Dienstag, 1. September 2015

Lauschangriff. Heute: Käse. Nur besser.

Liebe Schnitzelfreunde,
es ist mal wieder passiert. Ein verbaler Alltagsjuwel hat sich mir in den Weg geworfen. Wie ich das liebe! Folgende Situation bitte einmal visualisieren:

Zwei Damen unterhalten sich im Büro. Die eine erzählt in schönstem rheinischen Dialekt, dass sie heute Abend lecker essen geht. In diesem total angesagten, hippen Laden im Bahnhofsviertel. Die andere Dame wird neugierig und verlangt nach mehr Information. Wo ist der Laden, wie heißt der noch gleich, und was gibt es denn da überhaupt zu futtern?

Die Damen tauschen sich aus, eine Internet-Adresse wird herumgereicht, man scrollt sich durch das Speisekärtchen der funky Location und staunt. Plötzlich:

Dame 1: "Hömma."
Dame 2: "Ja...?"
Dame 1: "Hast du das schon gesehen hier?"
Dame 2: "Ehm. Wo denn genau? Was ist denn da?"
Dame 1: macht eine Kunstpause
Dame 2: "Hallooo? Was wolltest du denn sagen?"
Dame 1: grinst "Hier unten. Was da steht."
Dame 2: "Komm. Jetzt sag's halt." 
Dame 1: "Doller Laden... Die ham da keinen Käse - die ham Fromage!" 

Frohmaaahsch.

Ich freu mich! Obwohl ich auch hier wieder nicht weiß, ob es genauso lustig wirkt wie zu dem Zeitpunkt, als ich es live gehört habe. Macht nichts. Seitdem ist es jedenfalls ein Dauerbrenner. Hömma, Schnittchen? Ja. Gerne. Aber nich mit Käse, ne? Neeee, nich mit Käse. So isst man bei den Banausen. Wir essen keinen Käse - wir essen Fromage!

Was gelernt?
Fronkraisch, Fronkraisch. Geht immer. 

Montag, 24. August 2015

Smartphone an Schnitzel: Benutz mich!
Oder: Bin ich jetzt hip?

Liebe Schnitzelfreunde,
seit geschlagenen zwei Wochen hab ich so'n neumodisches Ding. Ein Smartphone. Von Mama. Die ist nämlich irgendwie cooler und fortschrittlicher als ich. Und weil sie mich lieb hat und möchte, dass ich der Zeit nicht soooo arg hinterherhinke und deshalb von den anderen Kindern ausgelacht werde, darf ich ihre alten Sachen auftragen. 

Total nett, meine Mama. Wirklich. 

Hallo, Mutti! (Glaubt jetzt nicht, dass ich wirklich Mutti zu ihr sage. Obwohl man damit ja mal anfangen könnte. Leute ohne Ahnung von Smartphones sagen auch mal Mutti.)

Das Smartphone ist von Aldi. Also richtig hip. So ein kluges tragbares Telefon mit übergroßem Bildschirm und schlechter Kamera, wie es die riesengroße Mehrheit von euch bestimmt seit Jahrhunderten besitzt. Nur eben mit guter Kamera. Und wahrscheinlich nicht von Aldi.


Mama hatte sich die Discounter-Version angeschafft, weil sie nicht ganz sicher war, ob das was werden würde. Mit ihr und dem Smartphone. Tja. Was soll ich sagen. Mittlerweile schickt sie Bildnachrichten durch die Weltgeschichte - zuletzt an meinen Bruder nach Australien - und hat mit ihren Kolleginnen eine Whatsapp-Gruppe gegründet, die rege genutzt wird. Zeit für ein Upgrade. Das alte Teil kann an die Oldschool-Tochter abgetreten werden.

Und ganz ehrlich - kann man sich gegen Geschenke von Mamas wehren? Nein, kann man nicht. Die nimmt man an.

