Mittwoch, 22. Juli 2015

Knallebunt geht vieles leichter

Liebe Schnitzelfreunde,
dieser Sommer ist ein turbulenter, und die Zeit, die Zeit, wie sie rennt, es ist kaum zu fassen. Dachte ich eben noch, der letzte Post sei sicher erst ein paar Tage her, sehe ich gerade, dass es doch ein paaaaar Tage mehr sind. Aber gut, dann ist das so. 


Zu Hause wird gekämpft - gegen den Schimmel, den Vermieter und die heiße Luft, die der laut dröhnende Anti-Wasserschaden-Kompressor in die Küche pustet. Eine Sauna, hat auch nicht jeder! Und weil man bei sowas nur verrückt werden kann, dachte ich mir, kann ich auch gleich komplett offensichtlich werden und mich mal auf eines dieser Holi Hail Festivals begeben, um wild tanzend mit farbigem Pulver um mich zu werfen. 

Und alles wieder in Relation zu setzen. Denn irgendwie ist das doch ein bisschen irre, eine Eintrittskarte zu kaufen und sich dann zielgerichtet eigentlich nur komplett einzusauen.


Ich schwöre, dass ich mir vorgenommen hatte, wenigstens ein klitzekleines bisschen Recherche zu betreiben. Mich über den Hintergrund des Festivals zu informieren. Ansatzweise zu verstehen, was das alles soll... Na ja, ihr ahnt es schon, ne? Satz mit X. War nix. Deshalb kam ich mir auch etwas bekloppt vor. Zwischen all diesen fremden Leuten. Als Einzige barfuß. Hippie shit. Als eine der Wenigen nicht in Weiß gekleidet. Ah, so macht man das also. Hopsend, hüpfend, lachend. Schon wieder keine Ahnung, was hier los ist. Ständig zu spät zum Holi Spray und immer wieder den Farbbeutel kaum aufbekommen oder gleich alles auf dem Boden verteilt. Aber wisster: Manchmal ist es eben total okay, irgendetwas einfach so zu tun. Ohne Plan, ohne tieferen Sinn, ohne Eleganz und mit enorm viel Spässkes an der Sache. Und sich hinterher an eingesauten Klamotten, verschmierten Gesichtern, zugestaubten Sonnenbrillen, krustig braunen Füßen zu erfreuen.




Ein paar Inder rannten dort herum. Breites Lächeln, keine Berührungsängste, das mag ich ja. Nicht mal Hallo sagen, nein, sondern gleich mit vollen Händen dieses fremde Gesicht einseifen, das gar nicht daran denkt, sich zu wehren. Die müssen es ja wissen, dachte ich mir, und schloss einfach lächelnd die Augen. Macht ihr mal. Orange auf dem Kopf, Grün, Gelb, Blau, Violett im Gesicht.

Nach ein paar Stunden war's gut. Die Waden schmerzten vom Gehopse, wir sahen aus wie hulle und wollten Eis! Eigentlich das von Ben & Jerry's auf deren Movie Night. Die Schlange vorm Tor entsetzte uns allerdings, also... Tja. Supermarkt? Nee, nicht stilecht. 


Einmal durch die ganze Stadt, bis ins etwas schickere Viertel, zur tollsten Eisdiele. Natürlich hatte ich bis dahin schon wieder vergessen, wie wir aussahen. Vielleicht ganz gut so. Bis dann der Eisverkäufer hinter der Theke auf uns starrte und mit einem "Pistazie, bitte!" geweckt werden musste. Huch, ach so, natürlich, Verzeihung. 


Bisschen rumbummeln, ne tolle Wand finden, letzte-Gelegenheit-Bilder knipsen, erst du, dann ich, dann Selbstauslöser, Franzose verliert den halben Kopf, ein wenig schäkern mit dem tätowierten Menschen samt Hund, der seine Begeisterung über unser Verschmiertsein ausdrückt, aus Versehen kleine Kinder erschrecken, ein wirklich großartiger Tag. Weit weg von allem. Gerne wieder. Wirklich, sehr gerne, immer, immer wieder!

Was gelernt?
Wenn man merkt, dass Einsauen mit Farbpulver eine Lösung darstellt,
einfach ein paar Beutelchen mit nach Hause nehmen. 
Für weitere Wasserschäden. Oder so. 

