will mit Menschen konfrontiert werden. Außer, es geht auf eine Messe oder Ähnliches, auf der man sich tagsüber die Füße plattlatscht und abends im neuen Zuhause eh nur noch apathisch an die Decke starrt und nicht reden möchte, weil der Kopf brummt. So etwas passiert mir aber eher selten bis gar nicht.

Meine Wahl sind also: Hostel, Bed+Breakfast und private Pension. Wer's ganz intim mag, wirft sich natürlich Dank couchsurfing jede Nacht auf ein anderes fremdes Sofa. Ich habe mittlerweile lieber ein richtiges "Hauptquartier", in das ich zurückkehre. Ständiges Ein- und wieder Auspacken stört die Erholung ein wenig. Bei Hostels achte ich darauf, dass sie liebevoll eingerichtet sind. Soweit sich das anhand der Internetbilder beurteilen lässt. Eine nicht allzu karge, schlichte Einrichtung erhöht zwar oft den Preis pro Nacht, gleichzeitig aber auch die Chancen, dass es Gäste beherbergt, die zu dieser Zeit nicht grölend und kichernd über den Flur stolpern. Und kuscheliger ist es dort dann auch. Es fühlt sich eher nach einem Zuhause in der Ferne an als kühle Stockbetten aus Metall, grelle Neonröhren und nackte Wände. 

Wer zwar grundsätzlich Kontakt, gleichzeitig aber auch garantiert ruhige Nächte haben will, kann sich immer noch in eins der seltenen Einzel- oder Doppelzimmer einbuchen. Oder zu dm gehen und bunte Ohrstöpsel kaufen. Manchmal hat es natürlich nichts mehr mit Wollen zu tun. Ich war diesmal einfach zu spontan und deshalb spät dran. Kein Wunder, wenn man erst eine Woche im Voraus beschließt, sich aus dem Staub zu machen. Jetzt sind es also das Achtbettzimmer und die kleinen Gummistopfen für die Lauscher geworden. Passt schon. Und spart Geld. Alles wird gut.




So isses. Ihr habt ein Ziel, ihr habt ein Bett. Das ist beruhigend. Jetzt fehlt euch zum vollkommenen Glück nur noch der richtige Reiseführer. Ich bin früher gerne ohne diese kleinen dicken Begleiter losgezogen, weil ich dachte, man kriegt auch locker nebenbei alles mit, was wichtig ist. Das sehe ich mittlerweile ein bisschen anders. Generell bin ich eher auf Erlebnisse, gute Gespräche und unerwartete Entdeckungen als auf Sightseeing aus. Die kleinen Spaziergänge in fremden Vierteln, zufällige Begegnungen mit Hunden, Katzen, Kindern oder älteren Herrschaften, aber auch wilde Verfolgungsjagden auf geliehenen Fahrrädern, das Umherstrolchen in verlassenen Gebäuden oder sportliche Aktivitäten. Zu viel altes Gemäuer und starre Denkmäler - das macht mich eher fertig. Nee, danke. Aber was, wenn ihr nur ziellos im Gewirr der Gassen umhergeirrt seid und am Ende des Urlaubes merkt, dass ihr eigentlich darauf gehofft hattet, dieses oder jenes zu finden? Oder euch doch ein wenig ärgert, nichts von der Existenz bestimmter Dinge gewusst zu haben. Das ging mir hinterher in Barcelona so. Zum Glück war der Ire gut vorbereitet und schleifte mich noch zu einem Kloster und auf eine Wanderung durch wundersame Felsformationen. Aber man hat ja nicht immer einen Iren vor Ort, nicht wahr? 


Ein Reiseführer ist keine Heilige Schrift, an die man sich klammert. Ihr sollt ja auch nicht mit der Nase im Buch durch Straßen wieseln und so dann doch fast alles verpassen. Man darf ihn sogar über lange Strecken ignorieren und links liegenlassen, aaaaber: es ist so toll ihn zu haben! Für "ach du scheiße, wo sind wir"-Momente genauso wie für "so, morgen regnet's - welche Möglichkeiten ham wer nu?" Und für Alleinreisende ist der Reiseführer einfach ein guter Anker.