Ich gehöre jetzt also zur Instagram(mit einem oder zwei m?)-fähigen Gesellschaftsschicht. Also, zumindest theoretisch. Denn eigentlich liegt mein Smartphone seit Tag 1, an dem ich es noch brav aufgeladen habe, nur in der oberen linken Ecke meines Schreibtisches und regt sich nicht. Es wartet geduldig auf seinen Einsatz. Joah. Also, wenn ich eins hab, dann Geduld und gutes Sitzfleisch. Und Skepsis. Gegenüber neumodischem Zeuchs.

Ja. Staub. Ne ganze Menge davon. Da muss mal jemand wischen.

Ob der Akku wohl noch voll ist? - Ah. Nein, ist er nicht.

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Gut. Ich habe den Post eine Weile ruhen lassen. Das Smartphone auch. Das ruht ja eh, seit ich es habe. Still und starr, wie der See aus dem Lied. Hin und wieder habe ich aber mal nachgesehen, ob es ihm auch gut geht. Verbunden mit ehrlichem Interesse. Ich habe es gedreht und gewendet und weiß jetzt, dass man links die Lautstärke regeln kann. Das ist schön. Und gestern gab es außerdem einen echten Annäherungsversuch. So richtig mit Einschalten und Anfassen.


Noch ist mir nicht ganz klar, warum alle so auf Smartphones stehen. Dieses ganze Geschiebe und Gewische. Ich glaube, ich drücke lieber Tasten und Knöpfe. Die dürfen dann auch klicken oder tuten. Aber gut, aller Anfang ist schwer, nech?

Franzose lag neben mir auf unserem Couch-Ersatzding und beäugte meine zarten Anbandelungsversuche sichtlich amüsiert. Nach wenigen Minuten gab es den ersten Kommentar in Richtung "Das wird eine lange, schwierige Phase." Keine Ahnung, was er damit meint. Ich habe jedenfalls aus Versehen einen Instagram-Account erstellt, obwohl ich eigentlich nur diese typisch quadratischen Fotos machen wollte, die man ja eifrig mit Filtern totwirft, damit alles schön aussieht. Nachts um 23 Uhr habe ich probehalber ein Foto vom aktuellen Blumenstrauß auf dem Wohnzimmertisch gemacht, um zu prüfen, wie das in quadratisch aussieht. Mit Blitz. Alles total überbeleuchtet. Wo finde ich jetzt den Filter, der das wieder hinbiegt?

Manchmal komme ich mir vor wie ein Alien. Fühlt sich aber okay an.

Neues Mantra: Man darf sich dem Fortschritt nicht verstellen.

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Tjaaaaa. Wieder sind ein paar Wochen rum. Ab und zu staube ich mein Smartphone ein wenig ab. Hinterher sieht es noch so aus, als würde ich mich nicht darum kümmern. Dabei schaue ich manchmal sogar ins Aldi-Prospekt und beäuge die Smartphone-Tarife mit den super-günstigen Paketen samt High Speed Internet und toller Flatrate. Dann blättere ich meist schnell weiter zu den Seiten mit den italienischen Wochen und kreuze Cantuccini sowie faszinierende Conchiglie-Muschelnudelmischungen an, weil Nudeln mit Kurkuma, Spinat, Roter Bete und schwarzer Karotte einfacher zu handhaben sind als Smartphones und Filter für quadratische Bilder. Zumindest bisher.

    
Ich kann mich jetzt nicht mit neumodischem Schnickschnack befassen - mein Leben ist gerade komplex genug.

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Habe gerade heimlich das Ding eingeschaltet und einfach so aus Spaß ein bisschen drauf herumgewischt. Hab den richtigen Schwung gefunden. Ob ich wohl mal den Gang zu Aldi wage und einfach loslege? Die Zeit ist reif. 

Okay, überreif.

Jaaaaaa, mensch...

In knapp fünf Monaten geht es nach Chile. Die Flüge sind gebucht. Bis dahin bekommt man das wohl hin, diese ganze Angelegenheit mit dem Gewische, dem Quadratisieren und Filterfummeln.

Und ganz ehrlich: Da stecken irre Möglichkeiten hinter. (Oder? Hört man halt so.) Ein ganzes Universum passt in so ein kleines flaches Smartphone. Mein Gott. Ich kling wie meine eigene Omma. Am besten führen wir das mit der Postkutsche wieder ein und alles wird gut. Ich halte euch auf dem Laufenden. Meine ersten quadratischen Superfilterfotos werden natürlich exklusiv hier auf diesem Blog veröffentlicht. Ihr habt doch noch ein paar Monate Geduld, ne?