Donnerstag, 9. Juli 2015

Perspektivenwechsel.




 Ihre.


Seine.


Was gelernt?
Anderer Blickwinkel, anderes Bild. 
Und: Anderer Blickwinkel, plötzlich Quadratlatschen.  

Sonntag, 5. Juli 2015

Sparschäler are good for you.
Oder: Salata!

Liebe Schnitzelfreunde,
meine kleine Reise nach Istanbul ist mittlerweile so lange her, dass ich ab und an befürchte, nicht mehr vernünftig davon berichten zu können, denn Erinnerungen verblassen, das haben sie manchmal so an sich. Auch deshalb habe ich meine Kamera so liebgewonnen. Sie hilft mir dabei, dem Schicksal aller Goldfische ein Schnippchen zu schlagen. Knipsen gegen das Vergessen. 

Ihr erinnert euch vielleicht an die bekloppte Fährfahrt in Richtung Prinzeninsel, von der ich euch berichtet habe. Obwohl, von dem wirklich bekloppten Ereignis während der Fährfahrt hatte ich kein Sterbenswörtchen geschrieben. Kann man ja kurz nachholen. Bereit?

Wir versetzen uns zurück in die Situation: Fähre, endloses Blau, plötzliches enormes Aufkommen von Möwen, begeisterte Menschen, alle wahnsinnig abgelenkt. Alle, aber auch wirklich alle starren vom Boot weg, in Richtung Meer und fliegende Cräcker. Auf einmal BRÜLLT es hinter uns. Natürlich versteht kein Mensch, was los ist oder was gerade gesagt wurde. War das Türkisch? Kann hier irgendjemand Türkisch? Ich jedenfalls schonmal nicht. Aber als normaler Mensch reagiert man ja einfach mal, wenn man ungewohnten Lärm wahrnimmt. Erster cleverer Schachzug. Ich senke die Kamera, hebe eine Augenbraue, drehe mich um, und dann hebe ich die zweite Augenbraue, denn dort steht ein Mann mitten auf der Fähre und reckt eine Kartoffel in die Höhe. Eine. Kartoffel. Er trägt ein graues Sacko und sieht sehr fröhlich aus. "Salata!" ruft er. Aha, Salat, okay, das können wir durchgehen lassen. Sein zweiter Arm schnellt in die Höhe. Er hat seine Waffe gewählt: einen Sparschäler. Silbern, schnittig, formschön. Eine Art Tupperparty, denke ich, und irgendwie finde ich es völlig okay, ja sogar beruhigend, da jetzt nicht wegrennen zu können. Kaufen muss ich schließlich auch nichts. Lasset die Spiele beginnen.


Begeistert geht der Mann ans Werk und schält seine Kartoffel. Na gut, die halbe Kartoffel. Und zwar fächerförmig in ein Akkordeon. Für eine Weile vergesse ich die Möwen und überlege, warum ich meine Kartoffeln zu Hause immer nur hilflos im Kreis schäle, wenn sie doch auch SO aussehen könnten. Die Akkordeonkartoffel klappt nach unten aus und ist wunderschön. Der fremde Mann strahlt, sein Blick sucht nach Anerkennung im Publikum. Ich will mal nicht so sein und juble. Die Veranstaltung nimmt Fahrt auf. Die Fähre nicht. Dieser Mann hat alle Zeit der Welt, uns von seinen Sparschälern zu überzeugen, warum wirkt er so gehetzt? In Windeseile schält er noch eine Karotte! Und eine Tomate! Eine Schlangengurke! Jedes einzelne kleine Gemüsewunder der Natur wird triumphierend in die Luft gereckt und erst geschält, wenn genügend Applaus und Gegröhle geerntet wurden. Ein zweiter cleverer Schachzug. In kürzester Zeit einen völlig irren Hype zu erzeugen. 

Ich strahle übers ganze Gesicht, weil diese Situation so absurd ist. Mit zig fremden Menschen auf einer Fähre irgendwo vor Istanbul juble ich einem fremden Mann zu, der einfach nur Gemüse schält. Warum nicht. Die Masse kocht. Unser Sparschälguru greift in seine Zauberkiste und... holt eine dicke, kugelrunde Wassermelone hervor. Die stemmt er in gewohnter Manier triumphierend in die Höhe.