Für Istanbul habe ich das Reiseführerregal in der Buchhandlung meines Vertrauens einmal komplett leergeräumt. Und dann einen dicken, hohen Turm gebaut. Nehmt euch Zeit, da richtig reinzulesen. Braucht ihr viele Bilder, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ihr sehen wollt? Braucht ihr viele Hintergrundinformationen, damit euer Interesse geweckt wird? Ist euch wichtig, dass das Büchlein ein paar feste Touren oder Spaziergänge vorschlägt? Das war bei mir diesmal der Fall. Ich bin letztendlich bei "Istanbul mit türkischer Riviera und Kappadokien" von National Geographic gelandet, obwohl ich mir vorgenommen hatte, total cool auszusehen, wenn ich meinen Lonely Planet Istanbul aus der Tasche ziehe und beiläufig die Seiten umblättere, während ich genussvoll in einen Sesamring beiße. Aber beim Durchsehen war mir das dann alles definitiv zu oberflächlich und, ja, da war tatsächlich zu wenig Text. Ich hielt das Fast-Food-Restaurant unter den Reiseführern in Händen und war ganz erstaunt über meine eigene Reaktion. Wollemerned. Weggelegt.

Strebertipp: lest den Schinken echt von vorne bis hinten durch. Da haben sich Menschen Gedanken gemacht. Alles werdet ihr nicht sehen (wollen), aber erst, wenn man viel gelesen hat, fühlen sich getroffene Entscheidungen ganz richtig an. Und dann fliegt ihr los und werft eh alles wieder übern Haufen, weil euch das Reiseziel ungefragt vom Hocker haut und euch zu ganz anderen Dingen verführt als ihr euch vorgenommen hattet. So soll es sein! Nur wer einen Plan hat, kann davon abweichen.



Natürlich habt ihr den Reiseführer auch vier Tage vor Abflug noch immer nicht ganz durchgelesen. Aber gewissenhaft durchgeblättert! Ihr habt eine vage Vorstellung davon, was euch erwartet. Okay, das könnt ihr eurer Oma erzählen, ihr habt keine Ahnung. Im Flughafen, während des Fluges und im Shuttlebus lässt sich das aber auch noch ändern. Keine Panik.



Ideen lassen sich auch anders finden. 

Wozu gibt es das Internet? Ich habe in diesem Internet eigentlich nur zwei Dinge unternommen: die google-Bildersuche aktiviert - schickere Bilder gibt es bei Pinterest oder Flickr - und Reiseberichte auf diversen Blogs gelesen. Die Bildersuche taugt eher zur Einstimmung und vermittelt ein Gefühl dafür, was letztendlich wirklich einen Besuch wert ist. Zusammen mit google maps kann man Entfernungen abschätzen und schonmal gucken, was wo liegt und wie kombiniert werden könnte. Bei 8tracks das passende Mixtape ankurbeln und in die fremde Welt eintauchen. Stundenlang. Eine etwas größere, weil faktisch konkretere Hilfe waren mir die durch meine nicht sehr ausgefallene Suchanfrage "Istanbul Blog" gefundenen Reiseberichte auf Blogs, sowohl von Einwohnern Istanbuls als auch Touristen oder professionellen Reisebloggern. Sehr lange hängengeblieben bin ich bei Jürgen und Mike, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, jeder Stadt, die sie bereisen, ganze 91 Tage lang ihre Aufmerksamkeit zu schenken und daher einen etwas tieferen Einblick in das Istanbuler Leben gewähren. Informative Texte, persönliche Meinungen und hochauflösende Knallerbilder. Und wie so oft findet sich in den Kommentaren unter den einzelnen Posts guter Blogs auch noch der ein oder andere richtig gute Tipp. Eine wirklich brauchbare Sammlung informativer Links findet sich auch bei Zeit Online.

Nachdem ich mich stundenlang durch Berichte gebuddelt habe, steht jetzt eine kleine "Will ich machen!"-Liste.

Sie beinhaltet in lockerer Reihenfolge: einen Besuch in einem echten türkischen Hamam, den Besuch der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, das Schlendern über den Großen Bazaar, eine Bootsfahrt auf dem Bosporus, das Auffuttern eines Makrelenbrötchens für auffe Faust, das Besteigen des Galata-Turms, das Bestaunen und exzessive Knipsen der alten Straßenbahnen auf der Istiklal Caddesi, das Probieren irgendeiner mir gänzlich unbekannten türkischen Leckerei, eine Stippvisite auf der asiatischen Seite der Stadt, den Besuch des Istanbul Modern und ellenlange Schlenderspaziergänge ohne Eile.