Was gelernt?
Nicht immer logisch, was man so tut. Oder nicht tut. 
Aber diesen Instagram(m?)-Account, also, 
den lass ich mal sein. Vorerst.
Und: Hip geht anders.

Sonntag, 16. August 2015

Sommer in Frankreich

Liebe Schnitzelfreunde,
manchmal kommt es mir so vor, als würde ich dieses Jahr den Sommer verpassen. Ein ganz klein wenig. Das finde ich echt nicht gut. Ich schimpfe dann eine Runde. Auf alles und jeden, der eventuell Schuld dran sein könnte. Dann werfe ich eilig den Bikini und das türkische Badetuch in meinen Rucksack und düse nach der Arbeit schnurstracks zum Freibad. Und freue mich, wenn die Kollegin am folgenden Tag verwundert fragt, warum ich denn so braun sei. Obwohl ich ja die Einzige im Büro bin, die von April bis Dezember keinen einzigen Tag Urlaub haben wird. (Halb so wild. Durchhalteparolen. Alles für den Dackel Chile.)

Wenn es fürs Freibad zu spät ist - so wie Freitagabend, nach einem tollen Essen, israelisch, Shakshuka und ein Glas Weißwein - weil die Nacht sich bereits stockduster über die Dächer legt, dann sichte ich Urlaubsfotos vom vergangenen Jahr. Und freue mich. 




Das war so ein Sommerurlaub wie er sein soll. Entspannt, ganz federleicht und unbeschwert und voller erster Male. Das erste Mal die Fußnägel lackiert. Knallrot. Seitdem nicht mehr damit aufgehört. Das erste Mal Austern gegessen. Und auch das letzte Mal. Igitt. Das erste Mal (seit, sagen wir, der Grundschulzeit) wieder mit einem Köpper vom Startblock ins Wasser gesprungen und mit dem Kopf voran die Wasserrutsche hinuntergestürzt. War das früher auch schon so aufregend? 








 Bei Franzoses Freunden. Nur Essen und Liebe machen im Kopp. Schön.


Das erste Mal Paragliding ausprobiert. Auch ein bisschen, weil Franzose nicht Fallschirmspringen wollte. Einen Pfirsichkuchen gebacken, an einer Steilwand geklettert, Pflaumen geerntet und zu Marmelade eingekocht, mich mit einem dunkelbraunen Widder angefreundet, der einfach so bei jemandem im Garten rumstand und uns gut fand, Franzose vor den Augen seiner nicht sonderlich begeisterten Mutter den Kopf rasiert - das schöne Haar! - ach, ach, auf ein Dach gekrabbelt, um ein Fenster zu putzen, Bogenschießen im Garten geübt, einen Rasenmähertrecker gefahren und drei Stunden lang die Halme gekürzt, was für ein Garten... 









In einem winzigen Kaff auf dem Straßenfest die Füße beinahe wund getanzt, auf dem Rückweg eine Katze halb überfahren, mein Gott, war mir schlecht. In der Kinderdisco auf dem Campingplatz zum Affen gemacht, mir doch egal, hier kennt mich keiner und die Musik ist grad gut. Na ja, was man mit zwei Gläsern Wein im Kopp und Sommersprossen auf der Nase halt grad gut findet.







Und letztendlich extremst mit Ruhm bekleckert, als wir am Flughafen feststellten, dass wir meinen Rucksack mitsamt allen wichtigen Papieren im französischen Bauernhaus vergessen hatten. 200km entfernt. 

"Wie?! Also. Ich dachte, du hast den eingepackt."
"Joh. Ich dachte, DU hast..."

Top.

Franzose flog fluchend nach Frankfurt, ich fuhr mit der Franzosenmutter wieder zwei Stunden zurück ins Bauernhaus, vorbei an unendlich großen Sonnenblumenfeldern, begleitet von Gekicher und Gesprächen im wahrscheinlich schlechtesten Französisch, das die Welt je gehört hat. Verstanden haben wir uns trotzdem. Denn wenn man muss, dann kann man ja so gut wie alles. Und zusammen singen geht auch immer. Sogar auf Französisch.