Moment. Eine Wassermelone? Der hat sie doch nicht alle. Und die will er jetzt schälen? Mit seinem pisseligen Sparschäler oder was? Eine Wassermelone!

Die Leute springen von ihren Sitzen auf. Ich blicke irritiert von links nach rechts und wieder zurück. Habe ich irgendwie den Schlüsselmoment verpasst? Drehen jetzt alle komplett am Rad? Und wo sind die Kameras? Ist uns so langweilig auf dieser Fähre, dass wir sogar Obst und Gemüse als Highlight empfinden? Wo verdammt sind denn die Kameras? Und was ist mit den Möwen? Haben denn alle die Möwen vergessen? Warum sind silberne Sparschäler cooler? Was'n hier los?

Egal, mitmachen! 

Und dann schält er ernsthaft diese riesengroße Wassermelone mit seinem blitzeblanken Supersparschäler. Ich habe eine Wassermelone rasiert. Unter to-sen-dem Applaus. "Salataaa!!" brüllt er immer wieder für den letzten, der es immer noch nicht kapiert hat. Wir lachen, wir klatschen, wir machen Fotos. Und als der Messias am Ende seiner Darbietung durch die Reihen läuft, um seine wunderbaren Oberhammersparschäler mit vollen Händen ans gemeine Volk zu verteilen - endlich! Mein Gott, was haben wir darauf gewartet! - gibt es tatsächlich Menschen, die gleich unfassbare vier Stück auf einmal kaufen und so aussehen, als wäre dies hier der allerallerschönste Tag ihres Lebens. 


Meine Wangen glühen, das Haar ist komplett zerzaust, und leider habe ich vor lauter Begeisterung vergessen, mehr Fotos zu schießen. Oder vielleicht auch einfach mal nur gute Fotos. Aber genau so muss das sein. Die Leute um mich herum schlagen ihre Sparschäler frenetisch gegeneinander und versuchen, sich gegenseitig die Köpfe zu rasieren. Kurz überlege ich, diese Fähre nie wieder zu verlassen. 


Meine Begeisterung geht so weit, dass ich Franzose eine SMS nach Hause schicke, in der steht, dass ich total gut drauf bin, Urlaub alleine unglaublich toll finde und fast einen bis fünf Sparschäler auf einer Fähre gekauft hätte. Franzose fragt, ob er sich Sorgen machen müsse, ob Istanbul denn echt nichts besseres als Sparschäler zu bieten habe und ob denn sonst alles okay sei. Natürlich ist alles okay! Mehr als okay.

Versteht er denn gar nichts? Herrgottnochmal. Kopfschüttelnd wende ich mich wieder dem Wahnsinn zu und werfe kurz darauf gedankenverloren ein paar Cräcker und am besten auch gleich meinen Verstand mit über Bord. Warum fahren Menschen nicht viel, viel öfter mit Fähren durch die Gegend? Besser geht es doch kaum.

Was gelernt?
Also, so'n Sparschäler, der kann schon
auch irgendwie sexy sein, wa? 

Sonntag, 21. Juni 2015

Hurra! Ach nee, doch nicht.

Liebe Schnitzelfreunde,
mir wollte letztens jemand eine Eismaschine schenken. Aus einer Haushaltsauflösung. Und obwohl Eismaschinen meiner Meinung nach in die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht" gehören, war der Rest von mir - also alle Einheiten außer der Vernunft - auf einen Schlag in Partystimmung.


Eismaschineeeee!!! (Dazu dieses Lied. Und Konfetti.)


Ich sah knallepinkes Himbeer-Sahne-Eis in handgeformten Knusperwaffeln, sah Franzose und mich, wie wir uns mit schaufelradgroßen Löffeln durch Ozeane aus Zartbitterschokoladeneis pflügten und die Abende damit verbrachten, uns vorzustellen, welche bekloppten Zutaten man miteinander kombinieren müsste, um das eine Eis zu kreieren. Das Eis, das einem Tischfeuerwerk ebenbürtig wäre. Neben dem man kein anderes Eis mehr haben wollte. Irgendwas mit Pistazie also schonmal. Ich sah die tollsten Eis-Posts hier in meiner Schnitzelecke, sah Eispartys auf dem Balkon, sah das Gefrierfach überquellen vor lauter Eis. Oh Gott, ich liebe Eis.