Nutzt vor allem die Reiseberichte im Netz für kleine, besondere Tipps. Ich werde beispielsweise Dank Jürgen und Mike versuchen, den Galata-Turm pünktlich zum Sonnenuntergang zu besteigen. Der Himmel wird sich dramatisch verfärben und die Rufe des Muezzins werden einen eindrucksvollen Klangteppich über die Dächer der Stadt legen. Ich werde Gänsehaut am ganzen Körper haben. Na ja, oder vielleicht regnet es auch und ist neblig und der Herr Muezzin verpasst seinen Einsatz. Wir schaun einfach mal!




Das Inselhopping knüpft nahtlos ans vorhergegangene Fine-tuning an. Da ich alleine unterwegs sein werde und wenigstens ein winziges bisschen Struktur in den Miniurlaub bringen möchte, habe ich mir zu Anfang zwei Punkte von der Liste geschnappt, für die ich wirklich brenne. Fixpunkte vereinbaren nährt eure Vorfreude und gibt euch das Gefühl, ein paar echte Verabredungen zu haben. Ich werde nicht nach Hause fliegen, ohne nackt im Hamam von einer wildfremden Frau abgeschrubbt worden zu sein und ich werde auch nicht gehen, ohne Istanbul vom Bötchen aus betrachtet zu haben. 

Macht euch schlau, bucht Tickets, informiert euch über Öffnungszeiten sowie Ruhetage uuund ab die Post. Ihr habt zwei Dates mit Istanbul.

Eigentlich sollten Hamam und Bootsfahrt schön auf den Urlaub verteilt werden. Vier ganze Tage Urlaub, jeden zweiten davon ein schickes Vorhaben. Dann aber entdeckte ich Circle Istanbul und verliebte mich spontan. Gleich am ersten Morgen in der fremden Stadt mache ich nun also zum ersten Mal eine - anscheinend recht ungewöhnliche - Stadtführung mit. Achtung, Zeitverschiebung! Sonst kommt ihr eine Stunde zu spät. Ich kann Stadtführungen echt nicht ausstehen und bin deshalb sehr gespannt! Die Führung beinhaltet natürlich eine Bootsfahrt und einen Besuch im Hamam. Weil ich clever bin. Zack, Pläne übern Haufen geworfen. Wenn ich eins kann, dann das. Und sie dauert komplett wahnsinnige 13 Stunden. Danach können mich alle Fixpunkte dieser Welt mal gernhaben. Ich werde berichten.



Seid ihr noch da? Unfassbar. Gleich ist es geschafft, ich schwöre. Nur noch ein paar kleine Gedanken, die in keine der oben aufgeführten Kategorien passen, und ihr könnt euch wieder hinlegen.

Abendgestaltung. Ihr könnt euch früh aufs Ohr hauen, weil ihr am nächsten Morgen als Erste senkrecht an der Blauen Moschee stehen wollt, um die kilometerlange Schlange zu vermeiden. Ihr könnt es aber auch gemütlicher angehen lassen und habt vielleicht Lust auf Gesellschaft. In Barcelona gab es eine Art Wohnzimmer im Hostel, in das ich mich einfach mit einem Buch setzte und ab und zu lächelnd aufsah, wenn Gespräche aufkamen. Eigentlich war es das auch schon. So habe ich tolle Leute kennengelernt. Oder ihr sprecht jemanden an, der auch alleine unterwegs ist und fragt, ob ein gemeinsames Abendessen nach einer guten Idee klingt. Oder ein Glas Wein. Mutig sein. Hier kennt euch eh keiner. Kino ist auch drin! Im April findet das Istanbuler Filmfest statt. Dieses Jahr vom 4.-19. April. Mehr Infos hier.

Essen. Frühstück gibt es häufig im Hostel. Mittagessen oft unterwegs. Und abends, tjaaa, da überlegt man sich was. Entweder, ihr habt euch morgens schon verabredet, ihr schlendert wie auch mittags schon irgendwohin, wo es was auf die Hand gibt, ihr könnt im Hostel selbst was zusammenbrauen oder ihr katapultiert euch eigenhändig in die Königsklasse der Alleinreisenden: mit einem Restaurantbesuch. Ein Tisch für eine Person, bitte, danke. Natürlich sind Burger vom großen goldenen M eine Lösung, aber keine gute! Ich rede von richtigen Restaurants. Ihr seid allein, aber das heißt nicht, dass das geile Essen nicht trotzdem geil schmeckt.