Was für ein Sommer. Ich hau mich heute Abend lächelnd aufs Ohr.


Was gelernt?
 Urlaubserinnerungen for president.
Und: Es passt ganz schön viel Leben in zwei kleine Wochen.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Knallebunt geht vieles leichter

Liebe Schnitzelfreunde,
dieser Sommer ist ein turbulenter, und die Zeit, die Zeit, wie sie rennt, es ist kaum zu fassen. Dachte ich eben noch, der letzte Post sei sicher erst ein paar Tage her, sehe ich gerade, dass es doch ein paaaaar Tage mehr sind. Aber gut, dann ist das so. 


Zu Hause wird gekämpft - gegen den Schimmel, den Vermieter und die heiße Luft, die der laut dröhnende Anti-Wasserschaden-Kompressor in die Küche pustet. Eine Sauna, hat auch nicht jeder! Und weil man bei sowas nur verrückt werden kann, dachte ich mir, kann ich auch gleich komplett offensichtlich werden und mich mal auf eines dieser Holi Hail Festivals begeben, um wild tanzend mit farbigem Pulver um mich zu werfen. 

Und alles wieder in Relation zu setzen. Denn irgendwie ist das doch ein bisschen irre, eine Eintrittskarte zu kaufen und sich dann zielgerichtet eigentlich nur komplett einzusauen.


Ich schwöre, dass ich mir vorgenommen hatte, wenigstens ein klitzekleines bisschen Recherche zu betreiben. Mich über den Hintergrund des Festivals zu informieren. Ansatzweise zu verstehen, was das alles soll... Na ja, ihr ahnt es schon, ne? Satz mit X. War nix. Deshalb kam ich mir auch etwas bekloppt vor. Zwischen all diesen fremden Leuten. Als Einzige barfuß. Hippie shit. Als eine der Wenigen nicht in Weiß gekleidet. Ah, so macht man das also. Hopsend, hüpfend, lachend. Schon wieder keine Ahnung, was hier los ist. Ständig zu spät zum Holi Spray und immer wieder den Farbbeutel kaum aufbekommen oder gleich alles auf dem Boden verteilt. Aber wisster: Manchmal ist es eben total okay, irgendetwas einfach so zu tun. Ohne Plan, ohne tieferen Sinn, ohne Eleganz und mit enorm viel Spässkes an der Sache. Und sich hinterher an eingesauten Klamotten, verschmierten Gesichtern, zugestaubten Sonnenbrillen, krustig braunen Füßen zu erfreuen.




Ein paar Inder rannten dort herum. Breites Lächeln, keine Berührungsängste, das mag ich ja. Nicht mal Hallo sagen, nein, sondern gleich mit vollen Händen dieses fremde Gesicht einseifen, das gar nicht daran denkt, sich zu wehren. Die müssen es ja wissen, dachte ich mir, und schloss einfach lächelnd die Augen. Macht ihr mal. Orange auf dem Kopf, Grün, Gelb, Blau, Violett im Gesicht.

Nach ein paar Stunden war's gut. Die Waden schmerzten vom Gehopse, wir sahen aus wie hulle und wollten Eis! Eigentlich das von Ben & Jerry's auf deren Movie Night. Die Schlange vorm Tor entsetzte uns allerdings, also... Tja. Supermarkt? Nee, nicht stilecht. 


Einmal durch die ganze Stadt, bis ins etwas schickere Viertel, zur tollsten Eisdiele. Natürlich hatte ich bis dahin schon wieder vergessen, wie wir aussahen. Vielleicht ganz gut so. Bis dann der Eisverkäufer hinter der Theke auf uns starrte und mit einem "Pistazie, bitte!" geweckt werden musste. Huch, ach so, natürlich, Verzeihung. 