Joah. Und dann kam er. Der Tag, an dem dieser eingangs erwähnte Jemand meine Eisphantasien kalt lächelnd mit einem kleinen Sätzchen zerstörte: "Ach so, die Eismaschine ist übrigens schon weg." Pffff. Plöp. Übrigens!

Mir doch egal, wollte ich denken. Ist mir ja so latte. Eigentlich eh besser so - Eismaschinen stehen nur dumm rum und stauben zu. Ständig muss man sie mit einem feuchten Lappen abwischen. Das will doch keiner. Nichts als Ärger vermutlich.

Jaja. Von wegen.

Ich wollte diese Eismaschine! Kacke, man! Ich konnte wirklich nicht leugnen, dass ich enttäuscht war. Es ist auch einfach keine gute Idee, gegen die eigenen Sehnsüchte anzureden. Aber sie umlenken, das kann man, das ist eine Option. Der nächste Tag kam. Der Jemand sprach von einem Brotbackautomaten. Braucht ja auch kein Mensch. Also war ich eine Woche später stolzer Besitzer eines Brotbackautomaten. Die Logik war bestechend. Eine Kollegin bequatschte ihren Mann und fuhr mich sogar extra mit dem Auto bis vor die Haustür, weil Brotbackautomaten ungefähr eine halbe Tonne wiegen. Selig traten der Automat und ich gemeinsam über die Schwelle und würden zusammen glücklich werden. Oh ja, das würden wir. So sieht der Kasten aus, zur Größenorientierung ein Gegenstand aus eurem Alltag daneben:


Und so sieht der Display eines kaputten Brotbackautomaten aus, der keinen Mucks macht, obwohl man ihn und auch sich selbst diverse Male auf den Kopf gestellt und natürlich im tiefsten Vertrauen auf den Jemand und die Brotbackautomatentechnik den Innenraum bereits mit Mehl und Wasser komplett zugepampt hat:


Die Ähnlichkeit ist frappierend! Sie rührt daher, dass es sich um ein und dieselbe Maschine handelt. Sehr unschön das. Kein tolles Eis? Okay. Nun aber auch noch kein tolles Brot? Nicht okay! 

Im Internet schwirren ja so viele clevere Rezepte herum, die beides auch ohne massiven Einsatz schwerster Gerätschaften ermöglichen. Aber ganz ehrlich: manchmal is auch einfach gut. Ich habe kurzum einen liebevoll selbst pürierten Smoothie ins Eisfach gestülpt und viel Wasser mit einer Backmischung für Bauernbrot vermischt, um sie dann in den Ofen zu schieben. Kann man mal machen. Der Herr im Haus, sonst ganz kritischer Feinschmecker, war komplett begeistert von der deutschen Backmischung.


Keine Ahnung, ob ich das jetzt gut finde. Aber die Eismaschine, die erscheint mir nachts noch in meinen Träumen. Irgendwann...iiirgendwann finden wir zueinander. Bis dahin stelle ich mir ein Foto von Katja Ebstein auf den Nachttisch.


Was gelernt?
Schalten Sie die Maschinen ab,
wir kommen auch so klar!

Montag, 8. Juni 2015

Istanbul

Liebe Schnitzelfreunde,
ich zeige euch heute ein paar Bilder aus Istanbul. Da war ich vor ein paar Wochen - der ein oder andere mag sich erinnern. Zwar nur für fünf Tage, aber für eine Großstadt reicht das dicke. Für mich sind solche Urlaube was ganz Besonderes: ganz alleine, nur die Kamera und ich. In dieser Konstellation erlebt man meist mehr als in, öhm, anderen Konstellationen. Der Urlaub sprang mich spontan von hinten an, als ich den Arbeitgeber wechselte und unerwartet vor der Wahl stand, mir die restlichen Urlaubstage (wo auch immer sie herkamen) auszahlen zu lassen oder sie eben gutgelaunt abzufeiern. Und da Geld bekanntlich mal kommt und mal geht, ich aber lieber die Welt sehen möchte, war das 'ne klare Kiste. Weg! Aber sowas von weg.