Umherstreunen. Eine gute Sache. Noch besser wird es, wenn ihr euch und eurer Kamera eine Aufgabe stellt, die ihr so behandelt wie einen bezahlten Auftrag. Ihr robbt am Boden herum, um Katzen aus der Froschperspektive zu knipsen und werdet schief angeguckt? Nicht eure Schuld, der Boss will es so! Ihr sprecht wildfremde Leute an und bittet um ein Portrait? Weil das auf der To-Do-Liste steht! Ihr fotografiert nichts, was nicht blau, grün oder türkis ist? Muss, sonst platzt doch der Auftrag! Zu Anfang fühlt ihr euch bescheuert, dann werdet ihr mutig und ungewohnt erfinderisch, dann seid ihr kaum noch zu stoppen und dann, dann machen plötzlich auch noch andere Leute mit. Im besten Fall. Ja, diese Dinge geschehen!



Und jetzt nehme ich die Beine in die Hand, schnappe mir meine Kamera, ein Buch, ein bisschen tragbare Musik und stürze mich mitten rein ins unbekannte Istanbul! Bis bald, ihr Lieben!


Was gelernt?
 Vorbereiten geht ja wohl.

Donnerstag, 2. April 2015

Do it doch einfach yourself.
Knacki-Eier oder was davon übrig blieb

Liebe Schnitzelfreunde,
Menschen, die von Virusinfektionen niedergestreckt wurden, können nicht mehr ganz so klar denken. Die ein oder andere Synapse ist dann einfach auch betroffen, und es kann dann wirklich niemand etwas dafür. Es geschehen seltsame Dinge. Von ganz allein. Und das ist okay. Ehrlich. Das schonmal als Warnung vorab. Oder wie erklärt ihr euch folgende superkreative Oster-GAU-Kreation?


Ja, schön is anders. Weiß ich doch. Aber irgendwie finde ich es trotzdem super! (Bin noch krank - ihr versteht.) Und jahreszeitlich passend angehaucht ist es auch. Der ein oder andere mag angesichts dieser Skulptur etwas verhalten reagieren und sich nicht sicher sein, was er davon halten soll. Sehr okay. Wirklich. Nicht ihr seid das Problem. Ich eventuell auch nicht. Wir schieben es auf Unstimmigkeiten im Raum-Zeit-Kontinuum, wedeln affektiert mit den Händen und... Passt auf, das war so:

Die meisten Dinge kann man ja zum Glück erklären.

Ostern kündigte sich also an. Eier. Wir brauchen mehr Eier! Seit zwei Wochen rannte ich herum und dachte nur noch an Eier. Vor allem an Dekorationsmöglichkeiten, am liebsten ausgefallen, ein bisschen beknackt und leicht umzusetzen. Serviettentechnik? Blattgold? Washi-Tape? Supermarkteiermalfarbe? Nein, nein und nochmals nein. Das war es alles nicht. Im Kopf wurden Möglichkeiten gewälzt, bis mein Hirn verknotete und verknautschte. Dann wachte ich eines Morgens auf und dachte "Knast-Eier!", was an sich auch schon etwas seltsam ist. 


Das Etikettiergerät lief heiß. Ich wollte Knackis, internationale, gesetzeswidrig handelnde Hühnereier. Mit Stoppelbart, Zahnlücke und Streifenhemd. Hinter schwedischen Gardinen. 

Das zweite Ei von links ist übrigens Franzose. Leider gab das Etikettiergerät keine französischen Sonderzeichen wie das hier benötigte "œ" her. Aber selbst ist die Frau. Man muss sich ja nur zu helfen wissen.


Wie es der Zufall so wollte, bekam Franzose (nicht das Ei) am Tag vor dem Shooting plötzlich einen unstillbaren Heißhunger auf Spiegeleier. Die süße Schaumgummiversion vom Büdchen. Sollte das Büdchen/die Bude/der Kiosk als Institution übrigens eines Tages von der Bildfläche verschwinden, werde ich mir voraussichtlich wochenlang unentwegt die Nase schneuzen und Trauer tragen. Mit Schleierhütchen, Grabesmine und langen schwarzen Satinhandschuhen. So viele Kindheitserinnerungen voller gemischter Tüten für eine Mark und Salmiakkugeln, die sich kaum in die Backenräume zwängen ließen...

Auf einem nächtlichen Spaziergang schlenderten wir also auf ein Büdchen im Viertel zu - "we need to support the local businesses" - und fühlten uns wieder wie Grundschüler. Außerdem fügte sich das Schaumzeugs wunderbar ins Konzept. Essen war leider nicht drin.