Bisschen rumbummeln, ne tolle Wand finden, letzte-Gelegenheit-Bilder knipsen, erst du, dann ich, dann Selbstauslöser, Franzose verliert den halben Kopf, ein wenig schäkern mit dem tätowierten Menschen samt Hund, der seine Begeisterung über unser Verschmiertsein ausdrückt, aus Versehen kleine Kinder erschrecken, ein wirklich großartiger Tag. Weit weg von allem. Gerne wieder. Wirklich, sehr gerne, immer, immer wieder!

Was gelernt?
Wenn man merkt, dass Einsauen mit Farbpulver eine Lösung darstellt,
einfach ein paar Beutelchen mit nach Hause nehmen. 
Für weitere Wasserschäden. Oder so. 

Donnerstag, 9. Juli 2015

Perspektivenwechsel.




 Ihre.


Seine.


Was gelernt?
Anderer Blickwinkel, anderes Bild. 
Und: Anderer Blickwinkel, plötzlich Quadratlatschen.  

Sonntag, 5. Juli 2015

Sparschäler are good for you.
Oder: Salata!

Liebe Schnitzelfreunde,
meine kleine Reise nach Istanbul ist mittlerweile so lange her, dass ich ab und an befürchte, nicht mehr vernünftig davon berichten zu können, denn Erinnerungen verblassen, das haben sie manchmal so an sich. Auch deshalb habe ich meine Kamera so liebgewonnen. Sie hilft mir dabei, dem Schicksal aller Goldfische ein Schnippchen zu schlagen. Knipsen gegen das Vergessen. 

Ihr erinnert euch vielleicht an die bekloppte Fährfahrt in Richtung Prinzeninsel, von der ich euch berichtet habe. Obwohl, von dem wirklich bekloppten Ereignis während der Fährfahrt hatte ich kein Sterbenswörtchen geschrieben. Kann man ja kurz nachholen. Bereit?

Wir versetzen uns zurück in die Situation: Fähre, endloses Blau, plötzliches enormes Aufkommen von Möwen, begeisterte Menschen, alle wahnsinnig abgelenkt. Alle, aber auch wirklich alle starren vom Boot weg, in Richtung Meer und fliegende Cräcker. Auf einmal BRÜLLT es hinter uns. Natürlich versteht kein Mensch, was los ist oder was gerade gesagt wurde. War das Türkisch? Kann hier irgendjemand Türkisch? Ich jedenfalls schonmal nicht. Aber als normaler Mensch reagiert man ja einfach mal, wenn man ungewohnten Lärm wahrnimmt. Erster cleverer Schachzug. Ich senke die Kamera, hebe eine Augenbraue, drehe mich um, und dann hebe ich die zweite Augenbraue, denn dort steht ein Mann mitten auf der Fähre und reckt eine Kartoffel in die Höhe. Eine. Kartoffel. Er trägt ein graues Sacko und sieht sehr fröhlich aus. "Salata!" ruft er. Aha, Salat, okay, das können wir durchgehen lassen. Sein zweiter Arm schnellt in die Höhe. Er hat seine Waffe gewählt: einen Sparschäler. Silbern, schnittig, formschön. Eine Art Tupperparty, denke ich, und irgendwie finde ich es völlig okay, ja sogar beruhigend, da jetzt nicht wegrennen zu können. Kaufen muss ich schließlich auch nichts. Lasset die Spiele beginnen.


Begeistert geht der Mann ans Werk und schält seine Kartoffel. Na gut, die halbe Kartoffel. Und zwar fächerförmig in ein Akkordeon. Für eine Weile vergesse ich die Möwen und überlege, warum ich meine Kartoffeln zu Hause immer nur hilflos im Kreis schäle, wenn sie doch auch SO aussehen könnten. Die Akkordeonkartoffel klappt nach unten aus und ist wunderschön. Der fremde Mann strahlt, sein Blick sucht nach Anerkennung im Publikum. Ich will mal nicht so sein und juble. Die Veranstaltung nimmt Fahrt auf. Die Fähre nicht. Dieser Mann hat alle Zeit der Welt, uns von seinen Sparschälern zu überzeugen, warum wirkt er so gehetzt? In Windeseile schält er noch eine Karotte! Und eine Tomate! Eine Schlangengurke! Jedes einzelne kleine Gemüsewunder der Natur wird triumphierend in die Luft gereckt und erst geschält, wenn genügend Applaus und Gegröhle geerntet wurden. Ein zweiter cleverer Schachzug. In kürzester Zeit einen völlig irren Hype zu erzeugen. 