Heute gibt es einfach ein paar meiner liebsten Bilder. Ohne viel Geschnurre und Rhabarber drumherum. "Draußen" warten nämlich zurzeit eine dramatische Mieterhöhung, ein Wasserschaden, emsige Wohnungssuche und andere lustige Dinge darauf, von mir bewundert und bespaßt zu werden. Aber wisst ihr was, das geht auch wieder vorbei. Lehnt euch zurück, denkt an Urlaub und lutscht gemütlich an einer gefrorenen Banane. Ich mach mit. Komm, und jetzt Fotos gucken.


Ihr seht das nicht, aber ich hab mir da dermaßen den Bauch vollgeschlagen. Und ständig Essen geknipst. Als gäb's kein Morgen mehr. Alles musste probiert und dann konserviert werden. In fünf Tagen passt nicht soooo viel Essen in einen rein, dennoch würde ich behaupten, einen beachtlichen Schnitt erreicht zu haben. Salzig, süß, noch viel süßer und ein bisschen sauer. Da ich fremde Städte aber eh immer zu Fuß erkunde, war das schnuppe. Und lecker. So lecker!


Was gelernt?
Fotos für den inneren Seelenfrieden!
Es funktioniert. 

Freitag, 29. Mai 2015

Hoch die Tassen! [Rezept]
Maracuja-Minz-Limonade selbstgemacht

Liebe Schnitzelfreunde,
jetzt hat der Sommer doch so richtig angefangen, findet ihr nicht auch? Sagt jetzt nichts Falsches, dies hier ist ein auto-suggestiver Text. Sollten sich einem von euch die Nackenhaare aufstellen, weil ich hier so einen Müll erzähle, so möge er entweder gleich zu den Fotos runterscrollen oder meinen Biokompost-Post (Postpostpost) noch weiter unten lesen. Für authentischen, naturbelassenen, echten Müll. Ich brauche jetzt Sommer - für die Laune, die Sonnenblumen auf dem Balkon und erst recht die leckere Sommerlimo aus diesem Post. Der seit drei Wochen hier herumliegt. Weil es zu kalt war. So. Wir setzen nochmal an: Morgens braucht man doch mittlerweile kaum mehr als seine Schläppchen und vielleiiicht noch eine hauchdünne Strickjacke, schon geht's los. Mit Sommer und so. Aber vor allem mit dem morgendlichen Frieren... Hmmm. Aber Erdbeeren, die gibt's! 

Yeah. 

Gut, Einleitung etwas auf die schiefe Bahn geraten. Weiter. An genau SO einem Tag schleifte ich jedenfalls letztens Franzose in ein richtig tolles neues Burger-Restaurant. Jamy's Burger. So neu, dass nicht einmal die Website ganz fertiggestellt ist. Das ist okay. Die kümmern sich eben lieber ums Essen als ums Internet. So wie sich datt gehört.

Ehrlich gesagt zögere ich immer ein wenig, Burger und Restaurant in ein Wort zu packen. Na ja, hm, hm... Das macht das große güldene M schließlich auch, und wir wissen ja, wie viel gute Küche da drinsteckt. Fast wie bei Mutti, ne?



Burger also. Jamy's Burger. Sehr lecker und sehr zu empfehlen! Wir stürzten uns beide auf den uneingeschränkt geilen Avocado-Burger, teilten uns eine Portion Süßkartoffelpommes (verliebt! ich bin verliebt!) und bestellten die hausgemachte Limette-Minz-Limonade. Und da muss es wohl passiert sein. Während von außen nicht viel zu sehen und echt nicht mehr zu hören war außer "This might actually be THE greatest burger I have eaten in ages! I mean it." und "Die Limonade ist lecker, aber ein bisschen zu süß," ging in meinem Franzosen anscheinend gleich wieder ein ganzes Raketenleuchtfeuerwerk in Abschussbereitschaft. Manchmal stelle ich mir eh schon vor, dass da eine wildgewordene Horde kleiner, gelber Männchen mit Nickelbrille in ihm herumpalavert, mit Lageplänen und groben Skizzen auf Pergamentpapier wedelt und geschäftig im Kreis läuft. Um Großes zu schaffen. Während ich einfach nur proppevoll dasitze, heimlich aufstoße und in Ruhe mein Essen verdaue.

Aber zurück zur Geschichte.

Zu Hause dann. Da flippte er durch die Küche, warf eine ratternde Maschine an, klackerte mit Gläsern, es gluckerte, man hörte es schlürfen. Ich darf in solchen Momenten ja den Raum nicht betreten! Eine skandalöse Angelegenheit, um die es eventuell ein andermal gehen kann, aber nicht heute.