Am kommenden Morgen ging es ans Werk. Der Karton wurde besprüht, die Eier angepiekst und mit knallroter Birne ausgepustet. An seiner Reaktion ließ sich ablesen, dass man das in Frankreich anscheinend nicht macht. Oder eleganter dabei aussieht. Ich etikettierte die Eier, setze sie in den schwarzen Bunker und flitzte hin und her, weil doch die Gitterstäbe noch fehlten. In der Schublade fanden sich Bambusstöckchen. Leider ließ der Kartonbunker jedoch nicht zu, dass man ihn piercte, obwohl das schön gewesen wäre.


Die vielen McGyver-Folgen aus den Achtzigern und Neunzigern zahlten sich endlich aus. Eine Art Steckmoos musste her. Ich würde meinen Lesern lediglich die Illusion eines Eierbunkers verkaufen! Genial. Mein Blick fiel auf den zuvor gebackenen Hefezopf. Bing! Den Rest könnt ihr euch denken. Irgendwo in dieser Geschichte wurde ich außerdem noch lauthals ausgelacht und disponierte daraufhin zähneknirschend um. Pff. Das wird nicht mein letzter Versuch gewesen sein.

 Was gelernt?
McGyver ist nicht umsonst nie mit einer Scheibe Weißbrot 
in den Händen zu sehen gewesen.

Sonntag, 22. März 2015

Das ist keine Stulle, das ist Bruschetta!
Born to be a food stylist. Not.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich wär so gerne Foodphotograph. Oder auch Foodfotograf. ...und da hätten wir dann auch schon die erste von mehreren Hürden, obwohl noch nix gewesen ist. Wie schreibt man's denn? Jemand, der Essen knipst. Und es schmackhafter aussehen lassen kann als es vielleicht ist. Der mit seinen zahlreichen Foodfotografenfreunden (!) jeden Samstagmittag mit lässig umgebundener Schürze an der Kochinsel mit Induktionsherdplatte lehnt, die Lippen beim Weißweintesten schürzt und vorm geselligen Beisammensitzen mit Kerzenschein noch, ach, eine Sekunde nur, jetzt ist doch goldene Stunde, ihr Lieben, das grad gezauberte 3-Gänge-Menü mit oder ohne Reflektor ablichtet, ohne hinzuschauen, denn die Fotos werden eh der Wahnsinn, wir haben doch Talent, und Photoshop, das haben wir auch. Da wird leidenschaftlich gebacken und gekocht, mit Fachwissen um sich geworfen, dann fein angerichtet, auf stets angesagtem Geschirr und Gedöns, irgendjemand wirft aus unerfindlichen Gründen und auch locker-flockig aus dem Handgelenk noch mit rosa Pfefferkörnern und Pistazienschalen um sich, weil es die Bildkomposition so herrlich auflockert, und schon ist die Welt ein besserer Ort. Zack.

Na ja, oder so ähnlich.

Ist euch auch aufgefallen, dass oft vollkommen absurde Klamotten um das Hauptgericht herumlungern, die überhaupt keinen Bezug zum Rezept haben? Das ist eine tolle Sache! Denn niemand beschwert sich darüber. Salami an Käsetorte mit Beerenhaube? Na und? Passt doch voll gut zusammen. Farblich zumindest. Ein rotes Feuerwehrauto neben der Erbsensuppe mit Cabanossi-Einlage. Aha! Erfrischend! Keine Zeit für unnötige Diskussionen. Ich finde das richtig gut und meine das auch so. 


Und wie man da herumsauen darf! Das ist wahrscheinlich das Beste an der ganzen Sache und mein eigentlicher Wunsch. Mal schön rumsauen. Wenn dem Bienenstich-Shooting der letzte Pfiff fehlt, haut man einfach mit Schmackes auf eine Packung Mehl drauf. Das wirkt dann sehr natürlich. Jeder Zuckerbäcker hätte genau so gehandelt. Alles, was deftig ist und mal im Ofen war, kann großzügig mit mehreren Litern Olivenöl bekleckert werden. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Und hinterher muss niemand aufräumen oder spülen. Paradiesische Zustände.