Ich strahle übers ganze Gesicht, weil diese Situation so absurd ist. Mit zig fremden Menschen auf einer Fähre irgendwo vor Istanbul juble ich einem fremden Mann zu, der einfach nur Gemüse schält. Warum nicht. Die Masse kocht. Unser Sparschälguru greift in seine Zauberkiste und... holt eine dicke, kugelrunde Wassermelone hervor. Die stemmt er in gewohnter Manier triumphierend in die Höhe.

Moment. Eine Wassermelone? Der hat sie doch nicht alle. Und die will er jetzt schälen? Mit seinem pisseligen Sparschäler oder was? Eine Wassermelone!

Die Leute springen von ihren Sitzen auf. Ich blicke irritiert von links nach rechts und wieder zurück. Habe ich irgendwie den Schlüsselmoment verpasst? Drehen jetzt alle komplett am Rad? Und wo sind die Kameras? Ist uns so langweilig auf dieser Fähre, dass wir sogar Obst und Gemüse als Highlight empfinden? Wo verdammt sind denn die Kameras? Und was ist mit den Möwen? Haben denn alle die Möwen vergessen? Warum sind silberne Sparschäler cooler? Was'n hier los?

Egal, mitmachen! 

Und dann schält er ernsthaft diese riesengroße Wassermelone mit seinem blitzeblanken Supersparschäler. Ich habe eine Wassermelone rasiert. Unter to-sen-dem Applaus. "Salataaa!!" brüllt er immer wieder für den letzten, der es immer noch nicht kapiert hat. Wir lachen, wir klatschen, wir machen Fotos. Und als der Messias am Ende seiner Darbietung durch die Reihen läuft, um seine wunderbaren Oberhammersparschäler mit vollen Händen ans gemeine Volk zu verteilen - endlich! Mein Gott, was haben wir darauf gewartet! - gibt es tatsächlich Menschen, die gleich unfassbare vier Stück auf einmal kaufen und so aussehen, als wäre dies hier der allerallerschönste Tag ihres Lebens. 


Meine Wangen glühen, das Haar ist komplett zerzaust, und leider habe ich vor lauter Begeisterung vergessen, mehr Fotos zu schießen. Oder vielleicht auch einfach mal nur gute Fotos. Aber genau so muss das sein. Die Leute um mich herum schlagen ihre Sparschäler frenetisch gegeneinander und versuchen, sich gegenseitig die Köpfe zu rasieren. Kurz überlege ich, diese Fähre nie wieder zu verlassen. 


Meine Begeisterung geht so weit, dass ich Franzose eine SMS nach Hause schicke, in der steht, dass ich total gut drauf bin, Urlaub alleine unglaublich toll finde und fast einen bis fünf Sparschäler auf einer Fähre gekauft hätte. Franzose fragt, ob er sich Sorgen machen müsse, ob Istanbul denn echt nichts besseres als Sparschäler zu bieten habe und ob denn sonst alles okay sei. Natürlich ist alles okay! Mehr als okay.

Versteht er denn gar nichts? Herrgottnochmal. Kopfschüttelnd wende ich mich wieder dem Wahnsinn zu und werfe kurz darauf gedankenverloren ein paar Cräcker und am besten auch gleich meinen Verstand mit über Bord. Warum fahren Menschen nicht viel, viel öfter mit Fähren durch die Gegend? Besser geht es doch kaum.

Was gelernt?
Also, so'n Sparschäler, der kann schon
auch irgendwie sexy sein, wa? 

Sonntag, 21. Juni 2015

Hurra! Ach nee, doch nicht.

Liebe Schnitzelfreunde,
mir wollte letztens jemand eine Eismaschine schenken. Aus einer Haushaltsauflösung. Und obwohl Eismaschinen meiner Meinung nach in die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht" gehören, war der Rest von mir - also alle Einheiten außer der Vernunft - auf einen Schlag in Partystimmung.