Denn heraus kam dabei ungelogen die leckerste selbstgemachte Limonade, die ich je probiert habe! So fruchtig-frisch und einfach kugelrund im Geschmack, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist als dieses Rezept samt visueller Anleitung. Denn es fehlen hier und da präzise Mengenangaben für ein paar der Zutaten. Ihr könnt die Superlimonade trotzdem bauen. Traut eurem Geschmack, meinen Bildern und eurem Gefühl beim Nachmachen! Dann kann es nur gut werden.




Maracuja-Minz-Limonade

Mineralwasser
4-5 Blätter frische Minze
3-4 Eiswürfel
Trichter, der fast bis zum Glasboden reicht
2 EL selbstgemachter oder 1 EL gekaufter Zuckersirup
Saft von einer halben Limette
Maracujasaft zum Auffüllen

In genau dieser Reihenfolge werft ihr jetzt fröhlich die Zutaten in ein Standard-IKEA-Glas. Das sieht dann ungefähr so aus, und alles wird gut: 

  
Der Trichter, und das habt ihr sicher gleich von Anfang an durchschaut, is nur für schön und zum angeben. Mit dem Schätzchen bekommt man es ganz einfach hin, die Limo im Lagenlook zu gestalten und mit unserem liebsten Stilmittel, der Alliteration, zu versehen. Und das ist beides wunderschön. Wenn ihr gaaaaanz vorsichtig seid, funktioniert es auch, die farbigen Zutaten in Rinnsalen am inneren Glasrand runterrutschen zu lassen. Und zwar in Zeitlupe, Damenundherren. Also, wenn ihr für sowas Zeit habt, bitte. Ich muss jetzt Limo trinken!


Schmecken tut's übrigens erst so richtig, wenn der Showeffekt weg ist. Umrühren und verblenden. Grenzen verwischen. Nichts ist für die Ewigkeit. Merkt ihr das? Da steckt eine ganze Philosophie hinter dieser Limo. Die ist nicht so profan wie man meinen mag.


Und für die, die sich vorhin gefragt haben, wie man denn an diesen selbstgemachten Zuckersirup kommt: nehmt zu gleichen Teilen braunen Zucker und normales Wasser. Will heißen, z.B. 200g braunen Zucker und 200ml Wasser. Kocht beides zusammen auf, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat, füllt das Ganze in ein wiederverschließbares Glas und lasst es abkühlen. Der Vorteil ist zum einen, dass man nur so viel Sirup herstellt, wie gebraucht wird und zum anderen natürlich der unschlagbare Preis. Und lecker is auch.




Als nächstes muss ich vielleicht noch endlich mal meinen Plan umsetzen, mich stundenlang ins Erdbeerfeld zu hocken. Zum Pflücken. Oder meine heißgeliebten Super-Sommer-Obstteller (ich weiß, heißer Scheiß) zusammenwerfen und verzückt anstarren anstatt sie zu essen. Oder eine Hängematte zwischen zwei Bäume packen. Oder Blumen ins Haar stecken. Was tut ihr, damit es endlich losgeht?


Was gelernt?
Sommer lässt sich von innen starten.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Beziehungsprobleme mit überraschend viel Grün
Radtour in der Frankfurter Südkurve

Liebe Schnitzelfreunde,
Frankfurt und ich haben so unsere liebe Müh' miteinander. Irgendwie funkt es nicht so recht. Und das seit mittlerweile über vier Jahren. So ganz genau ist mir noch immer nicht klar, woran das liegt. Wir sind wie ein ungleiches Pärchen, bei dem der eine zu viel nimmt, und der andere zunächst fassungslos dabei zusieht, dann phasenweise heftig protestiert und schließlich einfach seelenruhig mit seinem eigenen Kram weitermacht und darauf hofft, dass der Partner zur Vernunft kommt und mit dem Scheiß aufhört. Da fehlt der Dialog! Im Winter verstehen wir uns wirklich nicht sehr gut, noch schlechter als sonst schon. Aber zum Glück kommt dann immer rechtzeitig der Frühling und dann der Sommer umme Ecke. Kurz bevor's Tote geben würde.

