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Dienstag, 1. September 2015

Lauschangriff. Heute: Käse. Nur besser.

Liebe Schnitzelfreunde,
es ist mal wieder passiert. Ein verbaler Alltagsjuwel hat sich mir in den Weg geworfen. Wie ich das liebe! Folgende Situation bitte einmal visualisieren:

Zwei Damen unterhalten sich im Büro. Die eine erzählt in schönstem rheinischen Dialekt, dass sie heute Abend lecker essen geht. In diesem total angesagten, hippen Laden im Bahnhofsviertel. Die andere Dame wird neugierig und verlangt nach mehr Information. Wo ist der Laden, wie heißt der noch gleich, und was gibt es denn da überhaupt zu futtern?

Die Damen tauschen sich aus, eine Internet-Adresse wird herumgereicht, man scrollt sich durch das Speisekärtchen der funky Location und staunt. Plötzlich:

Dame 1: "Hömma."
Dame 2: "Ja...?"
Dame 1: "Hast du das schon gesehen hier?"
Dame 2: "Ehm. Wo denn genau? Was ist denn da?"
Dame 1: macht eine Kunstpause
Dame 2: "Hallooo? Was wolltest du denn sagen?"
Dame 1: grinst "Hier unten. Was da steht."
Dame 2: "Komm. Jetzt sag's halt." 
Dame 1: "Doller Laden... Die ham da keinen Käse - die ham Fromage!" 

Frohmaaahsch.

Ich freu mich! Obwohl ich auch hier wieder nicht weiß, ob es genauso lustig wirkt wie zu dem Zeitpunkt, als ich es live gehört habe. Macht nichts. Seitdem ist es jedenfalls ein Dauerbrenner. Hömma, Schnittchen? Ja. Gerne. Aber nich mit Käse, ne? Neeee, nich mit Käse. So isst man bei den Banausen. Wir essen keinen Käse - wir essen Fromage!

Was gelernt?
Fronkraisch, Fronkraisch. Geht immer. 

Dienstag, 5. Mai 2015

Lauschangriff. Heute: Vitalstoffe im brennenden Kuchen.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich bin ja fest entschlossen, den Lauschangriff zu einer Institution werden zu lassen. Ist zwar erst der zweite auf diesem Blog, aber das heißt ja nichts. Jeder fängt mal klein an. Der Lauschangriff wird wachsen und gedeihen. Vielleicht in Schüben, aber immerhin. Weil er Spaß macht. Und wenig Arbeit. Ich glaube auch nicht mehr daran, dass Alltags- und Situationskomik eines Tages mal aus der Mode kommt. Die geht einfach immer!

So. Kleines Anekdötchen voraus.

Wie ihr wisst, lernt mein Freund seit Wochen fleißig Deutsch. Manchmal mehr, manchmal sehr viel weniger begeistert. Das ist echt nachvollziehbar. Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich hätte keine Lust, Deutsch zu lernen und bin sehr froh, es schon zu können. Danke, Mama und Papa. 

Eines Tages kam er jedenfalls nach Hause und meinte, wir seien bei einem Kollegen eingeladen, der würde auch Essen auf den Tisch stellen. Brennenden Kuchen. "Aha?", dachte ich, "also, diese Franzosen...da gibt es nicht nur langweilig Kuchen, da wird gleich alles angezündet. Find ich gut." Die machen noch was aus ihrem Essen. Dann kam mir die Sache komisch vor, also fragte ich auf Englisch nach. "So, there will be cake, and it is going to burn? Like, he is lighting it on fire right there?" Franzose zuckte mit aufgerissenen Augen mit den Schultern: "Euh...I guess so."

Als wir beim Kollegen ankamen, gewannen wir die Deppenmedaille. Denn natürlich gab es keinen "burning cake". Es gab Flammkuchen. Na ja. Haben wir natürlich niemandem erzählt. Wir sind ja nicht blöd, ne?! Heieiei. Dreisprachige Haushalte haben so ihre ganz eigenen Tücken.

Gut, ich merke gerade, dass die kleine Anekdote dem eigentlichen Lauschangriff den Rang abläuft. Aber das ziehe ich jetzt trotzdem durch. Also zum eigentlichen Lauschangriff.

Der findet heute im Büro statt. Da sitze ich komischerweise mit Leuten, die ernste Dinge tun und in maßgeschneiderten Anzügen aufrecht an ihren Schreibtischen sitzen. Aber so ein paar von denen, die sind lustig. Stellt euch kurz eine Situation vor. Es hatte eine Diskussion gegeben. Da ging es hin und her, Grundlegendes wurde diskutiert. Danach herrschte Stille. Die mit den rollenden Heuballen. Jeder hackelte wieder emsig auf seine Tastatur ein. Dann geht die Tür auf. Einer der Leute ohne maßgeschneiderten Anzug kommt rein, setzt sich auf seinen Stuhl, schaut sich irritiert um. Er war gerade zu Tisch. Ohne jeden Zusammenhang schüttelt er seinen kurzgeschorenen Schopf und sagt: "Also, Leute... Seit ich den Flammkuchen hier esse, habe ich viel volleres Haar!"

Großartig. Beinahe wäre ich unterm Tisch gelandet.

Was gelernt?
Flammkuchen hat Potential.
Und: nicht vom Äußeren aufs Innere schließen, ne? 

Sonntag, 8. März 2015

Lauschangriff. Heute: Shoppingfrust

Liebe Schnitzelfreunde,
in unregelmäßigen Abständen stehe ich mal hier, mal dort in der Gegend herum und schnappe zufällig Gesprächsfetzen auf. Solche ohne viel Kontext. Die trotzdem rund genug sind, um im Kopf zu bleiben. Diese Sätze oder Minidialoge sind oft ganz schrecklich lustig, weil Menschen einfach großartig sein können, ohne es zu merken. Wenn ich einen dieser verbalen Schätze finde, zücke ich meist so bald es geht mein Notizbuch und kritzele darin herum. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Vergesslichkeit einsetzte! Um Himmels Willen. Ich möchte dann auch nicht angesprochen werden, denn alles, was ablenkt, stellt jetzt eine Gefahr dar. Es gibt dann für ein paar Sekunden nur das Büchlein und mich. Ein Schnörkelmoment im Dienste der Komik. Natürlich blicke ich in ihm furchtbar ernst und wichtig drein! Denn das hier ist kein Spaß. Gelacht werden kann später. Jetzt zum Beispiel:

Letztens in einem Kaufhaus. Ein Ehepaar wandert durch den nicht enden wollenden Dschungel aus Kleiderständern, sie stratzt freudestrahlend voraus, er zockelt mit mürrischem Gesichtsausdruck hinterher. Ein glückliches Paar um die 55. Immer wieder hält sie ihm begeistert blauschwarzdunkle Winterjacken vor den Wohlstandsbauch, ab und zu streift er gleichgültig eine über und lässt sich von ihr betrachten.
Sie, verzückt: "Heute bist du Model!"
Er, sichtlich genervt: "Ja... Model für Klamotten, die scheiße aussehen."

Ich wäre fast gestorben. Es kam so herrlich spontan und furztrocken daher. Hessen können was. Motzen. Bestimmt auch noch was anderes. Das finde ich aber ein andermal heraus.

Kommt gut in die Woche!

Was gelernt?
Ohren spitzen lohnt sich!