Eismaschineeeee!!! (Dazu dieses Lied. Und Konfetti.)


Ich sah knallepinkes Himbeer-Sahne-Eis in handgeformten Knusperwaffeln, sah Franzose und mich, wie wir uns mit schaufelradgroßen Löffeln durch Ozeane aus Zartbitterschokoladeneis pflügten und die Abende damit verbrachten, uns vorzustellen, welche bekloppten Zutaten man miteinander kombinieren müsste, um das eine Eis zu kreieren. Das Eis, das einem Tischfeuerwerk ebenbürtig wäre. Neben dem man kein anderes Eis mehr haben wollte. Irgendwas mit Pistazie also schonmal. Ich sah die tollsten Eis-Posts hier in meiner Schnitzelecke, sah Eispartys auf dem Balkon, sah das Gefrierfach überquellen vor lauter Eis. Oh Gott, ich liebe Eis.

Joah. Und dann kam er. Der Tag, an dem dieser eingangs erwähnte Jemand meine Eisphantasien kalt lächelnd mit einem kleinen Sätzchen zerstörte: "Ach so, die Eismaschine ist übrigens schon weg." Pffff. Plöp. Übrigens!

Mir doch egal, wollte ich denken. Ist mir ja so latte. Eigentlich eh besser so - Eismaschinen stehen nur dumm rum und stauben zu. Ständig muss man sie mit einem feuchten Lappen abwischen. Das will doch keiner. Nichts als Ärger vermutlich.

Jaja. Von wegen.

Ich wollte diese Eismaschine! Kacke, man! Ich konnte wirklich nicht leugnen, dass ich enttäuscht war. Es ist auch einfach keine gute Idee, gegen die eigenen Sehnsüchte anzureden. Aber sie umlenken, das kann man, das ist eine Option. Der nächste Tag kam. Der Jemand sprach von einem Brotbackautomaten. Braucht ja auch kein Mensch. Also war ich eine Woche später stolzer Besitzer eines Brotbackautomaten. Die Logik war bestechend. Eine Kollegin bequatschte ihren Mann und fuhr mich sogar extra mit dem Auto bis vor die Haustür, weil Brotbackautomaten ungefähr eine halbe Tonne wiegen. Selig traten der Automat und ich gemeinsam über die Schwelle und würden zusammen glücklich werden. Oh ja, das würden wir. So sieht der Kasten aus, zur Größenorientierung ein Gegenstand aus eurem Alltag daneben:


Und so sieht der Display eines kaputten Brotbackautomaten aus, der keinen Mucks macht, obwohl man ihn und auch sich selbst diverse Male auf den Kopf gestellt und natürlich im tiefsten Vertrauen auf den Jemand und die Brotbackautomatentechnik den Innenraum bereits mit Mehl und Wasser komplett zugepampt hat:


Die Ähnlichkeit ist frappierend! Sie rührt daher, dass es sich um ein und dieselbe Maschine handelt. Sehr unschön das. Kein tolles Eis? Okay. Nun aber auch noch kein tolles Brot? Nicht okay! 

Im Internet schwirren ja so viele clevere Rezepte herum, die beides auch ohne massiven Einsatz schwerster Gerätschaften ermöglichen. Aber ganz ehrlich: manchmal is auch einfach gut. Ich habe kurzum einen liebevoll selbst pürierten Smoothie ins Eisfach gestülpt und viel Wasser mit einer Backmischung für Bauernbrot vermischt, um sie dann in den Ofen zu schieben. Kann man mal machen. Der Herr im Haus, sonst ganz kritischer Feinschmecker, war komplett begeistert von der deutschen Backmischung.


Keine Ahnung, ob ich das jetzt gut finde. Aber die Eismaschine, die erscheint mir nachts noch in meinen Träumen. Irgendwann...iiirgendwann finden wir zueinander. Bis dahin stelle ich mir ein Foto von Katja Ebstein auf den Nachttisch.


Was gelernt?
Schalten Sie die Maschinen ab,
wir kommen auch so klar!