Vergangenen Sonntag war wieder so ein Tag, an dem ich dachte: "Komm, Frankfurt, das kann doch hier nicht so weitergehen mit uns zwei hübschen Köppen. Ich möchte an unserer Beziehung arbeiten. Ernsthaft und aufrichtig. Lass uns nicht lang reden, das üben wir ein andermal, lass uns was tun. Du Sonne, ich den Rest." Und was soll ich sagen?! Gefluppt hat es! Ich war ein klitzekleines bisschen von den Socken, wie großartig ein Tag in Frankfurt sein kann. Na gut, das ist ein wenig geschummelt, weil's eher ein Tag um Frankfurt drumherum war. Aber wir woll'n mal nicht kleinlich sein. Kommt mit.

 
Seit Weihnachten lag hier in der Schublade so ein Buch herum. RadRheinMain - Die schönsten Touren rund um Frankfurt und hastenichgesehnisdatschönhier. Das polterte und randalierte plötzlich. Weil es da draußen einfach so gut roch, nach Sonne und guter Laune. Und wenn man's allein halt nicht hinbekommt, die liebenswerten Seiten einer Stadt zu entdecken, ganz ehrlich, dann kann man sich auch mal professionelle Hilfe holen und das eigene Schicksal in anderer Leute Druckerschwärze legen. Und sich drin wälzen. Ach nein, jetzt geht das mit den schlechten Wortwitzen wieder los...


Wir hatten uns jedenfalls eine echt tolle Tour rausgesucht. Für die hätte man eine S-Bahn benutzen müssen. Blöd, dass grad gestreikt wurde... Na ja, oder auch nicht! Spontan wurde umdisponiert und ganz kreativ Tour Nummer 1 aus dem Buch zum neuen Held des Tages gewählt. "Durch den Frankfurter Stadtwald zur Schwanheimer Düne." Die wollte ich sowieso seit längerer Zeit mal begutachten. Düne in der Großstadt? Wir lassen uns doch nicht veräppeln. Obwohl's ja gut klingt. Sowas muss überprüft werden. Die Tour begann am Eisernen Steg, der Brücke, die ihr hier oben schwer beladen unter unzähligen bunten Vorhängeschlössern geraaade noch so erkennen könnt.

Dann ging es fein am Main entlang, und ich gebe zu, dass ich aus Gewohnheit immer, immer Rhein sagen und auch schreiben möchte. Einmal Pottkind, immer Pottkind, da machste nix. Main also. Das belastet die Beziehung sicher auch ein wenig. Mein Herz schlägt (noch) für einen anderen.


Das da über dem Gewächshaus ist übrigens die neue EZB. Rie-sen-groß.

Wir bogen ab. Das macht man ja manchmal. Gerade, als ich so richtig in die Pedale treten wollte, weil es leicht bergauf ging, quietschte Franzose freudig und ich stolperte irritiert vom Fahrrad. "Speck weg!", rief er und strahlte. Meinte der mich?

Nee.

Das asphaltierte Sträßchen, auf dem wir gelandet waren, trug den Namen "Speckweg". Franzose stellte sich unters Schild, hob das T-Shirt an, zeigte einen Hauch, wirklich nur einen Hauch von Bauchspeck, und ich drückte auf den Auslöser. Leider versprach ich, das Bild hier nicht zu zeigen. Aber ihr habt Phantasie!

Die eigentliche Attraktion rund um den Speckweg ist natürlich eine andere. Dort werden die berühmten sieben Kräuter für die tolle Frankfurter Grüne Soße oder auch Grie Soß angebaut - Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Was für eine bekloppte Mischung. Sie schmeckt aber. Und irgendwer hatte die Idee, dazu noch eine Art obskures Grüne-Soße-Denkmal aufzustellen. Ein Denkmal für Kräuter! Daran sind wir leider achtlos vorbeigeradelt, daher kein Bild. Hm.

Es ging ab in den Wald. Den Frankfurter Stadtwald. Nachdem ich versucht hatte, den Goetheturm umzukippen (es sieht eher nach Tai Chi aus, ja, na ja, na gut), gingen wir erst einmal wieder verloren. Dieser Stadtwald ist voller Schneisen! Das Buch redete von Scheerwaldschneise hier, Ebertschneise da, und passen Sie um Gottes Willen auf, dass Sie den Abzweig nicht verpassen, joah, und schon war es geschehen. Ta-da. Natürlich. Gut. Wir hatten es wenigstens versucht. Das zählt. Wir hielten an einem Stoß aufgeschichteter Baumstämme. Franzose sprang darauf herum, ich legte mich einfach ganz unauffällig zu den Stämmen dazu. Dann sprang auch ich.