So oder so ähnlich hatte ich mir das Ganze vorgestellt. Dass hinter einem guten Foto von richtig leckerem Essen eine Menge Talent und echt viel Arbeit steckt, manchmal sogar stundenlange - vor einem Jahr hätte ich das keinem so recht geglaubt. Dass hinterher die Küche aussehen kann wie nach einem Bombeneinschlag und man auch noch SPÜLEN muss - gut, das wusste ich, aber verdrängen ist eine Option. Und dann begann ich, über einen Blog nachzudenken. Da ich aber das Talent habe, Dinge anzufangen und dann unversehens wieder liegenzulassen, experimentierte ich zunächst im stillen Kämmerlein, um die Welt vor üblen Bildern zu schützen, später keine Internetleiche auf dem Gewissen zu haben und mich vor allem keinerlei Druck auszusetzen. Vielleicht hatte ich auch einfach keine Lust auf Misserfolg. Schon ein bisschen feige, hm?

Damit aber nicht genug der Vorbereitungen. Wenn mich meine Erinnerung nicht komplett täuscht, war dies ungefähr das ganze Ausmaß der akribisch geplanten Food-Fotografen-Karriere: Ich bummelte wochenlang über Flohmärkte, um total schrammeliges Küchenzubehör zusammenzuklauben. Ein Salzstreuer hier, ein Apfelausstecher dort, ab und zu ein Holzbrettchen, orientalische Saucenpfännchen, eine Tischdecke mit neckischen Fransen oder ein alter Silberlöffel. Ich nötigte Franzose sogar eines Tages, mit Werkzeug im Rucksack loszuziehen, um gemeinsam mit mir eine übel zugerichtete Kommode an einer stark befahrenen Straße auseinanderzukloppen, weil das Holz "einen HERVORRAGENDEN Hintergrund" abgeben würde. Wir machten uns mal wieder zum Horst und übertönten nebenbei sämtliche Geräusche, die die Hauptstraße hergab. Dann brauchte ich dringend zwei Schieferplatten. Weil. Und überhaupt. Also auf zu Depot. Und so kam eins zum anderen, bis sich eine kleine, feine Sammlung ergeben hatte. Die geduldig auf ihren Einsatz wartete. Uuuund wartete. Und...tja. Godot, würde ich sagen.


Bald begann ich, mir einzureden, ich bräuchte gar keinen Blog. Und die Welt da draußen ja eh nicht. Alles völliger Humbug. Es gab außerdem genügend andere Dinge zu tun. Irgendwann fummelte ich doch mal zaghaft was zusammen. Dat schöne Zeuchs! Verkommt ja sonst. Und dann, nach den ersten zwei missglückten Food-Foto-Shootings war die Sache quasi endgültig für mich gegessen. Die Küche glich einem Kriegsschauplatz, am Boden rollte gepoppter Amaranth von Alnatura herum, mir war vom ganzen Probieren total schlecht. Weil ich beim Knipsen ständig hochkonzentriert die Luft angehalten hatte, war mir außerdem schwindelig, und überhaupt war das hier doch alles komplett beknackt. Wer wollte sich denn Bilder von meinem Essen ansehen? Die Welt hatte Besseres zu tun. Und spülen mussten wir ja auch noch. Oah, schlimm.

Meinen Freunden schickte ich auf facebook die Bilder vom ersten Shooting, das meinen Ansprüchen genügte.


Brot. Joah. Ein, zwei Mal musste ich es belustigt verteidigen: "Das ist keine Stulle, das ist Bruschetta, man!" Alles Banausen. Aber dafür liebe ich sie ja auch. Ist immer besser, schön auf dem Teppich zu bleiben. Aber was soll ich sagen - als mein Freund Alex meinte, ich hätte also ein Stück Brot mit Frischkäse beschmiert, ein paar Tomätchen drübergestreut und dann mit Fokus geknipst, erinnerte mich das an meine eigene Haltung gegenüber dieser Art von Fotos. Ein bisschen doof fand ich Alex übrigens auch kurz. Padautz. Karma strikes back. Stulle mit Fokus. Pfff.

Nur, hatte er denn noch recht? Ich wuselte jedenfalls weiter umher, haute trotz Ermutigungen von allen Seiten weiterhin NICHT in die Tasten, und dann, dann kam mir das Leben in die Quere. Aus und vorbei mit den Blogphantasien und den Sauereien in der Küche. Jetzt folgten unruhige Nächte, Grübeleien und Zukunftsängste. Ein paar Monate später folgte der Paukenschlag und ich hatte aus bekannten Gründen plötzlich dermaßen viel Zeit - zumindest gefühlt - dass die ganze angestaute Energie und Kreativität sich ihren Weg bahnte. Der Damm brach. 

Ja, ich möchte jetzt dramatisch sein, lasst mich bitte. Das mit der Foodfotografenkarriere war mir auf einmal egal, jetzt ging alles, denn der flott zusammengekloppte Blog war mein Zeitverbringding und fühlte sich herrlich sinnvoll an. Jeden Tag gab es was zu tun. Kochen, bauen, umherwandern, knipsen, schreiben, bearbeiten. Ich kann schon gut verstehen, warum man am liebsten seinen Lebensunterhalt so verdienen möchte. Wir sind doch alle hier, um was zu erschaffen und zu gestalten. Und irgendetwas zu hinterlassen.

Ihr wollt gar nicht wissen, wie viele Essen in der Zeit eigentlich auf dem Blog hätten landen sollen. Außer diesem hier eventuell. Das war der allerallererste Versuch, Essbares abzulichten. Eine mittelschwere Katastrophe. Und irgendwie auch rührend blöd. Kunstlicht, alles gelb, komische Perspektive und appetitlich geht auch anders. Und ist das da Bratwurst mit Ananas? Na ja, ich weiß nicht. Auch schön: weil das mit dem Essen so schwierig schien, dachte ich, ein Glas Wasser sei sicher einfacher. Kann man so machen, kann man aber auch bleiben lassen. Warum steckt dort ein Stöckchen mit verschrumpelter Beere im Glas? Man weiß es nicht genau. Nur das mit dem fehlenden Zusammenhang im Bild, das hatte ich sofort drauf. Wasser, Rohrzucker, Stock mit Beere. Super! Potential war vorhanden.


Was neben dem ganzen Quatsch aber eigentlich passierte, ist, dass während dieser Phase in meinem Köpfchen ein Lichtlein anging: egal, wie klein und stümperhaft man anfängt, und egal, womit man anfängt - wenn man richtig Lust darauf hat und irgendwie Spässkes empfindet, dann bleibt man auch dran und wird fast nebenbei besser. Man muss aber eben anfangen. Nicht nur übers Anfangen nachdenken. Foodfotografin will ich schon gar nicht mehr unbedingt werden. Zumindest nicht ausschließlich. Das ist der ewig an allem interessierte Generalist in mir. Und ich kann Essen sowieso besser essen als Essen abzulichten. Aber so'n Blog, also, der hat schon was. Da darf ich mich in alle Richtungen austoben! Und die Bilder, die dann doch mal 'ne Stulle zeigen, hinter den Kulissen sogar auffuttern.

Und was ich eigentlich nur sagen will nach drei Metern Text: verdammte Hacke, man, fangt doch einfach an! Egal, womit. Egal, wieviel ihr könnt. Egal, was die anderen sagen. Und total egal, ob ihr euch vielleicht schon ein bisschen zu alt für euer Projekt fühlt oder irgendeinen anderen vorgeschobenen Grund erfindet. Man kann sich ewig auf jeden Quatsch vorbereiten, aber wie's wirklich geht, lernt man erst, wenn man die Ärmel hochkrempelt und ein bisschen schwitzt. Und ob das Ding genauso toll ist, wie es von Weitem aussieht, weiß man auch erst, wenn man's selbst anpackt.

Puh. Jetzt bin ich ein bisschen glücklich und sehe mir enorm viel Essen an. Oder backe Bananenbrot Nummer 5. Oder fange mal wieder irgendetwas an, von dem ich keinen Schimmer habe. Wochenenden sind was Feines.


Was gelernt?
Ich könnt mal anfangen, mich kurzzufassen, ne?


Mittwoch, 18. Februar 2015

Do it doch einfach yourself.
Urlaub aus dem Wurstglas

Liebe Schnitzelfreunde,
das Jahr ist noch nicht besonders alt, die Euphorie, die jeder Neuanfang mit sich bringt, umspült mich noch immer (oder wieder), und ich gebe mich ganz dem Größenwahn hin! Alles, was doof war, habe ich auf die Seite geschafft, denn erstens blockiert das nur und zweitens macht es Falten. Die hätte ich lieber vom große-Gedanken-Denken und Lachen als anders. So stürmte ich also vorgestern den nächstbesten Supermarkt und kaufte ein stattliches Glas Bockwürstchen. Jawoll. So sieht gelebte Dekadenz im Pott-Exil aus! Genau so und nicht anders.