 Von unten sieht man selten gut aus.

Viele Schneisen später lichtete es sich plötzlich. Riesige weitläufige Waldwiesen lagen vor uns. Aber gut, so ein bissken Gras wird euch jetzt wohl kaum beeindrucken, ne? Grün halt.


Aber vielleicht so ein Bäumchen hier mit Glubschaugen? Das steht in den Schwanheimer Waldwiesen, ziemlich mittendrin. Zu erkennen an der extrovertierten Stromschlagfrisur. Die seht ihr auf dem nächsten Bild. Frankfurter scheinen Humor zu haben, schau an, schau an. Wir radelten so friedlich an sehr, sehr großen, sehr, sehr grünen Wiesen vorbei, als uns dieser Baum hier unerwartet von der Seite anglotzte. Vollbremsung meinerseits! Beinahe Kollision mit mehreren Verletzten. 


Struwwelpeter sagt das Schild am Baum zu Recht. Geile Frise. Wir machten erneut Halt und bummelten herum. Anstatt wie geplant im Wald nach Bärlauch zu fahnden, begnügte ich mich damit, Pusteblumen plattzupusten und Bäume anzustarren. Und typische Bloggerbilder zu schießen. "Schau, was ich in Händen halte." Die mag ich.

Wie man das an einem Tag, der schon so sehr nach Sommer duftet, halt so macht. Keine Aufregung, nur treiben lassen. War Frankfurt am Ende doch ein Partner, mit dem es sich leben ließe? ...ganz ehrlich, ich mach's der Stadt auch nicht leicht. Da war Skepsis, gleich von Anfang an - wie soll man denn da offen aufeinander zugehen? Ich bin echt ein Depp. 


Nach einer LAUTLÄRMENDEN Überquerung der Schnellstraße B40, die sich geschickt hinter Wald und Wiesen versteckt hatte, surrten wir endlich schnurstracks auf die heiß ersehnte Düne zu. Und ich weiß, wie doof das klingt, aber: das Ding ist flacher als ganz Holland, und trotzdem herrscht da Urlaubsstimmung, sie überkommt einen einfach und heftet sich an die Fersen. Was sicher teilweise am Überraschungseffekt liegt. Diese große Stadt mit all ihren wahnwitzigen Hochhäusern ist so nah, und dann sprießt einem da eine 10 000 Jahre alte Binnendüne aus'm Boden. Da weiß man gar nicht, wohin mit sich. Die Düne muss man auf einem hölzernen Bohlenweg durchqueren. Das darf man barfuß tun. Ein bisschen suchen muss man den Sand auch. Überall stehen Kiefern, drumherum wachsen Silbergras und Bauernsenf, es duftet wie an der französischen Atlantikküste. 

Na gut, und dann kommt einem wie in unserem Fall auch manchmal eine ältere Dame entgegen, die einen zunächst anspricht, eine Frage stellt und dann die Antwort gar nicht erst abwartet, denn "Oooooohhh, da blüht ja eine Grasnelke!! Oh ja, da drüben! Ja. Ja, ja... Mh-hm, ja." und dann läuft sie murmelnd weiter und lässt einen einfach perplex dort stehen. Typ 'begossener Pudel'. Hehehe, ich mag Bekloppte.


Gut. Nicht wundern, einfach weitermachen. Schnell noch auf den Boden gelegt, einen Marienkäfer geknipst und zum zweiten Mal an diesem schicksten aller Maisonntage die Sonnencreme vom letzten Sommerurlaub aufs fahle Antlitz geschmiert.


Und weil es echt sein musste und gar nicht anders ging, radelten wir zum Abschluss unserer Tour allen Ernstes noch einmal quer durch die gesamte Stadt bis zum legendären Eis Christina. Pistazie und Erdbeer-Balsamico für sie, Schokolade und Maracuja für ihn.

Von wegen Speck weg... Vergiss es. Her mit dem leckeren Leben!

Was gelernt?
  Veränderung heißt Arsch hoch!