Ich muss allerdings zugeben: Die Würstchen waren mir egal, die hat jemand anderes gegessen, das Glas war wichtiger. Ihr versteht das. Gleich. Auch den Zusammenhang zwischen Bockwürstchen und Größenwahn. Liegt ja quasi eh auf der Hand.


Was ihr hier seht ist ein Abenteuerwunschtopf. In den heimischen vier Wänden auch ganz profan "The Jar" genannt, was ein bisschen abwertend klingt. Hat was von "Das Ding", aber mit solchen Kleinigkeiten halten wir uns nicht auf. 

Zum ersten Mal in meinem Leben will ich eine tolle, gigantische Reise geplanter als sonst angehen. Oder überhaupt mal eine gigantische Reise angehen. Da kann ein wenig Planung gar nicht schaden. Schließlich geht es nicht auf Butterfahrt. Es geht nach Chile! Und weil ich immer mehr "ganz oder gar nicht" werde, beginnt die Planungsphase genau JETZT. Ein ganzes Jahr im Voraus.

Kann sein, dass das bescheuert ist. Das wird sich zeigen.

Zwölf ellenlange Monate. Zweiundfünfzig Wochen, in denen ich Chile aus der Ferne anschmachte, mich in absurden Reisedetails und Packtricks verliere und massenweise Bilder auf mich wirken lasse. Das Land hat so viel zu bieten, und ich werde angesichts der Möglichkeiten zum schlüppiwedelnden, rotwangigen Groupie. Hiervon gibt es leider, leider keine Bilder. Schade. Ja. Aber von Chile! Von Chile gibt es viele. Das ist doch auch ganz schön.


Chile

  • Wandern in Patagonien - schroffe Felsen und blaue Gletscher

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  • die Atacamawüste - ganz viel Dürre und Nichts in der trockensten Wüste der Welt

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  • Alpakas

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  • Pinguine!

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  • Feuerland  

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Die abwechslungsreiche Landschaft und die vielen Gegensätze! (Mir ist bewusst, das jedes meiner gewählten Bilder einen schneebedeckten Gipfel im Hintergrund aufzuweisen hat, jajaja, okay.) Chile ist ein schmales, dafür aber unglaublich langes Land. Langes Elend hätte man Chile in der Grundschule sicher geschimpft. Kein Wunder: mit 4.300km ist es sogar das längste Land der Welt. Ein echter "Strich in der Landschaft", der sich elegant an Argentinien schmiegt und nach schwitziger Haut, atemberaubenden Anblicken, Momenten stummer Ergriffenheit, ganz viel Weite und nur wenig Großstadt duftet. 

Und mit jedem zerknitterten Geldschein, der freudestrahlend in den Topf geworfen wird, rückt das Abenteuer ein Stück näher.

Mein Gott, hab ich Hummeln im Hintern. Ich mag so viel sehen, so viel wandern, mein eingerostetes Spanisch wiederbeleben, so viel knipsen und stummstaunend dastehen. Und vielleicht kann ich sogar mal einem Alpaka live gegenüberstehen. Ohne Zaun dazwischen.


Bis es soweit ist, schiebe ich einfach noch ein paar Mal die Miniaturtännchen übern Tisch und lasse Franzose in der Küche mit aufgeschnalltem Rucksack in Richtung Spülbecken wandern.

Macht euch darauf gefasst, hier in den kommenden Monaten noch das ein- oder andere Mal vorfreudigst ein Ohr abgekaut zu bekommen. Ich würde am liebsten sofort abhauen. Aber Chile muss noch eine Weile ausgiebigst beschnuppert werden. Wer Tipps hat, immer her damit! Und wer woanders hin will und sich hier schwärmenderweise austoben möchte, auch gerne her damit! Sehnsuchtsziele an die Sonne. Wir können hier zusammen ausrasten. Ich hab Kekse da und ihr seid herzlich Willkommen! Vielleicht spart ihr ja auch schon ewig auf eine Reise, oder auf etwas ganz anderes, für das es sich einfach lohnt, wochenlang nur Spaghetti mit Ketchup zu essen. Ich bin neugierig, fest entschlossen und habe einen langen Atem.

Was gelernt?
Unwichtig. Wann geht's los?!
Und: Vorfreude ist eine Granate, macht
aber zuweilen echt wahnsinnig. Mich zumindest.
Das nennt man dann wohl Ungeduld...